Kita Thema im Jugendhilfeausschuss
Wald-Geruch und frischer Wind

Ahlen -

Zwei mögliche Träger stellten in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag ihre Konzepte für die geplante Wald-Kita in der Langst vor: der DRK-Kreisverband Beckum-Warendorf und der ASB Regionalverband Münsterland.

Mittwoch, 27.05.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 12:10 Uhr
Warum die „Mühlenkinder“ so heißen, wird auf diesem Bild schnell klar. Der Vortrag über die Wald-Kita des DRK stieß bei den Ausschussmitgliedern auf große Resonanz.
Warum die „Mühlenkinder“ so heißen, wird auf diesem Bild schnell klar. Der Vortrag über die Wald-Kita des DRK stieß bei den Ausschussmitgliedern auf große Resonanz. Foto: DRK Kreisverband Beckum-Warendorf

Zwei Kitaträger, zwei Plädoyers, ein Ziel: den Betrieb einer Ahlener Wald-Kita auf dem Gelände am Pumpenhaus in der Langst.

Im Jugendhilfeausschuss am Dienstag stellten sich zwei mögliche Verbände vor, die sich bereits vorher mit ihren Konzepten bei der Stadt beworben hatten. Vom DRK-Kreisverband Warendorf-Beckum waren Geschäftsführer Detlef Weißenborn und die Leiterin der Beckumer Wald-Kita, Ina Schlebrügge , gekommen, vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Regionalverband Münsterland Geschäftsführer Dirk Winter, Fachbereichsleitung Elisabeth Hegele und die Kitaleiterin Dagmar Wierbrügge.

Verständlicher Seufzer

Den Auftakt gestalteten die Vertreter des DRK-Kreisverbands Beckum-Warendorf, die ihre Zuhörer so leidenschaftlich mitnahmen in das Leben einer Wald-Kita, dass Iris Binder (CDU) später feststellen musste: „Warum bin ich schon so alt, dass ich nicht mehr in eine Wald-Kita gehen kann?“

Ein verständlicher Seufzer, denn Ina Schlebrügge hatte Geschmack gemacht auf Waldgeruch, frischen Wind und gemütliche Lagerfeuer. Das DRK betreibt seit 2018 die Wald-Kita „Die Mühlenkinder“ direkt an der Windmühle am Höxberg in Beckum. 22 Mädchen und Jungen werden täglich von 7.30 bis 14.30 Uhr betreut. Das entspricht dem 35-Wochenstunden-Umfang, der für Wald-Kitas gesetzlich vorgegeben ist. Eine Wahl zwischen 25, 35 und 45 Stunden wie in den „normalen“ Kitas gibt es nicht.

Wir gehen nur rein, wenn wir ganz nass sind und dann schlechte Laune haben.

Ina Schlebrügge

Ina Schlebrügge berichtete über den Kita-Tag, der sich zum allergrößten Teil im Freien abspielt: „Wir gehen nicht rein, wenn‘s regnet. Wir gehen nur rein, wenn wir ganz nass sind und dann schlechte Laune haben.“ Das „Rein“ ist in diesem Fall ein komfortabler Bauwagen mit Platz zum Essen und Schlafen. Es gibt Bücher und Bastelmaterialien, es gibt eine kleine Spülgelegenheit und eine Toilette. Draußen hält ein Abdach den Regen fern.

Eltern, die ihre Kinder in einer Wald-Kita anmelden, müssten schon wissen, auf was sie sich einlassen: „Die ganze Ausrüstung am besten zweimal haben und immer eine Plastikwanne im Auto haben“, spielte Ina Schlebrügge mit einem Schmunzeln darauf an, dass die Kinder selten strahlend sauber nach Hause kommen. Die Gegenleistung seien Kinder mit einem starken Immunsystem und einem besonderen Umweltverständnis: „Sie entwickeln, ohne dass sie es merken, ein starkes Umwelt- und Naturbewusstsein.“

„Neu, aber nicht unwissend“

Noch keine Erfahrungen mit dem Betrieb einer Wald-Kita konnte der ASB aufwarten. „Wir sind neu in Ahlen, aber nicht unwissend“, erklärte Fachbereichsleiterin Elisabeth Hegele, die umfassend über den ASB und das Leitbild referierte. Die individuelle Entwicklung der Kinder, Vielfalt und Gemeinschaft stellte sie in den Mittelpunkt des Vortrags. In den Kitas der Organisation gehöre Therapeutisches Musizieren zu den Schwerpunkten, ein Angebot, dass sich sicher auch in einer Wald-Kita umsetzen ließe.

Dagmar Wierbrügge rundete den Vortrag ab und versuchte in Nachgang die Vorstellung von Wald-Kita noch konkreter zu zeichnen. Sie sah auch das Gelände rund ums Pumpenhaus als besonders schön und geeignet an. Zumal das Pumpenhaus in Absprache mit den Pfadfindern gut mitgenutzt werden könne: „Wir würden da auch frisch kochen“, nannte sie als Beispiel.

Eine Entscheidung fällte der Jugendhilfeausschuss in dieser Sitzung noch nicht, im nichtöffentlichen Teil gaben die Mitglieder lediglich eine Empfehlung ab.

Die Wald-Kita in Ahlen soll Platz für 20 Mädchen und Jungen bieten und spätestens zum Kindergartenjahr 2021 an den Start gehen. Der im Rathaus zuständige Gruppenleiter André Deppe sprach von der Wald-Kita in Ahlen als „Herzensangelegenheit“.

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