SPD-Bürgermeisterkandidat
Huerkamp: „Ich brenne darauf“

Ahlen -

Mit Hermann Huerkamp als Bürgermeister würde es nach der Kommunalwahl kein Zurück in der „Rathausfrage“ geben. Das stellten der Kandidat und die SPD-Stadtverbandsspitze am Dienstagabend bei einem Pressetermin klar. Huerkamp: „Ahlen hat sich entschieden.“

Mittwoch, 08.07.2020, 22:00 Uhr
Vor dem Rathaus, in das er „rein“ will, stellte SPD-Bürgermeisterkandidat Hermann Huerkamp an der Seite seiner Partnerin Liane Beumer sein Wahlprogramm vor, unterstützt von der Parteispitze mit (v.r.) Andrea Jaunich, Sebastian Richter und Frederik Werning.
Vor dem Rathaus, in das er „rein“ will, stellte SPD-Bürgermeisterkandidat Hermann Huerkamp an der Seite seiner Partnerin Liane Beumer sein Wahlprogramm vor, unterstützt von der Parteispitze mit (v.r.) Andrea Jaunich, Sebastian Richter und Frederik Werning. Foto: Peter Harke

Gewiefte Wahlkampfstrategen wissen um die Symbolkraft von Bildern. Nicht ohne Hintersinn hatte also wohl auch die Ahlener SPD für die Vorstellung des Wahlprogramms ihres Bürgermeisterkandidaten am Dienstagabend das Rathaus als Kulisse gewählt. Hermann Huer­kamp rüttelte zwar nicht an den Betonpfeilern des dem Abbruch geweihten Parade-Baus, wie weiland ein anderer Sozialdemokrat am Tor des Bundeskanzleramts. Doch der 60-Jährige gab sich entschlossen, tatsächlich „da rein“ zu wollen.Er „brenne darauf“, Bürgermeister zu werden.

Dabei richtet Huerkamp sich schon heute darauf ein, sein Büro in fünf Jahren wieder zu räumen – um in das dann fertiggestellte neue Stadthaus umzuziehen. Er fühlt sich an den Ratsbeschluss zum Neubau von Rathaus und Stadthalle gebunden, dieser müsse, nachdem auch die Mehrheit der Ahlener sich beim Bürgerentscheid am 8. März dafür ausgesprochen habe, „umgesetzt und ausgestaltet werden“. Insbesondere mit Blick auf das Bürgerforum, in dem neben der Stadthalle auch VHS und Stadtbücherei integriert werden sollen, halte er eine breite öffentliche Beteiligung für „absolut notwendig“, so Huerkamp.

Uns ist wichtig, dass wir glaubwürdig bleiben.

Sebastian Richter

Das sieht SPD-Stadtverbandsvorsitzender Sebastian Richter genauso. Nachdem der amtierende Verwaltungschef den Bürgerdialog bisher „versemmelt“ habe, werde es Huerkamps Aufgabe sein, die unterschiedlichen Lager wieder zusammenzuführen. Spekulationen politischer Mitbewerber, wonach mit einem Bürgermeister Huerkamp das Rad in der „Rathausfrage“ noch einmal zurückgedreht werden könnte, trat Richter entgegen: „Uns ist wichtig, dass wir glaubwürdig bleiben.“ Die stellvertretende Parteivorsitzende An­drea Jaunich bekräftigte: „Wir stehen zu hundert Prozent hinter dem Bürgerentscheid.“ Sie glaube auch, dass die meisten Ahlener den Streit um dieses Thema „satt“ hätten.

Dialog mit Kaufleuten als „Chefsache“

In seinem Wahlprogramm greift Hermann Huerkamp gleichwohl einige Aspekte auf, die auch in der Diskussion um das Rathaus eine Rolle gespielt haben, wie zum Beispiel die Parkplatzsituation in der City. Dazu sagt er: „Natürlich möchten wir eine fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt, nach holländischem Vorbild. Allerdings muss dies mit Augenmaß umgesetzt werden und mit genügend Parkraum für die auswärtigen Besucher der Innenstadt einhergehen.“ Auf den Punkt gebracht: Huerkamp will sich für den Bau eines zentrumsnahen Parkhauses einsetzen.

Den Dialog mit der Kaufmannschaft und den Gewerbetreibenden werde er „zur Chefsache machen“, kündigt der Kandidat an, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie die Fußgängerzone attraktiver gestaltet werden kann, möglicherweise auch durch bauliche Veränderungen am Marienplatz und anderswo. Beim Stadtmarketing sehe er „noch Luft nach oben“, auch ein aktiveres Leerstandsmanagement sei nötig, um „zielgenau“ zu gucken, welche Lücken es im Angebot gibt und wie man sie schließen könnte.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

War er beruflich als Leiter des Stadtteilbüros und Geschäftsführer der Projektgesellschaft Westfalen in der Vergangenheit primär auf den Ahlener Südosten fokussiert, will Huerkamp sich im Fall seiner Wahl zum Bürgermeister ebenso um andere Stadtteile kümmern, wie den Norden, wo ein Quartierszentrum wie das Juk-Haus noch fehle. Auch in den Dörfern müsse die soziale Infrastruktur gestärkt werden.

Ein „ganz wichtiges Thema“, so Huerkamp weiter, sei die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum, bestenfalls öffentlich gefördert. Er könne sich die Gründung einer kommunalen Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft vorstellen.

Wir sind nicht gerade eine blühende Stadt.

Hermann Huerkamp

Damit sich die Menschen in ihrem Wohnumfeld auch wohl und sicher fühlen, müsste nach Huerkamps Ansicht in Ahlen mehr für „Sauberkeit und Ordnung“ getan werden. „Wir sind nicht gerade eine blühende Stadt“, so sein Eindruck. Und würden Missstände gemeldet wie wilde Müllablagerungen, dauere es oft zu lange, bis etwas dagegen unternommen werde. „Da müssen wir besser werden“, sieht Huerkamp hinsichtlich der Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung – nicht nur in diesem Punkt – noch Potenzial.

Das komplette Programm unter der Überschrift „Ahlen neu denken, aber vor allem auch neu machen“ ist auf Huerkamps Internetseite nachzulesen. Er bezeichnet es als „lernendes Programm“, ist offen für weitere Anregungen aus der Bürgerschaft, mit der er in den kommenden Wochen, soweit es die Corona-Bedingungen erlauben, im Straßen- und Haustürwahlkampf durchaus auch das persönliche Gespräch suchen will.Auf die Frage, ob die Ahlener Sozialdemokraten Schützenhilfe von Landes- oder Bundesprominenz bekommen werden, antwortet ihr Vorsitzender Sebastian Richter selbstbewusst: „Brauchen wir nicht. Wir finden, dass Hermann reicht.“

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