Erster Gottesdienst nach sechs Wochen Zwangspause
Zwischen Sicherheit und Wagnis

Vorhelm -

Zurückhaltend reagierten die Gläubigen in Vorhelm auf die Möglichkeit, wieder an Gottesdiensten in St. Pankratius teilzunehmen – unter Auflagen. Bei denen, die dabei waren, überwog aber die Freude über zurückkehrende Gemeinschaftserlebnisse.

Sonntag, 03.05.2020, 13:06 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 11:24 Uhr
Normalerweise kommen cirka 70 Gläubige in den Samstagsgottesdienst. Zum Einstieg nach den Corona-Beschränlungen waren es weniger als die Hälfte. Die „Gotteslob“-Liederbücher der Pfarre wurden nach dem Gottesdienst gereinigt.
Normalerweise kommen cirka 70 Gläubige in den Samstagsgottesdienst. Zum Einstieg nach den Corona-Beschränlungen waren es weniger als die Hälfte. Die „Gotteslob“-Liederbücher der Pfarre wurden nach dem Gottesdienst gereinigt.

Wohl noch nie gab es in St. Pankratius für die Gottesdienstbesucher so viele Anweisungen vor und während der Messe. Was zugleich aber ein gutes Zeichen war. Denn am Samstagabend fand in der Gemeinde zum ersten Mal seit über sechs Wochen wieder ein öffentlicher Gottesdienst statt. Seit dem 17. März waren diese wegen der Coronakrise untersagt.

63 Besucher wären erlaubt

Werden Kugelschreiber die Einkaufswagen der Kirchen? Jedenfalls erwiesen sich diese als probates Mittel, um die Begrenzung der Gottesdienstbesucher zu kontrollieren. Bis zu 63 Besucher durften in die St.-Pankratius-Kirche, 63 Kugelschreiber lagen am Eingang, ebenso Handdesinfektionsmittel. „Wenn keine Kulis mehr da sind, können wir keinen mehr hereinlassen“, erklärte Pfarrer Michael Kroes dem Ordnungsteam bei der Einweisung. Die Stifte dienten zugleich als Schreibwerkzeug, um sich in eine Teilnehmerliste einzutragen.

Leichte Zweifel gab es schon in der Besprechung: Würden die Plätze reichen? Es sollte schließlich niemand wieder nach Hause geschickt werden. „Zur Not kann noch jemand zu mir in die Küsterbank“, bot Küsterin Maria Schroer an. Schließlich wäre der Mindestabstand von 1,50 Metern dort gewahrt geblieben. Es kam anders. Die Gemeindemitglieder waren vorsichtig; am Ende waren es nur 29 Eintragungen in die Teilnehmerliste.

Jede zweite Bankreihe bleibt leer

Ob es schön sei, dass es wieder losgeht? „Es ist ein gemischtes Gefühl. Man weiß ja nie, wie es ausgeht“, gab sich Pfarrer Michael Kroes zurückhaltend. Zusammen mit dem erweiterten Seelsorgeteam hatte er in den Tagen zuvor den Maßnahmenkatalog aufgrund der Direktive des Bistums entwickelt. In den Bänken zeigten gelbe Klebestreifen an, welche Plätze belegt werden durften, wobei Mitglieder aus einem Haushalt zusammensitzen durften. Aber jede zweite Bankreihe blieb leer. So wurde der Abstand zu den Vorderleuten gewahrt. Anders als in St. Lambertus in Münster wollte das Team auf Gesang nicht verzichten. Eine Messe ohne Gesang wäre schließlich trostlos. Schon der Heilige Augustinus habe gesagt, wer singt, betet doppelt. Symptomatisch dafür stand das Eingangslied: „Dies ist der Tag, den Gott gemacht.“

Abstand halten ist auch hier die Devise

Mit Franz-Josef Fährenkemper war zwar ein Lektor im Einsatz, Messdiener suchte man aber vergeblich. Dementsprechend standen alle für die Gabenbereitung benötigten Utensilien schon griffbereit auf dem Altar. Obwohl sich in den Sitzbänken auf jedem Platz zum Mitnehmen eine schriftliche „Handreiche“ befand, quasi als Gebrauchsanweisung, erklärte Pfarrer Michael Kroes zu Beginn des Gottesdienstes die wichtigen Regeln. Abstand halten hieß hier das Credo – in Sitzbänken, zur Kommunion und beim Leitsystem der Wege. „Wir sind heute Abend in einer Spannung zwischen Sicherheit und Wagnis“, formulierte es Pastoralreferent Stefan Bagert.

Erster Gottesdienst nach Corona-Beschränkungen

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  • Bevor der erste Gottesdienstbesucher kam, besprachen sich Leon Schwarte, Johanna Fleuter, Pfarrer Michael Kroes und Sylvia Wefers über die Abläufe in der Kirche.

    Foto: -rst-
  • Die Gotteslob-Liederbücher der Pfarre wurden nach dem Gottesdienst gereinigt.

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  • Pastor Michael Kroes 2020

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  • Gottesdienst mit Hygienevorschriften.

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  • Am Eingang standen 63 Kugelschreiber zur Zählkontrolle und zur Eintragung in die Teilnehmerliste sowie Handdesinfektionsmittel bereit.

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  • Mindestabstände . . .

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  • Alle Gottesdienstbesucher mussten sich in eine Teilnehmerliste eintragen.

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  • Auch bei der Kommunion galt Abstand halten. Pfarrer Michael Kroes setzte sich zudem einen Mund-Nasen-Schutz auf.

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  • Pastoralreferent Stefan Bagert

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  • Erster Gottesdienst nach Kontaktbeschränkungen 2020.

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  • Normalerweise kommen cirka 70 Gläubige in den Samstagsgottesdienst. Zum Einstieg waren es weniger als die Hälfte.

    Foto: -rst-

Maskenpflicht gab es im Gottesdienst zwar nicht, eine solche legte Pfarrer Kroes zur Kommunionausgabe dann aber doch an. Bodenmarkierungen halfen als Orientierung, um Distanz zwischen ihm und Kommunionempfänger zu halten. Auch hier gab es vom Geistlichen zuvor Hinweise.

Die Gottesdienstbesucher nahmen die Umstände geduldig an. „Es war erhebend, nach so langer Zeit wieder einen Gottesdienst besuchen zu können“, so empfand es Heinz Piecha. Leon Schwarte, der mit Johanna Fleuter und Sylvia Wefers den Ordnungsdienst übernahm, hatte wenig Mühe: „Die Menschen waren alle gewillt, sich den Maßnahmen anzupassen.“ Dass nur 29 Besucher kamen, störte Pfarrer Kroes nicht, schließlich konnte sich so alles gut einspielen: „Es war eine schöne Gottesdienstgemeinschaft.“

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