CDU-Zielgruppengespräch
„Ganzes Land wird nicht mehr lahmgelegt“

Ahlen -

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus traf in Ahlen auf Vertreter der Gastronomie. Und ließ sich von ihnen ihre Erfahrungen während der Coronazeit schildern.

Donnerstag, 06.08.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 11:48 Uhr
„Die meisten Menschen sind sehr vernünftig“, lobte Ralph Brinkhaus (M.) die Besucher der Gastronomie. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurde von Stadtverbandschef Peter Lehmann (l.) und Bürgermeister Dr. Alexander Berger in der Stadthalle begrüßt.
„Die meisten Menschen sind sehr vernünftig“, lobte Ralph Brinkhaus (M.) die Besucher der Gastronomie. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurde von Stadtverbandschef Peter Lehmann (l.) und Bürgermeister Dr. Alexander Berger in der Stadthalle begrüßt. Foto: Christian Wolff

Über Ahlen und seine Eigenheiten zeigte sich Ralph Brinkhaus am Mittwochnachmittag sehr gut informiert. Was auch daran liegen mag, dass Themen wie die „Rathausfrage“ auch in seiner Wiedenbrücker Heimat medial aufgegriffen werden. „Aber ich bin zum ersten Mal beruflich hier“, bekannte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei seinem Besuch in der Stadthalle.

Das erste von zwei Zielgruppengesprächen, die der CDU-Stadtverband organisiert hatte, führte der Bundespolitiker mit Vertretern der Ahlener Gastronomie. Es ging vor allem darum, wie diese mit den Folgen der Corona-Pandemie – vom kompletten Lockdown bis zu den aktuellen Einschränkungen – umgehen und welche Zukunftssorgen sie derzeit umtreiben.

Mut machende Worte

„Sie leben alle vom Präsenzgeschäft. Das ist anders als bei den Unternehmen, die jetzt erfolgreich aus Homeoffice und Videokonferenzen umgestellt haben“, so Brinkhaus. Und trotzdem machten er und Bürgermeister Dr. Alexander Berger den Gastronomen Mut: „Die Leute wollen wieder zu Ihnen kommen, sie wollen rausgehen und gut essen.“ Ein Zögern, gerade bei vielen älteren Menschen, sei jedoch nachvollziehbar.

„Wir haben nach den ersten Wochen der Schließung einen Lieferservice eingerichtet und haben einen großen Zuspruch erhalten“, beschrieb Manuel Varis, der das Restaurant „Meat & Greet“ am Marktplatz betreibt. „Ich hatte das Gefühl, die Leute haben sogar bestellt, obwohl sie gar keinen Hunger hatten.“ Ob diese Solidarität bei einem erneuten Lockdown noch vorhanden sein wird, bezweifelt Varis jedoch. „Wir können nur hoffen, dass uns bis zum Weihnachtsgeschäft nichts mehr passiert. Das macht uns schon Angst.“

Wir können nur hoffen, dass uns bis zum Weihnachtsgeschäft nichts mehr passiert.

Manuel Varis

Der Bürgermeister wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es festes Ziel von Stadt und Wirtschaftsförderungsgesellschaft sei, einen „Ahlener Advent“ umzusetzen, wenn auch in einer Form, die den geltenden Bestimmungen angepasst ist. „Davon können auch Sie profitieren.“

Salih und Ercan Celik vom „Lehmofen“ betonten, dass die meisten Gäste es akzeptieren, zwischen Tür und Tisch eine Schutzmaske zu tragen. Da hätten sie mehr Probleme oder Diskussionen erwartet.

Horst Baumgartner , der mit der „Posthalterey“ an der Nordstraße eines der ältesten Gasthäuser der Ahlener Innenstadt führt, stellte fest, dass gutes Wetter seinem Geschäft derzeit wieder Auftrieb gibt. „Die Leute sitzen jetzt lieber draußen, da fühlen sie sich sicherer wegen der möglichen Ansteckungsgefahr.“ Ohnehin stünden im Inneren seines Lokals nur noch 50 Prozent der sonstigen Kapazität zur Verfügung – der Abstände wegen. Da sei er froh, die Möglichkeit einer Außengastronomie als Kompensation zu haben. Ein Lob richtete Baumgartner indes an die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die das Einhalten der Coronaregeln regelmäßig überprüfen. „Sie sind sehr freundlich und weisen im Zweifel auf Alternativen hin, ohne direkt mit Bußgeldern zu drohen.“ Bürgermeister Dr. Alexander Berger bekräftigte in diesem Punkt, dass seine Mitarbeiter angewiesen seien, zunächst beratend tätig zu sein. „Schließlich ist die Gastronomie genug gebeutelt und froh, nach Wochen des Stillstands wieder für ihre Gäste da sein zu können.“

Baumgartner erinnerte aber auch an seine Berufskollegen, die nicht das Glück hätten, im Eigentum zu arbeiten. „Das verschafft etwas Luft, denn die Kosten laufen ja weiter.“ So habe Mario Wesselmann („Gourmet-Lädchen“) direkt Soforthilfe beantragt und äußerte sich positiv über die Schnelligkeit, mit der sein Antrag bewilligt worden sei. „Die veränderte Mehrwertsteuer ist auch sehr gut. Das könnte dauerhaft so bleiben“, meinte er.

Aushilfen schwer wiederzubekommen

Im Gegensatz zu den meisten Restaurants herrscht im großen Saal der Stadthalle nach wie vor häufig Leere, auch wenn das Geschäft durch die eine oder andere kleinere Veranstaltung und die Reaktivierungdes hauseigenen Restaurants, das zeitweise ebenfalls durch ein Lieferangebot den Stillstand überbrückt hatte, wieder an Fahrt gewinne. „Vier Monate ohne Veranstaltungen – obwohl wir sehr breit aufgestellt sind, hat uns diese Entwicklung hart getroffen“, fasste Geschäftsführer Andreas Bockholt zusammen. „Wir haben 19 Mitarbeiter, die aktuell alle in Kurzarbeit sind. Sie arbeiten zwischen 40 und 80 Prozent ihres Normalpensums.“ Da fehlten am Ende des Monats natürlich einige Euros. „Zumindest haben die Mitarbeiter eine gewisse Sicherheit.“ Anders sehe es bei den Aushilfen aus. Andreas Bockholt befürchtet, dass es schwierig sein wird, diese bei der Rückkehr zum Normalbetrieb zu rekrutieren. „Viele haben sich inzwischen natürlich etwas anderes gesucht.“

Die große Sorge der Ahlener Gastronomen vor einem erneuten radikalen Lockdown, der im März ganz Deutschland betraf, versuchte Ralph Brinkhaus zu relativieren: „Das ganze Land werden wir sicher nicht mehr lahmlegen. Man geht jetzt differenzierter vor. Damals kannten wir das Virus zu wenig und waren sehr, sehr vorsichtig.“ Selbst einen ganzen Landkreis runterzufahren, halte er inzwischen für falsch. Der Fall Tönnies habe jüngst gezeigt, wie wirkungsvoll es ist, punktuell einzuschreiten. Und auch da sei Ahlen dennoch unverhältnismäßig betroffen gewesen, so der Christdemokrat. „Natürlich können wir auch jetzt nicht jede Entwicklung vorhersehen. Ich muss aber feststellen, dass die meisten Menschen sehr vernünftig sind.“

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