„Trio Con Abbandono“ eröffnet Kultursaison 2020
Vom Tango Lissabons bis ins russische Schtetl

Ahlen. -

Das „Trio Con Abbandono“ eröffnete am Samstag die Spielzeit 2020/21 und gastierte im Rahmen des Festivals „Celloherbst am Hellweg“ im Haus Sandgathe.

Montag, 12.10.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 15.10.2020, 09:10 Uhr
Entzückten das Publikum im Saal Sandgathe: Be
Entzückten das Publikum im Saal Sandgathe: Be Foto: Dierk Hartleb

Den Ärger über ein verlorenes Geldstück kennt wohl jeder. Ludwig van Beethoven , dessen 250. Geburtstags die Nachwelt in diesem Jahr gedenkt, hat seinem Zorn darüber ein Capriccio gewidmet, dass das „Trio Con Abbandono“ aus Ostwestfalen am Samstagabend im Saal Sandgathe im Rahmen des „Celloherbstes am Hellweg “ mit nach Ahlen gebracht hatte.

Was der geniale Komponist als Klavierstück mit dem Titel „Die Wut über den verlorenen Groschen“ angelegt hat, versetzten Beate Funk (Klarinette), Claudia Quakernack (Akkordeon) und Anne-Lise Atrsaie (Cello) mit eigenen musikalischen Akzenten.

Anfängliche Verblüffung wich Begeisterung

Mit diesem kreativen Umgang mit bekannten Werken machten die knapp 40 Besucher, die Christoph Wessels als Geschäftsführer zum Auftakt der neuen Spielzeit herzlich begrüßte, noch mehrmals an diesem Abend Bekanntschaft, den das Künstlerinnen-Trio mit „Springtime“ überschrieben hatte. So auch bei den „Vier Jahreszeiten“ von Astor Piazolla. Die anfängliche Verblüffung des Publikums, als das Allegro des ersten Satzes Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ erklang, wich der Begeisterung über den typischen Rhythmus, die der Argentinier bei seinen Werken bevorzugte.

Die Reise durch Europa starteten die Künstlerinnen in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, die in den Reisebüros zum Urlaubssehnsuchtsort aufgestiegen ist, mit dem von Peter Ludwig komponierten Tango „Lisboa“. Der deutsche Komponist fängt musikalisch die Stimmung ein, wenn eine Stadt morgens langsam aus leichtem Nebel erwacht.

Die Klingel als Hilfsmittel des „Trios con Abbandono“.

Die Klingel als Hilfsmittel des „Trios con Abbandono“. Foto: Dierk Hartleb

Die nächste Station war Ungarn und die „Ungarische Czardas Fantasie“ von August Nölck. Lebhafte, heiter- beschwingte Passagen wechselten mit ruhigeren ab, in denen auch immer mal wieder Wiener Schmäh durchschimmerte. Bevor es bei Svante Henryson und seinem Stück „Off Pist“ jazz-rockig wurde, intonierten die Akkordeonistin, die Klarinettistin und die Cellistin eine „Klezmer Suite“, die das Konzert mit der typischen Musik der aschkenasischen Juden, angesiedelt zwischen Melancholie und Lebensfreude, bereicherte.

Dass die Besucher die Künstlerinnen mit dem Stück „The Typewriter“ von Leroy Anderson, zu dem sie sich bebrillt ein Sekretärinnen-Outfit zulegten, nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen lassen würden, versteht sich von selbst. Auch das ging nicht ohne natürlich inszenierten Zwist an, wenn die eine auf Tschaikowskys „Schwanensee“ besteht.

Bei ihren leicht komischen Einlagen bewiesen die drei sehr zur Freude des Publikums auch schauspielerisches Talent.

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