Rat beschließt Beibehaltung der Unterkunft am Hermesweg
Flüchtlinge bleiben in Dolberg

Mehrheitlich lehnten die Ratsmitglieder es ab, die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete am Dolberger Hermesweg aufzulösen.

Freitag, 19.06.2020, 20:29 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 11:20 Uhr
Der Vorsitzende der CDU-Ortsunion Dolberg, Dennis Kykal, verfolgte von der Zuschauerempore aus die Ratssitzung in der Stadthalle mit der Diskussion über die Flüchtlingsunterkunft am Hermesweg.
Der Vorsitzende der CDU-Ortsunion Dolberg, Dennis Kykal, verfolgte von der Zuschauerempore aus die Ratssitzung in der Stadthalle mit der Diskussion über die Flüchtlingsunterkunft am Hermesweg. Foto: Peter Harke

Ahlen / DolbergUnter den seit Jahren schwelenden Streit um die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Dolberg hat der Rat am Donnerstag fürs Erste einen Schlussstrich gezogen. CDU und Freie Wählergemeinschaft (FWG) setzten sich mit der Forderung nach Auflösung der Einrichtung nicht durch. Ihre Anträge wurden mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP, BMA, Reiner Jenkel (Die Linke) sowie Bürgermeister Dr. Alexander Berger mehrheitlich abgelehnt. Mit spiegelbildlichem Ergebnis – 23 Ja- zu 19 Nein-Stimmen – wurde anschließend das „Kommunale Konzept zur Unterbringung und Betreuung von Geflüchteten in der Stadt Ahlen“ verabschiedet. Es sieht den Weiterbetrieb der Einrichtung am Hermesweg bei einer Maximalbelegung von 50 Personen vor.

Seit‘ an Seit‘ gegen das Übergangswohnheim

In einer früheren Fassung des Konzepts war noch von hundert Flüchtlingen die Rede gewesen, die höchstens in Ost-Dolberg untergebracht werden sollten. Nicht zuletzt auf politischen Druck aus dem Lambertidorf, wo CDU und FWG Seit‘ an Seit‘ gegen das Übergangswohnheim zu Felde zogen, hatte die Verwaltung die Zahl dann stillschweigend halbiert. „Da hat jemand versucht, Ihnen den kleinen Finger zu reichen, Sie wollen aber die ganze Hand“, hielt SPD-Fraktionschefin Gabi Duhme am Dienstag im Hauptausschuss dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Lehmann vor.

In der Ratssitzung, die un­ter Corona-Bedingungen in der Stadthalle abgehalten wurde, stellte Duhme fest, schon bei der ersten Bürgerversammlung in der Lambertischule sei die Schließung der Unterkunft nur von der Ortsunion Dolberg gefordert worden, „und von sonst niemandem“.Ge­gen die Einlassung von Erhard Richard (CDU), die Dolberger hätten seit vielen Jahren besondere „Belastungen getragen“, verwahrte sich dieFraktionsvorsitzende. Das Haus am Hermesweg sei aktuell mit 39 Menschen belegt – während fast 300 Asylsuchende im Kernstadtgebiet von Ahlen auf Wohnungen verteilt seien. Duhme: „Die Zahlen sprechen für sich.“Auch Rolf Leismann (BMA) erklärte, er wisse aus persönlichen Gesprächen: „Die Dolberger sind aktuell gar nicht unzufrieden.“

„Ergebnisoffene Prüfung“

Erhard Richard hatte dafür geworben, jetzt die Chance zu ergreifen, sich nach einem geeigneteren Standort umzusehen als an der „Peripherie“. Zu der im CDU-Antrag formulierten „ergebnisoffenen Prüfung“ stünde aber nach Auffassung der meisten anderen Fraktionen der zugleich geforderte Beschluss, die Gemeinschaftsunterkunft in Dolberg bis Ende 2021 „auslaufend“ zu stellen, im Widerspruch.

Rolf Leismann wies auch noch einmal auf die Kosten hin, die der Umbau etwa ei­nes Schulgebäudes in Ahlen verursachen würde. Gerade vor dem Hintergrund der noch nicht bis zum Ende absehbaren finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise müsse sich die Stadt „sehr genau überlegen“, ob sie Ausgaben tätigen wolle, für die es „keine Notwendigkeit“ gebe.

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