Heiko Herrmann im Winter-Haus
Im Rausch der Farbe

Ahlen -

Die Eröffnung am 28. März musste ausfallen, doch jetzt ist die Ausstellung von Heiko Herrmann im Fritz-Winter-Haus zugänglich. Die Besucher erwartet ein wahrer Farbrausch.

Samstag, 02.05.2020, 14:08 Uhr
Die Leiterin des Fritz Winter-Hauses, Helga Gausling, freut sich, dass sie die Ausstellung jetzt für Besucher öffnen kann.
Die Leiterin des Fritz Winter-Hauses, Helga Gausling, freut sich, dass sie die Ausstellung jetzt für Besucher öffnen kann.

Die Bilder Heiko Herrmanns sind ein Abbild dessen, was sich gerade in der Natur vollzieht: Die Farben „explodieren“ förmlich in den Werken des Münchners, so wie die Vegetation in den vergangenen Wochen zu neuem Leben erblüht ist. Bislang hatten die farbigen Manifeste Herrmanns keine Gelegenheit, sich dem Publikum mitzuteilen. Das hat sich mit der schrittweisen Rückkehr zum Alltagsleben geändert, so dass die Ausstellung „Heiko Herrmann – Malerei und Skulptur“ im Fritz-Winter-Haus auch an diesem Wochenende besucht werden kann.

Mit dem Betreten taucht der Besucher in eine Welt ein, die ihm auf den ersten Blick bekannt vorzukommen scheint, ohne dass sich ihm die Bildinhalte sofort mitteilten. Das geschieht auch beim genaueren Hinsehen nicht – die Kompositionen, die vor Farbe nur so strotzen, bleiben rätselhaft. Figürliches mischt sich mit Landschaftlichem, ohne dass sich ein inhaltlicher Kontext erkennen lässt.

„Dynamisch-gestischer Malprozess“

In jeder Pore der Leinwand und jeder Phase der Bildentstehung wird die radikale Abkehr von einer lange vorherrschenden Doktrin geometrischer Abstraktion, die im Konstruktivismus und dem Bauhaus wurzelt, spürbar. In einem Begleittext zu einer 2016 eröffneten Ausstellung, die auf ihrer Tournee 2018 auch im Fritz-Winter-Atelier in Diessen am Ammersee Station machte, beschreibt Johannes van Mengen die Bildgenese als „dynamisch-gestischen Malprozess“, an dessen Ende eine Bildsprache für „inneres Erleben“ stehe. „Diese Verbildlichung wird von bekannten Zeichen und Inhalten frei gehalten“, schreibt van Mengen. Am besten lasse sich diese Art des Malens mit dem Begriff „lyrische Abstraktion“ beschreiben.

Mit der Sichtbarmachung des „inneren Erlebens“ begibt sich Herrmann auf die Spuren der Surrealisten, die der „unmittelbaren Niederschrift“ des Empfundenen einen wichtigen Stellenwert beimaßen. Mit seinen kon­trären Farbsetzungen, die sich gegenseitig steigern, gewährt Herrmann Einblick in ein von inneren Widersprüchen nicht freies Gefühlsleben.

Zugleich wirken die „Farbbezirke“, von denen van Mengen spricht, „räumlich lichterfüllt und rhythmisch bewegt und fügen sich harmonisch zu einem Ganzen“. Die scharf gegeneinander abgegrenzten und kon­trastierenden Farbflächen erzeugen eine Sogwirkung, die den Betrachter geradezu in die räumlich strukturierte Komposition hineinzieht.

Ein Besuch der Ausstellung im Fritz-Winter-Haus verspricht am Wochenende einen tiefen Rausch der Farbe.

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