Joseph Thota bittet um Spenden für seine Heimat
Hilfe, die garantiert ankommt

Ahlen -

Joseph Thota macht sich Sorgen um seine Heimat Indien. Das Coronavirus hat das Land stark getroffen. Deswegen hofft er auf Spenden.

Montag, 14.09.2020, 12:30 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 11:23 Uhr
Die Stiftung „Bridge of Hope“ hat Joseph Thota vor acht Jahren gegründet. Sie organisiert Lebensmittellieferung in das vom Coronavirus hart getroffene Indien.
Die Stiftung „Bridge of Hope“ hat Joseph Thota vor acht Jahren gegründet. Sie organisiert Lebensmittellieferung in das vom Coronavirus hart getroffene Indien. Foto: privat

Joseph Thota ist in großer Sorge. Täglich erreichen den in der Katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus praktizierenden Priester Nachrichten aus seiner Heimat Indien, die ihn kaum schlafen lassen. „Das Coronavirus verbreitet sich dort wie ein Lauffeuer, 70 000 Neuinfektionen hat es allein an einem Tag gegeben“, berichtet er.

Die panische Angst der Bevölkerung vor einer Ansteckung geht so weit, dass Tote nicht mehr rituell bestattet.

Joseph Thota

„Bridge of hope“ (übersetzt: „Brücke der Hoffnung“) heißt die Stiftung, die der 46-Jährige vor acht Jahren ins Leben gerufen hat. Über sie ruft er jetzt zu Spenden für seine Landsleute auf. „Jeder Cent zählt“, bittet er alle Bürger um Unterstützung. Dass diese Hilfe ankommt, das garantiert der Pfarrer persönlich. In seinem Heimatdorf Madepalli kann er auf ein zehnköpfiges Mitarbeiterteam zurückgreifen. Die Zentralrendantur der Katholischen Kirchengemeinde überweist die Beträge und stellt auf Wunsch Spendenquittungen aus.

„Die rasante Ausbreitung des Virus ist schlimm genug. Noch schlimmer ist, dass daran die menschlichen Kontakte zerbrochen sind“, schildert Joseph Thota Situationen, die unglaublich scheinen. „Die panische Angst der Bevölkerung vor einer Ansteckung geht so weit, dass Tote nicht mehr rituell bestattet, sondern einfach am Straßenrand liegen gelassen und dort von Mäusen und Ratten angefressen werden“, sagt er.

Quarantäne-Möglichkeiten seien unrealistisch, wenn auf fünf Quadratmeter Wohnfläche ein Dorfbewohner kommt. Erschwerend komme hinzu, dass Krankenstationen überfüllt und viele Ärzte und Schwestern bereits gestorben seien oder aufgehört hätten zu arbeiten.

Die Wirtschaft steht still, die Sorge um das nackte Überleben bestimmt den Alltag in dieser schweren Zeit.

Joseph Thota

„Die Wirtschaft steht still, die Sorge um das nackte Überleben bestimmt den Alltag in dieser schweren Zeit“, sagt er. Die aktuelle Regenzeit verstärke die Pandemie. Über offene Abwassersysteme könne sich das Virus schnell ausbreiten.

Die Erwachsenen ohne Arbeit, die Jugendlichen ohne Möglichkeit, online zu Hause zu lernen, da die technischen Voraussetzungen fehlen – die Situation ist mehr als prekär. In den letzten Tagen habe sich ein 50-jähriges Ehepaar von seinem Haus in den Tod gestürzt. Obwohl nach der Infizierung wieder gesundet, wurde es von der Dorfgemeinschaft gemieden. „Die Sprachlosigkeit und die Kontaktverweigerung haben unweigerlich zum Selbstmord geführt“, bedauert Pfarrer Thota.

Ihn bedrückt die aktuelle Situation sehr, aber auch die Tatsache, dass er in diesem Jahr nicht wie gewohnt zweimal in seine Heimat reisen kann. Trotzdem versucht er über den täglichen Kontakt mit Bruder Antony und dem Helfer-Team, die Ärmsten der Armen zu unterstützen.

Die Sprachlosigkeit und die Kontaktverweigerung haben unweigerlich zum Selbstmord geführt.

Joseph Thota

Die Bilanz der auf Spenden basierenden Hilfe seit April kann sich sehen lassen: Lieferungen von 4000 Lebensmittel-Paketen an 500 bedürftige Menschen in Madepalli, finanzielle Unterstützung für 300 ältere kranke Menschen. 50 Familien von Gefangenen erhielten jeweils 20 Kilo Reis, 150 Familien bekamen zehn Kilo Reis und Gemüse. Unterstützt wurden auch die Familien der Patenkinder mit zehn Kilo Reis und Gemüsepaketen. Im Mai verteilte die Organisation Reis und Lebensmittelpakete an das Stammvolk „Koya“ und lieferte 100 Lebensmittelpakete pro Tag an Arbeitsmigranten. Geholfen wurde auch den Missionsstationen in der Region durch „Karibu“ St. Bartholomäus Ahlen. Weitere Hilfen sind möglich über das Spendenkonto, zu erfragen im Pfarrbüro oder bei Pfarrer Joseph Thota.

Und wenn er wie geplant nach zehnjähriger Tätigkeit in Ahlen in zwei Jahren für immer in seine Heimat zurückkehrt, dann wünscht er sich, dass die Hilfe zur Selbsthilfe weiter geht und die „Brigde of hope“ weiterhin zum Brückenschlag zwischen der Stadt Ahlen und dem indischen Dorf Madepalli wird.

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