Gereon Roemer und „sein“ Mallorca
Liebe auf den ersten Blick

Ahlen -

Auch die Einheimischen feiern gerne, nur anders als die Partytouristen. Der Fotograf Gereon Roemer erlebte Mallorca aber vor allem als „Insel der Stille“.

Mittwoch, 03.06.2020, 18:00 Uhr
Premiere: Es war Gereon Roemers erster Auftritt in einem Autokino.
Premiere: Es war Gereon Roemers erster Auftritt in einem Autokino. Foto: Peter Harke

Gereon Roemer bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlichen Nordlandfahrer“. Wo es kalt und nass ist, fühle er sich am wohlsten, bekennt der Fotograf und Multivisionsreferent aus Krefeld.

Als er vor einigen Jahren im Familienrat zur Diskussion stellte, was nach Norwegen und Schottland sein nächstes Vortragsthema sein könnte, stießen Vorschläge wie Grönland oder die Färöer-Inseln jedoch bei Ehefrau und Tochter auf wenig Begeisterung. Eher im Scherz fragte Roemer seine beiden Damen: „Ja, wollt ihr vielleicht nach Mallorca?“ Damit war die Entscheidung gefallen, und der 49-Jährige hat sie nicht bereut: „Auf Mallorca habe ich alles gefunden, worauf ich als Fotograf und Filmer stehe.“

Bogen um Partyhochburgen

Mallorca und er, das sei „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen, erzählte Roemer in der Anmoderation zu seiner Show am Freitagabend in der „Weber Arena“. Den Untertitel „Insel der Stille“ nahm die Tontechnik anfangs zu wörtlich und streikte nach dem Intro. Doch Roemer, der Maschinenbau studiert hat und heute auch Fotografie und Metalltechnik an einem Berufskolleg unterrichtet, bekam das Problem nach einigen Minuten in den Griff.

In einem „Käfer“ fuhr Gereon Roemer vor. Am Steuer saß Ehefrau Simone.

In einem „Käfer“ fuhr Gereon Roemer vor. Am Steuer saß Ehefrau Simone. Foto: Peter Harke

Auf seinen inzwischen mehr als 20 Reisen nach Mallorca hat Gereon Roemer um die einschlägigen Partyhochburgen in Arenal oder Magaluf einen Bogen gemacht. Er begab sich vielmehr auf die Spuren des katalanischen Schriftstellers Santiago Rusiñol, der vor einhundert Jahren ein Buch über die größte Baleareninsel geschrieben hat: „La isla de la calma“ – „Die Insel der Ruhe“.

Stille, manchmal geradezu mystische Orte fand Roemer aber nicht nur auf einsamen Wanderungen durch das Tramuntana-Gebirge, sondern auch inmitten Hunderter von Touristen in der Kathedrale La Seu, dem Wahrzeichen der Inselhauptstadt Palma. Das faszinierende Farbenspiel, das die bunten Glasfenster bei bestimmtem Lichteinfall erzeugen, ließ ihn ehrfürchtig staunen und ganz bei sich sein.

Ruhiger Erzählstil und passende Musik

Stille kann aber auch etwas Bedrückendes haben, wie es die Schriftstellerin George Sand und der Komponist Frederic Chopin in einem ungemütlichen Winter 1838/39 in der Kartause von Valdemossa erlebten. Selbst dieses oft völlig überlaufene Ausflugsziel eroberte sich Roemer auf ganz eigene Weise. Sein ruhiger Erzählstil und sorgfältig ausgewählte Musik verstärkten die Sogwirkung der manchmal fast unwirklich schönen Bilder, zum Teil mit der Drohne aus der Vogelperspektive aufgenommen.

Laut und wild kann es auf Mallorca freilich auch zugehen, und das nicht nur am Ballermann. Auch die Einheimischen feiern gerne, jedes Dorf hat seine eigene Fira. Mancherorts werden historische Ereignisse nachgespielt, wie in Pollenca, wo der Fotograf zwischen die „Fronten“ geriet, als die Einwohner der Stadt sich mal wieder erfolgreich gegen den Angriff von sarazenischen Korsaren zur Wehr setzten – wie jedes Jahr am 2. August seit 1860. Zum Glück überstanden Roemer und seine Kameraausrüstung das „Gemetzel“ unbeschadet.

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