„Freundeskreis Ahlener Soldaten“ wird 30 Jahre alt
Brücke zwischen Zivilisten und Uniformierten

Ahlen -

Mit der Gründungsversammlung am 18. Mai 1990 im Offiziersheim der „Westfalen-Kaserne“ begann die Geschichte des heutigen „Freundeskreises Ahlener Soldaten“, damals noch allein auf Panzergrenadiere gemünzt. Auf eine Feier zum 30-jährigen Bestehen müssen die Mitglieder derzeit verzichten.

Samstag, 16.05.2020, 16:03 Uhr aktualisiert: 16.05.2020, 16:10 Uhr
Die prägenden Köpfe des „Freundeskreises Ahlener Soldaten“: Herbert Faust (r.) folgten Rolf Kersting (l.) und Hans-Dieter Samson (M.) im Amt des Vorsitzenden. Seit dem 16. Mai 2019 steht Thomas Kras (nicht im Bild) an der Spitze des Vereins.
Die prägenden Köpfe des „Freundeskreises Ahlener Soldaten“: Herbert Faust (r.) folgten Rolf Kersting (l.) und Hans-Dieter Samson (M.) im Amt des Vorsitzenden. Seit dem 16. Mai 2019 steht Thomas Kras (nicht im Bild) an der Spitze des Vereins. Foto: Christian Wolff

Auch wenn die offizielle Feier erst nach der Coronakrise folgt, so begeht der „Freundeskreis Ahlener Soldaten“ in diesen Tagen einen runden Geburtstag: Vor genau 30 Jahren, am 18. Mai 1990, wurde er von hochrangigen Vertretern aus der „Westfalen-Kaserne“, der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft als „Freundeskreis Ahlener Panzergrenadiere aus der Taufe gehoben.

Wer in den Annalen blättert, stellt schnell fest: Eigentlich beginnt die Geschichte des heutigen „Freundeskreises“ nicht erst mit der Gründungsversammlung, die im inzwischen aufgegebenen „Drei-Kaiser-Saal“ des Offiziersheims abgehalten wurde. Schon gut sechs Jahre zuvor hatte Oberstleutnant Sigurd Jaks, damals Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 192, den Versuch gestartet, die Bindungen zwischen Soldaten der Einheit und den Ahlenern dadurch zu vertiefen, indem „Paten“ für das Bataillon geworben werden sollten. Patenschaften zwischen umliegenden Gemeinden und den örtlichen Kompanien gab es bereits. Über diesen gesellschaftlichen Bereich hinaus sollten aber ganz persönliche Kontakte geknüpft und vertieft, Sorgen und Nöte ausgetauscht sowie Hilfestellungen auf allen Ebenen unter dem verbindenden Dach eines Vereins gegeben werden.

Vertreter der Familie Dr. Paul Rosenbaums sowie der US-Streitkräfte wohnten am 30. September 2013 der Umsetzung des Rosenbaum-Gedenksteins bei, der seither auch eine Plakette für Sidney Hinds trägt.

Vertreter der Familie Dr. Paul Rosenbaums sowie der US-Streitkräfte wohnten am 30. September 2013 der Umsetzung des Rosenbaum-Gedenksteins bei, der seither auch eine Plakette für Sidney Hinds trägt. Foto: Christian Wolff

„Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zur Bundeswehr “, sagt der heutige Ehrenvorsitzende Herbert Faust im Gespräch mit unserer Zeitung. „Schon bei der Eröffnung der Kaserne 1959 war ich dabei, und in den Jahren darauf bei nahezu allen wichtigen Veranstaltungen.“ In seiner politischen Laufbahn, später auch als Bürgermeister und Landtagsabgeordneter, habe er sich sehr für die Bundeswehr eingesetzt. Unter anderem durch den Bau und die Beschaffung von Wohnraum für die in Ahlen stationierten Soldaten. „Viele sind bis heute hier geblieben und haben durch uns eine neue Heimat gefunden“, weiß Faust.

Kein Wunder, dass er nicht lange zögerte, als es im Jahr der deutschen Wiedervereinigung darum ging, einen Vorsitzenden für den neuen Verein, der damals noch allein auf Panzergrenadiere gemünzt war, zu finden. Als „rechte Hand“ habe ihm Helmut Ransleben immer treu zur Seite gestanden, lobt der Altbürgermeister. Die gemeinsame Ausrichtung von Standortbiwak, Grünkohlessen oder Ausflügen festigte die Bindungen zwischen Zivilisten und Uniformierten in den Folgejahren immer mehr. „Ich kann festhalten, dass zwischen so manchen Kommandeuren und Kompaniechefs richtige Freundschaften entstanden sind“, bekräftigt Herbert Faust rückblickend.

Für länderübergreifendes Medieninteresse sorgte vor 20 Jahren die Initiative aus Ahlen und Sonderburg, ein gemeinsames Gedenken auf den Düppeler Schanzen zu etablieren, hier Rolf Kersting im TV-Interview.

Für länderübergreifendes Medieninteresse sorgte vor 20 Jahren die Initiative aus Ahlen und Sonderburg, ein gemeinsames Gedenken auf den Düppeler Schanzen zu etablieren, hier Rolf Kersting im TV-Interview. Foto: Christian Wolff

Große Verdienste hat sich auch sein Nachfolger Rolf Kersting, ebenfalls heute Ehrenvorsitzender, erworben. Trotz heftiger Proteste ewig Gestriger gelang es ihm, die satzungsmäßig verankerte Aussöhnung früherer Kriegsgegner an einem konkreten Beispiel umzusetzen: Seit 2001 gibt es ein gemeinsames Gedenken von Deutschen und Dänen auf den Düppeler Schanzen – bis 2001 undenkbar. Beteiligt sind inzwischen immer auch Abordnungen der Streitkräfte beider Länder. Unter Kerstings Ägide wurde auch die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in Sidney-Hinds-Park und die Umsetzung des Gedenksteins für Dr. Paul Rosenbaum vorgenommen – zu Ehren des Befreiers und des Retters von Ahlen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Mit dem Abzug der Grenadiere erfolgte 2006 die Umbenennung in „Freundeskreis Ahlener Soldaten“. Krankheitsbedingt musste Kersting den Staffelstab 2012 an Hans-Dieter Samson weitergeben, der die etablierten Traditionen des Vereins weiterführte und den Wechsel vom Sanitätsregiment 22 zum Aufklärungsbataillon 7 mitgestaltete. Ihm folgte am 16. Mai 2019 Thomas Kras im Amt.

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