Heftiger Schlagabtausch im Bauausschuss
Neuer Zoff ums „Rathausquartier“

Ahlen -

In fünfeinhalb Jahren, Ende 2025, könnte Ahlens neuer „Bürgercampus“ fertig sein, wenn alles nach Plan läuft. Die zeitliche Abfolge der Ausschreibungs- und Vergabeverfahren, von Architektenwettbewerben und Baumaßnahmen stellte der neue ZGM-Leiter Florian Schmeing jetzt vor.

Samstag, 06.06.2020, 14:24 Uhr
Die Verwaltung arbeitet weiter an der Umsetzung des Ratsbeschlusses zum Neubau von Rathaus und Stadthalle. Doch in der Politik werden erste Stimmen laut, die fordern, die Pläne angesichts der Corona-Krise noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.
Die Verwaltung arbeitet weiter an der Umsetzung des Ratsbeschlusses zum Neubau von Rathaus und Stadthalle. Doch in der Politik werden erste Stimmen laut, die fordern, die Pläne angesichts der Corona-Krise noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Foto: Christian Wolff

Drei Monate, nachdem durch den Bürgerentscheid am 8. März der Ratsbeschluss zum Neubau von Rathaus und Stadthalle bestätigt wurde, wird das Projekt wieder zum politischen Zankapfel. Freie Wählergemeinschaft (FWG) und Grüne stellen die Pläne für den „Bürgercampus“ vor dem Hintergrund der Corona-Krisein Frage.

Fertigstellung Ende 2024 und Mitte 2025

Im Stadtplanungs- und Bauausschuss gab der neue Leiter des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM), Florian Schmeing , am Donnerstag einen Sachstandsbericht. Detailliert schilderte er die zeitliche Abfolge aller Ausschreibungs- und Vergabeverfahren, von Architektenwettbewerben und Baumaßnahmen. Demnach soll Ende 2024 das neue Stadthaus auf dem heutigen Rathausparkplatz fertiggestellt sein, Mitte 2025 dann das Bürgerforum mit der Stadthalle. Der Rückbau der Altgebäude und die Erstellung der Außenanlagen erfolgen laut Plan sukzessive ebenfalls im Laufe des Jahres 2025, an dessen Ende dann die Realisierung des neuen „Rathausquartiers“ abgeschlossen sein soll – „mit allem Drum und Dran“, so Schmeing.

Während FWG-Chef Heinrich Artmann die Ausführungen „in Ordnung“ fand, kommentierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Petra Pähler-Paul, sie süffisant mit den Worten: „Der Fachmann spricht, und der Laie wundert sich.“ Sie habe „nichts gehört“ zur Finanzierbarkeit des Vorhabens angesichts der „erheblichen Auswirkungen“, die die Corona-Pandemie auf den städtischen Haushalt haben werde, kritisierte Pähler-Paul. Man könne doch nicht so tun, als ob nichts passiert sei. Nicht nur die Finanzlage stelle sich „völlig verändert“ dar, auch die Bedarfslage für das Bürgerforum müsse neu betrachtet werden. „Wir wissen gar nicht“, so die Grünen-Sprecherin, „ob wir die Stadthalle nächstes Jahr überhaupt noch wirtschaftlich betreiben können.“ Womöglich sei es nur eine Frage der Zeit, wann die GmbH in die Insolvenz gehe, „dieses Jahr noch“ oder erst 2021.

„Erst Feuer anstecken und dann weglaufen!“

In diesem Punkt stieß Heinrich Artmann ins gleiche Horn wie Pähler-Paul: „Wenn jeder Dritte in Kurzarbeit ist, weiß ich nicht, wie wir den Leuten erklären sollen, dass wir eine neue Stadthalle bauen wollen.“

Petra Pähler-Paul verließ nach ihrem Wortbeitrag die Sitzung wegen eines Anschlusstermins, was Karl-Heinz Meiwes (SPD) in Rage brachte: „Erst Feuer anstecken und dann weglaufen“, rief er der Kollegin hinterher. Ihr „destruktives“ Verhalten sei „an Unverschämtheit nicht zu überbieten“. Man müsse sich nicht wundern, wenn die Stadt keinen neuen Technischen Beigeordneten finde. Meiwes wörtlich: „Jeder muss doch verrückt sein, wenn er nach Ahlen kommt.“ Auch Erhard Richard (CDU) empörte sich über Pähler-Pauls „unqualifizierten Rundumschlag“. Was Florian Schmeing aufgezeigt habe, sei der „folgerichtige Ablauf, der sich aus dem Ratsbeschluss ergibt“. Karl-Heinz Meiwes bescheinigte ebenfalls dem ZGM eine „sachgerechte, ordentliche Arbeit“. Allerdings hätte er erwartet, dass der Bürgermeister bei diesem wichtigen Thema persönlich erschienen wäre.

Keine Penthouse-Apartments auf dem Bürgerforum

Martina Maury (BMA) erkundigte sich, ob die unter den gegenwärtigen Corona-Bedingungen erprobten Arbeits(zeit)-Modelle wie Desk-Sharing oder Home-Office bei der Planung des Raumprogramms für das Stadthaus eine Rolle spielen würden. Stadtplaner Markus Gantefort antwortete, ein flexibler Zuschnitt der Büroflächen – auch mit der Option einer späteren teilweisen Vermietung – wäre eine Aufgabenstellung für den Architektenwettbewerb. Martin Hegselmann (CDU) stellte fest: „Nur ein Neubau bietet diese Flexibilität.“

Für den „Bürgercampus“ soll auch ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Sein Geltungsbereich soll als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen werden mit folgenden Zweckbestimmungen: Einrichtungen für öffentliche Verwaltungen, kulturelle Zwecke und Bildungseinrichtungen allgemeiner Art einschließlich der erforderlichen Stellplätze. Wohnen schließt diese Festsetzung aus, was Martin Hegselmann bedauerte. Er hätte sich, wie bei der Elbphilharmonie in Hamburg, auch Penthouse-Appartements auf dem Bürgerforum vorstellen können. Der Ausschuss sprach seine Empfehlung für den Aufstellungsbeschluss bei zwei Enthaltungen (FWG, BMA) aus.

Karl-Heinz Meiwes appellierte an die Verwaltung, die Bürgerbeteiligung „sehr ernst“ zu nehmen. Das sicherte Markus Gantefort zu. Da öffentliche Veranstaltungen einstweilen nicht möglich seien, denke man über digitale Formate nach, auch an eine eigene Homepage.

 

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