Kläranlage muss nachgerüstet werden
Mehr als 30 Millionen Euro nötig

Ahlen -

Mit der Modernisierung der Kläranlage erwartet die Stadt Ahlen die nächste Großbaustelle. 30 Millionen Euro sind zu investieren.

Montag, 15.06.2020, 07:42 Uhr aktualisiert: 15.06.2020, 09:18 Uhr
Die baulichen Anlagen des Klärwerks sind in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik Vor allem fehlt die vierte Reinigungsstufe zum Herausfiltern der Mikroschadstoffe.
Die baulichen Anlagen des Klärwerks sind in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik Vor allem fehlt die vierte Reinigungsstufe zum Herausfiltern der Mikroschadstoffe. Foto: Ulrich Gösmann

Die Mitglieder des Betriebsausschusses staunten nicht schlecht, als Bernd Döding und Gerrit Hegemann ihnen in der jüngsten Sitzung darlegten, wie viel Strom die Kläranlage verbraucht. Im Jahr summiert sich die Menge auf über zwei Millionen Kilowattstunden (kWh), exakt auf 2 033 655. Die errechneten Einsparungspotenziale sind allerdings nicht weniger beeindruckend: Statt der 76 kWh ließe sich durch Optimierung der Verbrauch auf 18 bis 20 kWh reduzieren.

Der hohe und tendenziell immer teurer werdende Verbrauch an elektrischer Energie ist aber nicht der einzige Grund, warum die Kläranlage ein Sanierungsfall ist. Es sind vor allem die Mikroschadstoffe, für die sie nicht ausgelegt ist und die bislang weitgehend ungefiltert abfließen. Das Problem ist aber, dass die Werse aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit ohnehin wenig Wasser führt und in den Sommermonaten auch noch trocken fällt.

 

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie sieht den Einbau einer vierten Reinigungsstufe vor, die neben Mikroschadstoffen auch die Anteile von Ammoniumstickstoff und Phosphor deutlich senken würde. Ohnehin kommt die Stadt wegen der schärferen Umweltauflagen nicht um eine technische Nachrüstung herum. Nach den geltenden Bemessungsgrundlagen „darf (. . .) fast keine neue Belastung aus der Kläranlage in die Werse eingeleitet werden“, heißt es in der Vorlage. Die Ausnahmegenehmigung hat die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde nur unter der Auflage erteilt, dass die Stadt ernsthaft mit den Planungen für eine weitere Reinigungsstufe begonnen hat und ein entsprechender Baubeschluss vorgelegt wird. Bei Nichtbeachtung drohen Sanktionen durch die Bezirksregierung, die darauf hinweist, dass „bei weiteren Verzögerungen dies unweigerlich zu Reglementierungen bei neuen Bau- und Gewerbegebietsentwicklungen“ führen könnte. Mit anderen Worten: Nur wenn die Stadt ihre Planung für den Bau einer vierten Reinigungsstufe vorantreibt, kann sie mit weiterer Duldung des Regierungspräsidenten rechnen. Allerdings endet die aktuell gültige wasserrechtliche Einleiterlaubnis am 30. September dieses Jahres. „Wir stehen unter Zeitdruck“, beschreibt Döding, Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, die Situation.

Wir stehen unter Zeitdruck.

Bernd Döding

Die vom Essener Ingenieurbüro Dahlem im Auftrag erstellte Studie hat drei Varianten auf Wirtschaftlichkeit, Funktionalität/Betrieb sowie Risiken untersucht und empfiehlt die Variante 2 „Neubau Nachklärung und Neubau Kaskadenbiologie“. Das würde zwar erhebliche Investitionen in Höhe von grob geschätzt mehr als 30 Millionen Euro nach sich ziehen, die durch Gebühren zu finanzieren sind, aber nicht nur umweltgerechter, sondern langfristig auch preiswerter als die sogenannte Nullvariante kommen.

„Das sind nur vorläufige Zahlen“, unterstreicht Döding. Das gelte auch für die nach aktuellem Stand errechnete Förderung von zwei bis 2,5 Millionen Euro. Bis September müssen die Genehmigungs- und Förderungsunterlagen eingereicht werden. Nach Ausführungsplan und Ausschreibungen könnte im August 2021 mit dem Bau begonnen werden. Die Fertigstellung ist bis zum Dezember im Jahr 2023 avisiert.

Musterhaushalt zahlt 190 Euro mehr

Die notwendigen Investitionen und daraus resultierenden Jahreskosten wird die Schmutzwasserkosten beeinflussen. Die Gebühr liegt derzeit mit 2,49 Euro pro Kubikmeter und damit deutlich unter dem NRW-Durchschnitt. Bei der Realisierung der vom Büro Dahlem vorgeschlagenen Vorzugsvariante würde die Gebühr um rund 1,05 Euro steigen können. Für einen Musterpersonenhaushalt würde diese höhere Gebühr im Jahresmittel eine Mehrbelastung von 190 Euro bedeuten. Dazu erklärt die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabi Duhme: „Wir wünschen uns eine Finanzierung bei Kostenneutralität.“ Dazu könnte die Eigenkapitalverzinsung in Höhe von 1,7 Millionen Euro, die zur Haushaltskonsolidierung beiträgt, dem Gebührenzahler zugute kommen sowie die Abschreibung verändert werden

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