Erklärung der Ahlener Hausärzteschaft
Praxen können Ansturm nicht bewältigen

Ahlen -

Der neuerliche Lockdown im Kreis Warendorf beschäftigt auch die Mediziner in Ahlen. Die Ahlener Hausärzteschaft wurde durch die Initiative der Landesregierung kalt erwischt. Deshalb hat sie nun eine Erklärung abgegeben.

Freitag, 26.06.2020, 12:16 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 13:18 Uhr
Erklärung der Ahlener Hausärzteschaft: Praxen können Ansturm nicht bewältigen
Foto: dpa

Am Mittwochabend saßen die Ahlener Hausärzte zusammen, um die Situation nachdem Lockdown zu besprechen. In einer Pressemitteilung geben sie folgende Erklärung ab:

„Wir Hausärzte sind von der Initiative der Landesregierung und des Kreises völlig überrascht worden. Der Vorstoß der flächendeckenden Testungen von Gesunden war nicht abgesprochen, weder der Kreis noch die KV ( Kassenärztliche Vereinigung ) haben uns in die Entscheidung eingebunden, geschweige denn uns darauf vorbereitet. Üblicherweise liegt die Seuchenbekämpfung in der Verantwortung der Gesundheitsbehörden und ist hoheitliche Aufgabe. Im SGB 5 ist Seuchenbekämpfung zu Lasten der Solidargemeinschaft nicht ausdrücklich vorgesehen.

Neue Regelungen stiften Verwirrung

Dass man jetzt Gesunde zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung testen kann, ist neu. Bis vor dem Lockdown galt noch die Ansage der Kassenärztlichen Vereinigung, dass die Testung von Gesunden ohne direkten Kontakt zu infizierten Personen keinesfalls zu Lasten der Krankenkassen vorzunehmen sei, auch wenn es von Seiten der Politik häufiger anders kommuniziert wurde.

Dass man jetzt prinzipiell jeden testen kann, was den Bürgern des Kreises aufgrund des Lockdowns heute (Mittwoch, Anm. d. Red.) in Aussicht gestellt wurde, und dass die Kostenübernahme durch Krankenkassen und öffentlichen Gesundheitsdienst gesichert ist, ist neu. Es bedeutet keinesfalls, dass man in den Hausarztpraxen jetzt den Ansturm aller Menschen, die einen Test für ihren Reiseantritt benötigen, bewältigen kann.

Abstrich nicht nebenbei zu bewerkstelligen

Immerhin müssen wir davon ausgehen, dass sich unter den Abstrichwilligen prinzipiell ansteckende Personen befinden könnten (sonst müsste man sie ja nicht testen). Deshalb müssen diese von den übrigen Patienten, insbesondere von chronisch Kranken, separiert werden. Anstandsregeln sind wie überall sonst auch einzuhalten. „Einfach mal so“ ist ein Corona-Abstrich in der Arztpraxis üblicherweise nicht zu entnehmen.

Abgesehen davon, dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend Testmaterial in den Praxen vorrätig ist und auch nicht in allen Praxen die logistische Voraussetzung vorhanden ist, Abstriche zu entnehmen, dauern die Testergebnisse aufgrund des Massenaufkommens momentan im günstigsten Fall etwa 48 Stunden, nachdem die Proben das Labor erreicht haben. Die Abstriche werden in den meisten Hausarztpraxen vormittags in die Labore gebracht und dann dort bearbeitet.

Aufwendige Lagerung der Proben

Nachmittags entnommene Proben müssen aufwendig gelagert werden, sollen sie valide Testergebnisse erbringen, und werden dann am nächsten Tag ins Labor gegeben. Das ist nicht in allen Praxen möglich. Auch im günstigsten Fall können die Testergebnisse der Abstriche aus den Hausarztpraxen vor dem kommenden Wochenende, also pünktlich zum Ferienbeginn, nicht vorliegen. Deshalb ist es trotz langer Wartezeiten anzuraten, die Abstrichstellen des Kreises, die für diese Zwecke eingerichtet sind, aufzusuchen, die bis 22 Uhr geöffnet sind und die Proben wahrscheinlich auch mehrfach täglich ins Labor bringen lassen.

Wir Hausärzte wünschen trotz allem einen guten Ferienstart. Wir haben aber die mangelnden Absprachen und Engpässe nicht zu verantworten, die bei einigen möglicherweise zu einem holprigen Start in den Urlaub führen. Von politischer Seite wurden hier Tatsachen geschaffen. Der Bevölkerung wurden Dinge versprochen, die wir nun halten sollen.“

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