Muslimischer Fastenmonat hat begonnen
Ramadan 2020: Alles ist anders

Ahlen -

Normalerweise ist der Fastenmonat Ramadan für die Muslime eine Zeit des Gebets und der Begegnung. Aber das Coronavirus stellt in diesem Jahr alles auf den Kopf.

Samstag, 25.04.2020, 21:25 Uhr aktualisiert: 25.04.2020, 21:30 Uhr
So reichlich gedeckt ist der Tisch jedes Mal beim offiziellen Ramadanfest der Ditib-Gemeinde, in diesem Jahr macht die Corona-Pandemie alle Pläne zunichte.
So reichlich gedeckt ist der Tisch jedes Mal beim offiziellen Ramadanfest der Ditib-Gemeinde, in diesem Jahr macht die Corona-Pandemie alle Pläne zunichte.

„Es wird ganz schwer werden, kein Treffen mit Freunden, kein Moscheebesuch.“ Wenige Stunden vor Beginn des Fastenmonats Ramadan ist Mohamed H. am Donnerstagnachmittag gespannt, wie er die Herausforderungen meistern wird. Mohamed ist einer von 8000 in Ahlen lebenden gläubigen Muslimen. Der Fastenmonat 2020 wird für den 30-jährigen Asylbewerber aus Somalia ganz anders sein als in den vergangenen Jahren. Die Corana-Pandemie hat seinen Alltag auf den Kopf gestellt.

Moschee geschlossen

Bereits seit Mitte März ist die Moschee geschlossen. „Das Gebet dort hat mir immer viel Kraft gegeben“, bedauert Mohamed die Maßnahme. Auch das Fastenbrechen nach Einbruch der Dunkelheit war für den jungen Mann immer ein Highlight im Kreis der Freunde mit Restaurantbesuchen oder gemeinsamem Kochen. „Die Sicherheitsmaßnahmen lassen keine Kontakte mehr zu, auch das dreitägige Zuckerfest am 23. Mai wird wohl nicht stattfinden können,“ schaut der Afrikaner in eine ungewisse Zukunft. Aber er zeigt auch Verständnis. „ Das Wichtigste ist, dass die Krise bald vorbei ist, dafür werde ich beten“, ruft er alle Religionen auf, es ihm gleich zu tun.

Das Gebet dort hat mir immer viel Kraft gegeben.

Mohamed H.

Volles Verständnis für die Enttäuschung hat Ilkay Damismaz. Der Vorsitzende des Integrationsrats der Stadt Ahlen und Vorsitzende der Ditib-Moschee-Gemeinde hat nach einem beratenden Gespräch unter Theologen den Entschluss der Gelehrten zur Kenntnis genommen, auch in diesem Jahr wie gewohnt im Ramadan zu fasten. Allerdings, so räumt er ein, liege die Entscheidung bei jedem Einzelnen. Und Ausnahmeregeln gebe es auch. Vom Fasten ausgeschlossen – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – sind Kranke und Alte, Schwangere, stillende Mütter, Kinder und auch Reisende, deren Anzahl in diesem Jahr aufgrund der Beschränkungen sehr gering sei. In weiteren Fällen müsse mit einem Arzt abgesprochen werden, ob man fasten darf oder nicht.

Koran in Liveübertragung

„Ich denke, es fällt uns allen schwer, den gewohnten Kontakt zu vermeiden“, sagt Ilkay Danismaz. Jeder brauche das Zusammensein mit anderen Menschen. Deshalb werde das gemeinsame Beten und Fastenbrechen, das alle verbindet, so schmerzlich vermisst. Er ist aber optimistisch, die Corona-Krise gemeinsam bewältigen zu können. Die Ditib-Gemeinde bietet durch digitale Medien verschiedene Angebote für Muslime im Fastenmonat an. So wird beispielsweise während des Ramadan der Koran vom Religionsbeauftragten live über Facebook übertragen und damit von der Moschee in die Wohnzimmer verlegt.

Schmerzlich ist für Ilkay Danismaz auch, dass das Fastenbrechen in diesem Jahr nicht im öffentlichen Rahmen mit einem großen Buffet gefeiert werden kann, und auch das dreitägige Zuckerfest als Familientradition mit Besuchen und Geschenken ausfallen muss. Ob das traditionelle Opferfest vom 30. Juli bis 3. August stattfinden kann, auch das ist in der Krise noch nicht absehbar.

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