Aktionstag zur Glücksspielsucht
Ahlener verzocken Millionen

Ahlen -

Wie sehr die Glücksspielsucht die Existenz von Betroffenen bedrohen kann, zeigen neue Statistiken. Demnach haben die Ahlener im vergangenen Jahr über vier Millionen Euro verzockt. Die Quadro Sucht- und Drogenberatung der Caritas klärte auf.

Donnerstag, 01.10.2020, 12:44 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 12:12 Uhr
Diplom-Sozialpädagogin Renate Theissen-Beckmann sieht die Ahlener Zahlen rund um das Glücksspiel an Geldspielgeräten mit Sorge. Rund 4,4 Millionen Euro landeten hier im Jahr 2019 in den Automaten.
Diplom-Sozialpädagogin Renate Theissen-Beckmann sieht die Ahlener Zahlen rund um das Glücksspiel an Geldspielgeräten mit Sorge. Rund 4,4 Millionen Euro landeten hier im Jahr 2019 in den Automaten. Foto: Ralf Steinhorst

Auch in Ahlen verführen Glücksspielautomaten zur Spielsucht. Die Quadro Sucht- und Drogenberatung der Caritas hat deshalb am Mittwoch wieder am bundesweiten Aktionstag zur Glücksspielsucht teilgenommen.

Allein die Zahlen für Ahlen sind alarmierend: rund 4,4 Millionen Euro wurden in der Wersestadt im Jahr 2019 verzockt. Das hat der Arbeitskreis gegen Spielsucht in Unna erforscht. Das macht im Schnitt 84,85 Euro pro Einwohner.

Vielmals kommen sie auf Druck ihrer Lebenspartner, weil die Sucht die Existenz bedroht.

Renate Theissen-Beckmann

Hauptsächlich wird in Spielhallen gespielt, neun Standorte mit insgesamt 122 Geldspielgeräten gibt es zurzeit in Ahlen. 17 Automaten sind es zusätzlich in gastronomischen Betrieben. Die Zahlen sind auch in anderen Städten so hoch, weil Automatenspiele das suchtrelevanteste Glücksspiel sind. Die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW geht davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Spielhallenumsätze von Menschen stammen, die Probleme mit dem Glücksspiel haben. Inzwischen hat sich das Feld ausgeweitet, unzählige illegale Onlineglücksspielangebote sind im Netz auf dem Markt. Deren fataler Vorteil: dort kann sieben Tage in der Woche rund um die Uhr gezockt werden. Die Suchthilfen erfüllt es daher mit Sorge, dass virtuelle Automatenspiele ab Juli 2021 großzügig liberalisiert werden sollen. Was nichts anderes bedeutet, dass viele der bisher illegalen Angebote legal werden.

Das durchzieht alle gesellschaftlichen Schichten.

Renate Theissen-Beckmann

Auch der Caritasverband in Ahlen als landesgeförderte Suchtberatungsstelle will mit dem Aktionstag darauf aufmerksam machen, dass es viele Glücksspieler in Ahlen gibt. Im Jahr führt sie 50 Beratungen mit Menschen durch, die dieser Sucht entfliehen wollen. „Vielmals kommen sie auf Druck ihrer Lebenspartner, weil die Sucht häufig die Existenz bedroht“, weiß Renate Theissen-Beckmann , die bei der Caritas als Diplom-Sozialpädagogin für die Selbsthilfe dieser Sucht zuständig ist. Männer betrifft die Sucht wesentlich mehr als Frauen, aber in einer Kategorie sind alle gleich: „Das durchzieht alle gesellschaftlichen Schichten.“ Die Caritas bietet ambulante Therapien an, die in der Regel sechs Monate dauern. Schwere Suchtfälle werden in stationäre Therapien überwiesen, die in der Regel acht Wochen dauern.

Ursprünglich hatte die Caritas angekündigt, ihren Infostand am Bahnhof aufzubauen. Da es dafür kurzfristig keine Genehmigung gab, wurde er ins Caritashaus an der Rottmannstraße verlegt. Dort steht die Beratungsstelle zu den Öffnungszeiten und unter Telefon 89 31 28 zur Verfügung.

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