Kultursommer
Wortspiele und versteckte Frechheiten

Ahlen -

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Leistungsgedanken war nur ein Themenbereich beim unterhaltsamen Kabarettabend mit Henning Schmidtke.

Sonntag, 02.08.2020, 15:20 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 09:22 Uhr
Kultursommer: Wortspiele und versteckte Frechheiten

„Licht aus!“ Es genügten diese beiden zum geflügelten Wort gewordenen Wörter, um das Publikum am Freitagabend auf dem Büz-Parkplatz gleich in die passende Stimmung zu versetzen. Für diese Veranstaltung hatte das Bürgerzentrum Schuhfabrik auch die Kulturgesellschaft der Stadt Ahlen an Bord.

Die Besucher des Kabarettabends im Rahmen des Kultursommers machten es Henning Schmidtke leicht, um als Kölner im Westfälischen zu reüssieren. Sie brachten auch das richtige Alter mit, um mit Namen wie Ilja Richter und der ZDF-Kultsendung „Disco“ etwas anfangen zu können. Für den Stand-up-Comedian war „Disco“ im Vergleich zu den heutigen Castingshows noch ein purer Lustgewinn, weil Richters Show damals ohne Konkurrenz auskam. Heute gehe es nur noch darum, möglichst besser als die anderen zu sein.

Schmidtke nutzte seine Parodien auf Casting-Juroren wie Dieter Bohlen, um sich kritisch mit dem Leistungsgedanken auseinander zu setzen. Beispielhaft sei für ihn der Begriff Leistungsträger. Als Leistungsträgerin gelte nicht etwa die Altenpflegerin, die gewissenhaft und mit Hingabe ihrem Beruf nachgehe, sondern der- oder diejenige, die mit viel Kohle nach Hause geht.

Parodien auf Vorzeigemusiker

Ohne mit erhobenen Zeigefinger zu moralisieren, wies er am Beispiel der Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel darauf hin, dass das Burnout-Syndrom auch vor Frauen nicht haltmacht. Arbeitssucht sei eben auch eine Sucht und damit wie jede andere Sucht eine Krankheit. Seine wohlmeinende Kritik verpackte Schmidtke in intelligente Wortspiele oder ironische Betrachtungen, so dass die Zuhörer nie das Gefühl bekamen, gerade einer Nachhilfestunde aktueller Gesellschafts- oder Sozialkunde beizuwohnen.

Ein Genuss der Extraklasse waren die Parodien auf deutsche Vorzeigemusiker wie Marius Müller-Westernhagen, Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer, die er zu Weihnachts- oder Osterliedern musikalisch inspirieren wollte. Das Publikum goutierte die versteckten Anspielungen, Frechheiten und Gemeinheiten, die der Kabarettist zwischen den Zeilen servierte. Zwei Zugaben waren fällig, um die Lust der Besucher auf mehr einigermaßen zufriedenzustellen.

Und wie ging das noch weiter bei Ilja Richters „Disco“? Ach ja: Whoom! Spot an! Jaaaa . . .!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7518205?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker