Michael Tilly malt
Kleine Steine – großer Hype

Ahlen -

Das ist wahre Leidenschaft: Rund 4500 kleine Steine hat der Ahlener Michael Tilly seit März bemalt und im Stadtgebiet ausgelegt. Für einige von ihnen begann so eine weite Reise.

Donnerstag, 29.10.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 10:56 Uhr
Michael Tilly schickt seine Werke auf Reisen – zum Beispiel in der Langst.
Michael Tilly schickt seine Werke auf Reisen. Foto: Martin Feldhaus

Was haben eine Tangente, Bauelemente und das Rentenalter eigentlich gemeinsam? Nichts? Wenn es nach Michael Tilly geht sogar viel. Denn in allen diesen Wörtern kommt das Wort Ente vor. Ebenso in den Begriffen Kassenterminal und Fragmente. Und genau diese Verbindung zwischen den Wörtern ist es, die den Ahlener dazu bewegt, sie alle auf bunten Steinen zu verewigen, indem er die Ente in die Wörter malt und so sichtbar werden lässt. „Da kann ich meine Fantasie dann sprudeln lassen“, schmunzelt Michael Tilly.

Wetterfest lackiert

So oder so ähnlich hat der 62-Jährige schon viele bunte Steine mit Acrylfarbe bemalt und wetterfest lackiert. Seit er im März dieses Jahres mit dem Bemalen begann, entstanden mittlerweile gut 4500 kleine Steinkunstwerke. Doch wo die jetzt alle sind, weiß er oft gar nicht genau. Denn Michael Tilly legt seine Steinmalerei nicht etwa in die heimische Vitrine, sondern verteilt sie im gesamten Stadtgebiet. Oft in der Langst, im Berliner Park oder im Stadtpark. Ein anderes Mal aber auch in der Fußgängerzone oder auf Stromkästen: Überall in Ahlen sind Tillys kleine Werke mit seiner Signatur „TY“ zu finden.

Immer ein bisschen versteckt, aber nie zu viel – und das bewusst. Michael Tilly geht es nämlich gerade darum, dass seine „Steine von anderen gefunden werden“, die sich dann daran erfreuen können und die Steine dann vielleicht wieder auf eine Reise geben, damit andere sich auch über sie freuen. Eine Idee, die aus den USA kam und mittlerweile in vielen deutschen Städten populär ist, wo sich immer mehr kleine bunte Kunstschätze in der Landschaft verbergen.

4500 kreative Steine auf Reisen

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  • Michael Tilly schickt seine Werke auf Reisen – zum Beispiel in der Langst.

    Foto: Martin Feldhaus
  • Seit März hat er 4500 Steine bemalt und ausgelegt.

    Foto: privat
  • Wer sie findet, darf sie behlten: Die bemalten Steine dürfen ausdrücklich gesammelt werden.

    Foto: Martin Feldhaus
  • Ein-hund-ert Argum-ente - Künstler Michael Tilly lässt beim Gestalten der Steine seine „Fantasie sprudeln“.

    Foto: Martin Feldhaus
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Stein-Kunstwerke von Michael Tilly.

    Foto: Martin Feldhaus
  • Michael Tilly hat seit März 4500 Steine bemalt und ausgelegt

    Foto: Martin Feldhaus
  • Michael Tilly hat originelle Ideen

    Foto: privat
  • Michael Tilly hat originelle Ideen

    Foto: privat
  • Michael Tilly hat originelle Ideen

    Foto: privat
  • Michael Tilly hat originelle Ideen

    Foto: privat
  • Michael Tilly hat originelle Ideen

    Foto: privat

So eben auch hier in Ahlen, wo Michael Tilly einer von vier Administratoren der Facebook-Gruppe „Ahlener Steine“ ist, der mittlerweile über 1500 Menschen angehören. „Im März waren es noch 400“, berichtet Michael Tilly, dass die „Ahlener Steine“ weiterhin stark wachsen. Seit dem Corona-Lockdown im März ist der große Hype um die kleinen Steine ungebrochen.

Wohl auch, weil die Gruppenmitglieder und andere Ahlener bei ihren Spaziergängen immer wieder neue lustige, aufmunternde oder farbenfrohe Steine von Michael Tilly und weiteren Ahlener Steinkünstlern, wie beispielsweise seiner Frau Anke Lummermeier, finden.

Ich habe einfach so viele Ideen, die raus müssen.

Michael Tilly

Die ausgelegen Steine sind dabei äußerst vielfältig und warten immer wieder mit neuen überraschenden Motiven oder lustigen Sprüchen auf. Grenzen der Fantasie? Gibt es nicht! So hat Michael Tilly, der seit seiner Schulzeit gerne Comics malt, unter anderem schon einige Comic-Szenen auf Stein gemalt. Weitere Motive sind markante Bilder von berühmten Filmen wie „Das Boot“ und „Die Maske“ oder ein Motiv des von Tilly in Stein umgewandelten Märchens „Die Bremer Steinmusikanten“. Gerne legt er auch ganze Serien auf, wie Wörter, in denen die oben genannte Ente, ein Hut („Ich nehme meinen Hut“ oder „Hüter des Gesetzes“) sowie ein Herz vorkommen.

„Ich habe einfach so viele Ideen, die raus müssen“, beschreibt der kreative Kopf seinen Antrieb. Manchmal kommen ihm diese Ideen einfach ganz beiläufig in den Sinn. Zum Beispiel dann, wenn er im eigenen Auto eine Abkürzung liest und daraus eine ganze Serie von Steinen mit Abkürzungen resultiert. Er sorgt für Steine, die viele Ahlener begeistern und zur gezielten Suche animieren.

Gruppe „Ahlener Steine“

„Wenn man so einen bunten Stein sieht, kommt sofort so eine Vorfreude auf“, erklärt Alina Feldhaus, die regelmäßig mit ihrem Sohn Miron in der Langst spazieren geht und dort immer mal wieder Kunstwerke von Michael Tilly findet. Die entsprechenden Steine fotografiert sie dann, teilt das Foto in der Gruppe „Ahlener Steine“, nimmt sie manchmal mit und legt sie früher oder später irgendwo neu aus. Manchmal auch in anderen Städten, wie zum Beispiel bei ihrem Bruder in Bad Waldliesborn. Für die Steine kann das der Beginn einer spannenden Reise sein.

„Einige meiner Steine sind schon auf Fehmarn oder Borkum aufgetaucht“, berichtet Michael Tilly von Gastgeschenken der Ahlener Urlauber für beliebte Urlaubsinseln. Auch auf der Mauer der Möhnetalsperre ist schon ein Tilly-Stein gelandet. Andere „Ahlener Steine“ von anderen Gruppenmitgliedern haben es beispielsweise auf den Kahlen Asten geschafft. Davon erfahren die Gruppenmitglieder dadurch, dass der Finder den Verwies auf ihre Facebook-Seite findet und dort dann ein Foto vom jeweiligen Stein postet.

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