Klinikclowns auf Fenstervisite
Musik und Spaß am Krankenbett

Ahlen -

Rein dürfen sie nicht. Trotzdem konnten die Klinikclowns Lisette und Anton den Patienten in der Kinderklinik ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ihr Ausweg: eine Fenstervisite.

Sonntag, 10.05.2020, 14:10 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 16:10 Uhr
Die Klinikclowns Lisette und Anton brachten Musik und Spaß in die Kinderklinik. Dabei ist auch ihnen in der Coronazeit eigentlich nicht zum Lachen zumute.
Die Klinikclowns Lisette und Anton brachten Musik und Spaß in die Kinderklinik. Dabei ist auch ihnen in der Coronazeit eigentlich nicht zum Lachen zumute.

Zum ersten Mal nach der Einführung des Corona-Lockdowns am 17. März haben die Klinikclowns Elisabeth Bohren-Harjes („Lisette“) und Suvan Schlund („Anton“) am Freitagnachmittag der Kinderklinik wieder Patientenbesuche abgestattet. Aufgrund des Besuchsverbots durften sie zwar noch immer nicht die Krankenzimmer betreten, mit einer sogenannten Fenstervisite fanden sie dann aber einen Ausweg.

Anton, wir dürfen da nicht rein.

Klinikclown Lisette

Das Wetter am Freitagnachmittag war sommerlich, einige der Außentüren der Patientenzimmer in der bungalowartigen Architektur der Kinderklinik geöffnet. Was den Besuchen der Klinikclowns zugutekam. „Anton, wir dürfen da nicht rein“, stoppte Clown „Lisette“ den Drang von Partner „Anton“ noch rechtzeitig. Natürlich nur im Spiel und Scherz.

Beide waren dieses Mal musikalisch unterwegs, ausgestattet mit Ukulele und Geige. Da tönte auch schon mal das Pippi-Langstrumpf-Lied durch den Innenhof. Das kam bei Mutter Estera Krajza und Sohn Pascal so gut an, dass sie per Smartphone gleich auch Familienmitglieder und Freunde per Smartphone-Livestream mit in den Genuss brachten. „Das war süß und ist auch mal was anderes für die Kinder, die allein sind“, schwärmte Estera Krajza.

Das war süß und ist auch mal was anderes für die Kinder, die allein sind.

Estera Krajza

Für die beiden Klinikclowns ist die Coronazeit eher weniger zum Lachen. Beide sind hauptberuflich Schauspieler mit Zusatzausbildung für den Betreuungsbereich. Aber ob Kinderkliniken, Seniorenzentren oder andere Einrichtungen – sie dürfen ihre Auftrittsorte zurzeit nicht betreten. Ausfallende Honorare sind die Folge. Deshalb suchen sie nach Alternativen, wie die Fenstervisite.

Am Freitag war Premiere. Leider ist diese Form der Auftritte nur selten möglich. In der Essener Uniklinik wird die Clownsvisite e.V., der beide Clowns angeschlossen sind, in Kürze ein Projekt mit einem Videostudio ausprobieren, um zumindest online und digital in die Krankenzimmer zu kommen und sich mit den Patienten auszutauschen.

Es ist für die Kinder gerade jetzt wichtig, dass wir sie besuchen.

Lisa Bohren-Harjes

„Es ist für die Kinder gerade jetzt wichtig, dass wir sie besuchen“, hofft Lisa Bohren-Harjes, dass sie in der Krise bald als Therapeuten anerkannt werden und so wieder die Kinderklinik betreten dürfen: „Wir können die Abstände einhalten und auf Distanz spielen.“ Therapeuten haben kein Besuchsverbot.

Aber auch für Pfleger und Ärzte seien die Besuche der Klinikclowns wichtig, denn diese sind als therapeutische Hilfe sehr geschätzt. „Wir haben bei den Pflegern gemerkt, sie haben Redebedarf – es herrscht eine bedrückende Stimmung“, hat Elisabeth Bohren-Harjes festgestellt. „In Israel hat man das verstanden, dort kommen Klinikclowns unter besonderen Regeln zum Einsatz“, ergänzt Suvan Schlund schließlich. Er hat die Hoffnung, bald wiederkommen zu können.

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