„An Erminig“
Fahrende Musiker als Botschafter

Ahlen -

Ungewöhnliche Instrumente für interessante Geschichten: An Erminig brachte dem Publikum den bretonischen Folk näher.

Montag, 10.08.2020, 16:56 Uhr aktualisiert: 16.08.2020, 16:55 Uhr
Das Trio „An Erminig“, bestehend aus Andreas Derow, Barbara Gerdes und Hans Martin Derow
Das Trio „An Erminig“, bestehend aus Andreas Derow, Barbara Gerdes und Hans Martin Derow Foto: Bürgerzentrum

Die Bretagne. Tief im Westen Europas begeistert sie mit authentischen Naturlandschaften und malerischen Küstenstreifen, die viele Urlauber bereits genossen haben. Eher unbekannt ist hingegen die traditionelle bretonische Musik. Was macht diese eigentlich aus? Das konnten die Besucher des Schuhfabrik-Kultursommers am Samstagabend erfahren, als das Trio „An Erminig“ sie auf eine Reise zu den musikalischen Wurzeln der Bretagne mitnahm.

Barbara Gerdes (keltische Harfe, Bombarde und Flöten), Andreas Derow (Gesang, Dudelsack, Geige, Akkordeon und Drehleier) und Hans Martin Derow (Gitarre, irische Bouzouki, Akkordeon und Gesang) präsentierten ihr Programm „Plomadeg“, das in verschiedenen Liedern und Balladen teils heitere, bewegende, aber auch viele traurige Begebenheiten aus dem täglichen Leben der bretonischen Landbevölkerung erzählt. Bei der bretonischen Musik handelt es sich um „Musik über Musiker“, wie das Trio betonte.

Lieder mit Geschichte

Vor den einzelnen Stücken führte „An Erminig“ die Zuschauer jeweils in die Geschichte des Liedes ein. So lernten diese beispielsweise die Sagen über die berühmt berüchtigte Naia Kermadec, der „Hexe von Rochefort en Terre“, kennen. Diese soll einen alten Bauern aus einem brennenden Haus gerettet und dafür – der Sage nach – die Seele seines Sohnes an den Teufel verkauft haben.

Ein weiteres Stück handelte von einem blinden Drehleierspieler aus Galizien. Dieser zog von Haus zu Haus, um ein wenig Brot und Wein zu erbetteln. Eines Tages gelangte er an ein Haus, wo der Hausherr ihm zusätzlich auch dessen schöne Tochter Rossinia übergab, die hierüber zunächst überhaupt nicht begeistert war, dann aber einen früheren Verehrer in dem blinden Drehleierspieler wiedererkannte. „Die Drehleier in dem Lied passt zu Rossinia, ein bisschen zickig“, kommentierten „The Erminig“ das Lied mit einem Augenzwinkern.

Informationen musikalisch verbreitet

Geschichten anhand derer deutlich wurde, dass Musik früher nicht allein pure Unterhaltung war. In einer Zeit, als es Zeitungen, Fernsehen und das Internet noch nicht gab, diente Musik auch dazu, Informationen zu verbreiten. Dies betraf auch die Bretagne, wo fahrende Musikanten als Botschafter von Ort zu Ort zogen und Geschichten musikalisch verbreiteten. „Leider sind es überwiegend traurige Themen, die so bekannt wurden“, verdeutlichte Barbara Gerdes. So sei beispielsweise das Thema Kindsmord in der Bretagne im 18. Jahrhundert ein großes Thema gewesen.

Trotz dieser eher schweren und teils bedrückenden Themen sorgte das Trio jedoch durch das Zusammenspiel der verschiedenen eher ungewöhnlichen Instrumente für ein besonderes Klangerlebnis, das die Zuschauer immer wieder mit Applaus quittierten.

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