Der neue Brandschutzbedarfsplan liegt vor
Acht Minuten: „Das ist eine sportliche Zeit“

Ahlen -

Alle fünf Jahre muss ein neuer Brandschutzbedarfsplan erstellt werden. Die aktuelle Version liegt jetzt vor und belegt neben der Notwendigkeit vier neuer Stellen im Brandschutz den Handlungsbedarf an den Gerätehäusern.

Donnerstag, 21.05.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 21.05.2020, 08:10 Uhr
Sechs hauptberufliche Feuerwehrleute sowie vier weitere ehrenamtliche Kräfte müssen innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein. Laut Brandschutzbedarfsplan sind aktuell vier weitere Stellen vonnöten, um zusätzlich eine Führungskraft vorhalten zu können.
Sechs hauptberufliche Feuerwehrleute sowie vier weitere ehrenamtliche Kräfte müssen innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein. Laut Brandschutzbedarfsplan sind aktuell vier weitere Stellen vonnöten, um zusätzlich eine Führungskraft vorhalten zu können. Foto: Christian Wolff

Es ist eine Fleißarbeit, die seit 2003 alle fünf Jahre zu leisten ist, um den Brandschutzbedarfsplan für die Stadt Ahlen zu erstellen. Inzwischen liegt das aktuelle Daten- und Zahlenwerk vor, mit dem sich in diesen Tagen gleich mehrere politische Gremien beschäftigen.

„Es geht darum, wie viel Sicherheit den Bürgern geboten wird“, fasst Walter Wolf zusammen. „Dabei wird das Risiko unserer Stadt auf einer Skala von 1 bis 40 mit 33 bemessen, also im oberen Bereich. Das ist ein logischer Wert, denn wir haben auf unserem Stadtgebiet neben rund 55 000 Einwohnern viel Gewerbe, zahlreiche mittlere Handwerksbetriebe, größere Unternehmen, daneben Bahnstrecken und Bundesstraßen.“ In den Wert fließe zudem ein, wie viele größere Schadenslagen es in den vergangenen Jahren gab. „Da haben wir natürlich mit so einem Großeinsatz wie bei der ,Rappelkiste‘ oder einem Fall, wo wir zahlreiche Menschen aus einem Haus gerettet haben, sofort einen Ausschlag in den Parametern“, so Wolf.

Kritische Ecken in den Ortsteilen und im Süden

Der Leiter der Feuer- und Rettungswache hat sich in den vergangenen Monaten wieder intensiv mit der eigenen Materie befasst. Bei Städten und Gemeinden ab 25 000 Einwohnern gelte die Prämisse, dass sechs hauptberufliche Feuerwehrleute sowie vier weitere ehrenamtliche Kräfte innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein müssen. Nach 13 Minuten sollen sechs weitere folgen. „Je größer eine Stadt ist, desto schwieriger wird es, genug Ehrenamtliche vorzuhalten.“ Ab 60 000 Einwohnern wären beispielsweise zehn Funktionen (eine Gruppe) innerhalb von acht Minuten vonnöten. Ahlen liegt also kurz darunter.

„Acht Minuten – das ist eine sportliche Zeit“, sagt Walter Wolf. „Das erreichen wir nicht an jeder Stelle im Stadtgebiet.“ Kritische Ecken kartiert der Bedarfsplan im Süden von Ahlen sowie in Vorhelm-Bahnhof, Tönnishäuschen und Teilbereichen von Dolberg. „Da stellt sich immer die Frage, ob wir das tolerieren können.“ Glücklicherweise sei die Bebauung in den Außenbereichen so, dass jeweils nur wenige Menschen unter einem Dach leben. „Hätten wir dort vierstöckige Gebäude mit vielen Bewohnern, würden wir erst einmal viel Zeit benötigen, um diese im Brandfall zu befreien. Diese Zeit fangen wir auf, wenn es sich beispielsweise um Einfamilienhäuser oder einstöckige Bungalows mit kurzen Rettungswegen handelt.“ Da seien dann zehn Minuten zwischen Alarm und Eintreffen die Prämisse.

Vier neue Stellen im Bereich Brandschutz nötig

Um neben den sechs ersteintreffenden Kameraden auch eine Führungskraft abzubilden, die 24 Stunden am Tag verfügbar ist, sind laut Bedarfsplan letztlich vier neue Stellen für den Brandschutz vonnöten. „Diese Führungskraft hat den Vorteil, dass sie frei ist von Arbeiten wie Schläucherollen und stattdessen Aufgaben in der Erstphase des Einsatzes übernehmen, sich einen Überblick verschaffen und sinnvolle Einweisungen der Kräfte vornehmen kann“, erläutert der Wachleiter.

Der neue Brandschutzbedarfsplan beschäftigt sich neben Personal aber auch mit Materialausstattung und den Wachstandorten. „Dolberg braucht unbedingt ein neues Feuerwehrgerätehaus“, wiederholt Wolf die bereits auf politischer Ebene gewachsene Erkenntnis. „Das Gebäude wurde im Jahr 1950 gebaut und liegt nach heutigem Ermessen an der völlig falschen Stelle.“ Die umliegende Bebauung an der Twieluchtstraße mache Erweiterungen und Umgestaltungen schwer bis gar nicht möglich. An dem neuen Standort, für den es bereits ein Grundstück und vorbereitende Planungen gibt, soll es künftig vier statt drei Einstellplätze geben. „Hintergrund ist, dass wir an der Wache Süd einen vierten Rettungswagen stationieren. Dafür geht ein Fahrzeug des Umweltzuges nach Dolberg, wird aber weiterhin auch in anderen Stadtgebieten eingesetzt werden können“, so der Feuerwehrchef.

Der Schulungsraum des Feuerwehr-Gerätehauses Vorhelm hat sich 1974 kaum verändert.

Der Schulungsraum des Feuerwehr-Gerätehauses Vorhelm hat sich 1974 kaum verändert. Foto: Theo Keseberg

Als unverändert sinnvoll schätzen Fachleute hingegen den seit 1974 bestehenden Standort des Vorhelmer Feuerwehrgerätehauses ein, das als Anlaufstelle an der Augustin-Wibbelt-Straße in der Ortsmitte auch der Jugendarbeit dient. Außerdem sei es, so Wolf, deutlich besser in Schuss an sein Pendant in Dolberg. „In den vergangenen Jahren wurde dort schon viel erneuert. 2011 gab es eine Teilsanierung, bei der unter anderem neue Hallentore eingesetzt worden sind.“ Ein Dorn im Auge sind den Kameraden jedoch die Sanitäranlagen. In Abstimmung mit dem Löschzug sei daher überlegt worden, die Waschhalle zur Umkleide mit neuen Duschen – nach Geschlechtern getrennt – umzugestalten. Durch das Freiwerden der bisherigen Dienstwohnung habe sich aber auch die alternative Möglichkeit ergeben, den bisherigen Schulungsraum zur Umkleide umzufunktionieren und die Räume im Obergeschoss mit zu nutzen, wobei Fragen wie Barrierefreiheit noch ungeklärt sind. Da bestehe noch Planungsbedarf. „Letztlich ist das eine politische Entscheidung“, fasst Walter Wolf zusammen.

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