Einzelhändler schlagen Corona-Alarm
Erneuter Lockdown ein „Horrorszenario“

Ahlen -

Eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen? Für die Ahlener Innenstadt wäre das ein „Todesstoß“, finden die Einzelhändler.

Montag, 28.09.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 09:20 Uhr
Maik Böber (l.) und Andreas Frenz (r.) beraten Michael Witte. Kundengespräche seien seit der Wiedereröffnung jedoch seltener geworden. Wer kommt, kaufe meist gezielt.
Maik Böber (l.) und Andreas Frenz (r.) beraten Michael Witte. Kundengespräche seien seit der Wiedereröffnung jedoch seltener geworden. Wer kommt, kaufe meist gezielt. Foto: Martin Feldhaus

Über 200 neue Corona-Fälle in der Nachbarstadt Hamm. Beunruhigende Zahlen, die das Damoklesschwert eines erneuten Lockdowns auch über Ahlen schweben lassen. Eine entsprechende Verschärfung der Maßnahmen träfe in der Fußgängerzone auf einen ohnehin schon stark gebeutelten Einzelhandel. Sondermann Brot und Schuh Okay: bereits geschlossen, Kamps und das Schreibwarengeschäft Sommer: demnächst geschlossen, zahlreiche weitere Leerstände: seit langem unbesetzt. Kann der Ahlener Einzelhandel eine Maßnahmenverschärfung überhaupt noch verkraften? Unsere Zeitung fragte bei den Händlern nach, wie sie die aktuelle Lage bewerten.

„Für die Ahlener Innenstadt wäre das der Todesstoß“, will Andreas Frenz, Geschäftsführer von Expert Promedia, an eine Verschärfung gar nicht erst denken. Die seinerzeitigen Maßnahmen seien „in der Art ein großer Fehler gewesen“, die Auswirkungen für die Geschäfte in der Fußgängerzone bereits jetzt dramatisch. Die Absagen von Stadtfest, Pöttkesmarkt und weiteren Veranstaltungen hätten die Kaufleute schwer getroffen. „Uns fehlen die Umsätze an diesen Tagen, die messbar höher sind“, betont Andreas Frenz. So kämen gerade an solchen Tagen auch viele Auswärtige nach Ahlen und kauften dann in den innerstädtischen Läden ein. Sein dringender Appell: „Wir müssen Konzepte entwickeln, wie solche Veranstaltungen dennoch stattfinden können.“ Gerade eine gute Vorbereitung des Weihnachtsgeschäfts sei jetzt für den lokalen Einzelhandel enorm wichtig.

Eileen Spork hat in der „Rappelkiste“ gut zu tun.

Eileen Spork hat in der „Rappelkiste“ gut zu tun. Foto: Martin Feldhaus

Das gilt auch für die „Rappelkiste“, wo das Geschäft mit dem Verkauf von Spielzeug nach der Wiedereröffnung eigentlich sehr gut angelaufen ist. „Wir haben viel zu tun“, berichtet Mitarbeiterin Eileen Spork. In Zeiten drohender Schließungen von Kitas und Schulen rüsten Eltern offensichtlich die Kinderzimmer mit weiterem Spielzeug gezielt auf. Gut für die „Rappelkiste“. Doch was wäre im Fall eines erneuten Lockdowns samt Schließung? „Das wäre ein Horrorszenario“, so Eileen Spork. In diesem Falle hätten sie und die anderen Angestellten „Angst, dass das Geschäft komplett dicht“ machen müsse.

Wenn das so ein zweites Mal kommt, wird es schwer.

Bernd-Uwe Lieftüchter

„Wenn das so ein zweites Mal kommt, wird es schwer“, ist sich auch Herrenausstatter Bernd-Uwe Lieftüchter sicher. Der Einzelhandel hätte bereits jetzt das schlechteste Jahr der Nachkriegszeit zu verkraften. Viele Inhaber seien im Frühjahr bereits an ihre Reserven gegangen, die nun aufgebraucht sind. Erneute Schließungen des Einzelhandels wären in Anbetracht dessen „eine Katastrophe“ verdeutlicht der Inhaber des Bekleidungsgeschäfts an der Oststraße. Noch gebe es in Ahlen zwar eine hohe Kundenfrequenz in der Fußgängerzone, doch eventuell zunehmende Leerstände sähen „hässlich aus und ziehen die Leute nicht an“.

Bei der Verbesserung dieser Lage sieht Bernd-Uwe Lieftüchter auch die Politik in der Verantwortung. Es gelte, die Fußgängerzone so „zu bespielen, dass die Leute wieder mehr bereit sind in die Innenstadt zu kommen“.

Martin Dinkelmann appelliert an die Kundschaft.

Martin Dinkelmann appelliert an die Kundschaft. Foto: Martin Feldhaus

„Die Lage ist sehr ernst und wir können nur gemeinsam versuchen, dagegen anzuarbeiten“, schlägt auch Martin Dinkelmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Elektrofachgeschäfts, Alarm. Doch wie kann die Politik dem angeschlagenen Einzelhandel unter die Arme greifen? „Sonntagsöffnungen an einzelnen Tagen müssten durchgesetzt werden“, äußert er eine Idee.

Martin Dinkelmann hat zudem eine klare Botschaft für die Ahlener Kunden: „Bitte haltet dem Handel die Stange, auch wenn er jetzt nicht das gewohnte Einkaufserlebnis bieten kann.“

Mit strikten Einschränkungen des Einzelhandels wie im März und April rechnet Dinkelmann hingegen nicht. Wenn es hierzu käme, sei ein weiteres Handelssterben programmiert. Das könne jedoch „keiner mehr zulassen“, ist er sich sicher.

Auf alle Eventualitäten eingestellt zeigt sich Josef Ostermann: „Wenn wir Einzelhändler ein zweites Mal schließen müssen, wird es mit Sicherheit weitere Leerstände geben. Dann wird es ganz schwer. Wir haben bei uns aber Maßnahmen getroffen und sind für diesen Fall vorbereitet“, sagt der Inhaber des Porzellanhauses. Und er betont die Gemeinschaft: „Wir Unternehmer in der Innenstadt müssen durch die schwierige Lage zusammen durch.“

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