„Eventa Westfalen“ zurück aus Corona-Zwangspause
Biergarten meldet sich mit Bingo zurück

Ahlen -

Dreifacher Gastrobetrieb, dreifache Härte: Mit dem „Flöz“-Biergarten meldet sich am Freitag, 10. Juli, der erste Kandidat aus der Corona-Zwangspause zurück. Wann die ersten Hochzeiten auf der Zeche Westfalen in Ahlen gefeiert werden, steht allerdings noch in den Sternen.

Samstag, 04.07.2020, 07:49 Uhr
Bingo – Chefsache. Klaus Thiesing moderiert ab dem 7. August selbst, wenn im Biergarten die Kugeln rollen. Christiane Thiesing hat weitere Termine druckfrisch in den Händen.
Bingo – Chefsache. Klaus Thiesing moderiert ab dem 7. August selbst, wenn im Biergarten die Kugeln rollen. Christiane Thiesing hat weitere Termine druckfrisch in den Händen. Foto: Ulrich Gösmann

Drei Monate lang wurden Termine gestrichen oder verschoben, jetzt werden sie wieder gemacht. Der „Flöz“-Biergarten legt vor im Gastro-Dreier von Christiane und Klaus Thiesing auf der Zeche Westfalen. Lokschuppen und Shim Sham ziehen nach, sobald es die Situation erlaubt. Trotz erster Perspektive: Ein Regelbetrieb ist noch nicht in Sicht.

„Wir hatten die Tische und Stühle schon draußen“, verrät Christiane Thiesing Freitagvormittag im Redaktionsgespräch. Doch dann sei der zweite Lockdown dazwischengekommen, der den Biergartenstart ein zweites Mal in dieser sonnenverwöhnten Saison auf Eis legte. Jetzt ist das Mobiliar wieder zurück im Winterquartier, um in der nächsten Woche erneut rausgeholt zu werden. Den 10. Juli verbinden Thiesings mit der Hoffnung, dass es endlich wieder losgeht.

Bilder aus Ahlen gingen um die Welt

Dreifacher Gastronomiebetrieb – dreifache Härte: Knapp zehn Hochzeitstermine habe er inzwischen streichen müssen, wird Klaus Thiesing konkret. Auch wenn jetzt Veranstaltungen im kleinen Kreis wieder stattfinden dürfen: „Willst du als Braut den ganzen Abend mit Mundschutz am Tisch sitzen und nicht tanzen dürfen?“ Etliche Termine wurden ins nächste Jahr verlegt, in dem es langsam eng wird. Die erste Hochzeitsfeier steht jetzt für Ende Juli im Kalender der Eventa Westfalen. Aber noch mit dickem Fragezeichen.

Zurück im Winterquartier: das Biergarten-Mobiliar.

Zurück im Winterquartier: das Biergarten-Mobiliar. Foto: Ulrich Gösmann

Events, Jubiläen, Kulturveranstaltungen: Die vergangenen drei Monate hätten zum Selbstläufer werden können. Corona kostete aber auch im Gastronomiebereich Umsatz, dessen Anteil Klaus Thiesing mit 30 Prozent überschlägt. Auch wenn die meisten seiner 14 Mitarbeiter durch Kurzarbeit aus der Gehaltsfortzahlung raus sind: Die Betriebskosten laufen weiter. Und das – bei der Gesamtgröße – nicht zu knapp.

Von den Verantwortlichen in der Politik fühlt sich der Geschäftsmann im Stich gelassen: Regeln müsse es geben. Ganz klar! Aber: „Vieles wird ohne konkreten lokalen und regionalen Sachbezug pauschalisiert.“ Und: „Besonders Leute, die ein Corona unabhängiges Einkommen haben, waren schnell mit einer sehr undifferenzierten Meinung am Start, so mein Eindruck.“ Homeoffice im Garten sei schon eine tolle Sache, wenn das Gehalt automatisch auf dem Konto lande. Was Gastronomen und Veranstalter aktuell durchmachen, sei wohl das Härteste, was passieren hätte können. Nicht wenige würden am Ende auf der Strecke bleiben.

Stillleben im „Shim Sham“. Außer Spesen nichts gewesen in den vergangenen drei Monaten.

Stillleben im „Shim Sham“. Außer Spesen nichts gewesen in den vergangenen drei Monaten. Foto: Ulrich Gösmann

Lichtblick der vergangenen Monate: eine Highend-Streaming-Veranstaltung eines großen Ahlener Unternehmens, das seine Präsentation eigentlich auf der Frankfurter Messe gebucht hatte, dann aber in den Lokschuppen der Zeche Westfalen verlegte. Die Bilder aus Ahlen gingen um die Welt. „Es sah hier aus wie in einem Filmstudio“, schmunzelt Thiesing. Weitere Anfragen ermuntern ihn, zu investieren: „Wir sind gerade dabei, den Lokschuppen mit Glasfaser auszurüsten.“

Wir sind in der glücklichen Lage, viel Platz zu haben.

Christiane Thiesing

Parallel laufen die Vorbereitungen für den Start der Biergartensaison am kommenden Freitag. „Wir sind in der glücklichen Lage, viel Platz zu haben“, schickt Christiane Thiesing vorweg. Es bleibe bei den 100 Sitzplätzen, die jetzt aber auf Abstand gestellt würden.

Für die Bestellung von Speisen geht es dann ans Küchenfenster – und mit einem „Coaster“ wieder zurück. Der brummt zur Abholung am Nachbarfenster ums Eck, wenn angerichtet ist. Die Getränke selbst werden weiter von Servicekräften an den Tisch gebracht.

 Was in den nächsten Wochen läuft, steht auf einem druckfrischen Plakat. Mit DJ-Partymusik, italienischer Nacht oder Chillout-Musik. Alles in gepflegter Tisch-Atmosphäre. Was auch für den „House-Arrest“ am 18. Juli gilt. Er ist Ersatz für das ausgefallene Großevent von Kleinstadt-Techno.

„Bingo“ heißt es am 7. August, wenn Klaus Thiesing die Kugeln rollen lässt. Sollte Corona nicht wieder dazwischen funken, soll es im September wieder aufs Parkett gehen. Die hauseigene Tanzschule will sich mit Schnupperstunden zurückmelden. Mit welchen Abstandsregeln, bleibt abzuwarten.

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