Bauprojekt Eschenbachstraße nach hitziger Diskussion abgesegnet
Kritik am Vorgehen der Verwaltung

Ahlen -

Das Bauprojekt an der Eschenbachstraße, über das seit Wochen intensiv diskutiert wird, hat den Bauausschuss passiert – mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung. Der Investor hatte zuvor seine Pläne nachgebessert.

Mittwoch, 02.09.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 19:30 Uhr
Das Tor an der Eschenbachstraße öffnet sich für den Bau von 18 Wohneinheiten in drei Baukomplexen. Zumindest gab der Bauausschuss dafür nach langer Diskussion grünes Licht.
Das Tor an der Eschenbachstraße öffnet sich für den Bau von 18 Wohneinheiten in drei Baukomplexen. Zumindest gab der Bauausschuss dafür nach langer Diskussion grünes Licht. Foto: Christian Wolff

Stadtplaner Markus Gantefort sprach von einer „gewissen Unruhe“, die eingetreten ist, nachdem das Wohnbauprojekt an der Eschenbachstraße politisch auf den Weg gebracht wurde. Martina Maury (BMA) und Karl-Heinz Meiwes ( SPD ) wurden da schon deutlicher: Sie warfen der Verwaltung vor, die Anwohner bei der Planung nicht mitgenommen zu haben. Anders seien der massive Protest und die 98 Eingaben gegen das Vorhaben nicht zu erklären.

Zu großformatig, nachteilig für den Verkehrsfluss und unpassend gegenüber der bestehenden Bebauung – das waren laut Gantefort die Hauptkritikpunkte. Dennoch: Mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung gab der Stadtplanungs- und Bauausschuss am Dienstagabend grünes Licht für die nachgebesserte Fassung des Bebauungsplans 49 „Hohle Eiche“. Dort sollen auf einem Grundstück drei neue Baukörper entstehen (wir berichteten mehrfach).

SPD: Viele Missverständnisse produziert

Wie der Stadtplaner ausführte, habe der Investor in einigen Punkten nachgebessert. So seien nur noch 18 statt 20 Wohnungen geplant, der Fahrzeugaufzug werde gegen eine Tiefgaragenrampe ausgetauscht und weiterer Platz für Fahrzeuge auf dem Grundstück geschaffen. Meiwes reichte das nicht: „Ich muss sagen, so viel hat sich gar nicht geändert.“ Dass Anwohner und Investor inzwischen sehr sauer sind, sei die Schuld der Stadtverwaltung, die viele Missverständnisse produziert habe.

Grüne: Zu große Verdichtung und Versiegelung

Auch Petra Pähler-Paul (Grüne) brach eine Lanze für die Anwohner: „Neben dem Bauvorhaben an sich gab es grundsätzliche Bedenken für die Zukunft des Quartiers. Für ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück sehe ich eine viel zu große Verdichtung und Versiegelung. Ich sehe die Nutzungsqualität der drei neuen Häuser nicht“, sagte sie. Außerdem sei der mittlere Bau verschattet. Die Frage, wie viel Fläche genau versiegelt würde, beantwortete die Verwaltung mit 60 Prozent. „Wahnsinn“, sagte Pähler-Paul.

Den Vorwurf von Karl-Heinz Meiwes, die Stadt hätte lieber ihr Vorkaufsrecht für das Grundstück nutzen und an dieser Stelle die Zufahrt für das Wohngebiet „Hohle Eiche“ erstellen sollen, wies Gantefort zurück. „Wir haben sogar gemeinsam mit dem Investor einen Flächentausch überlegt.“

Martina Maury erinnerte daran, dass bereits zwei neue Mehrfamilienhäuser in unmittelbarer Nähe entstanden sind. „Das geschah im Dialog zwischen Architekt und Anwohnern – und es gab keine Probleme.“ Kritik übte sie auch an der Vorlage, in der es hieß, einige Eingeber hätten keinerlei Berührung mit dem Wohnviertel. „Woher wollen Sie denn wissen, wer wirklich Bezug dazu hat?“ Man könne auch an der Nordstraße wohnen und Eigentümer eines Hauses an der Eschenbachstraße sein.

BMA: Verkehrsproblematik wird erst im zweiten Schritt diskutiert

Die BMA-Sprecherin erinnerte an einen Plan mit Einfamilienhäusern, der im Vorjahr im Ausschuss präsentiert wurde. Der habe jedoch nichts mehr mit dem zu tun, was jetzt vorgesehen ist. „Warum ist die nordwestliche Bebauung maßgeblich für die geplanten Flachdächer? Diese Bebauung sehe ich gar nicht von der Eschenbachstraße, sie steht in einer Stichstraße.“ Maury legte nach: „Warum wird die Verkehrsproblematik erst im zweiten Schritt diskutiert? Ich genehmige erst ein Bauvorhaben mit 18 Einheiten und löse danach das Verkehrsproblem? Das ist der verkehrte Weg.“ Die Stadt Ahlen genehmige fast nie Hinterlandbebauungen – „Wieso plötzlich hier?“ Auch eine 3-D-Visualisierung vermisste sie hier, während eine solche bei anderen Vorhaben längst Standard ist.

CDU: Thema nicht wahlpolitisch ausschlachten

„Insgesamt ist die Entwicklung dieses Baulands nicht so gelaufen, wie wir es gewünscht hätten“, räumte Erhard Richard (CDU) ein. „Aber die Angriffe auf Herrn Gantefort halte ich für übertrieben“, richtete er sich insbesondere an Martina Maury, die daraufhin noch einmal kontern wollte. Das unterband Martin Hegselmann (CDU), der ein Ende der Diskussion und die Abstimmung beantragte: „Wir sollten diese Sache hier nicht wahlpolitisch ausschlachten.“

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