Unterdeckung im Corona-Jahr
BMA: Von Trauerhallen verabschieden

Ahlen -

Alle Trauerhallen in Ahlen schließen, nur weil sie im Corona-Jahr nicht kostendeckend ausgelastet waren? BMA-Mann Rolf Leismann fand für seinen Vorstoß im Betriebsausschuss deutliche Worte. Im Friedwald gebe es auch keine Trauerhalle.

Mittwoch, 28.10.2020, 15:48 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 18:19 Uhr
Die Trauerhalle am Westfriedhof. Die Instandsetzung des Daches schlägt im nächsten Jahr mit 25 000 Euro zu Buche. BMA-Vertreter Rolf Leismann wagte im Betriebsausschuss den Vorstoß, alle Trauerhallen zu schließen.
Die Trauerhalle am Westfriedhof. Die Instandsetzung des Daches schlägt im nächsten Jahr mit 25 000 Euro zu Buche. BMA-Vertreter Rolf Leismann wagte im Betriebsausschuss den Vorstoß, alle Trauerhallen zu schließen. Foto: Ulrich Gösmann

Die städtischen Trauerhallen brachten Rolf Leismann am Montagabend in der Sitzung des Betriebsausschusses in regelrechte Abschiedsstimmung: „Gänzlich schließen!“ forderte der BMA-Vorsitzende.

Corona und die Kontakteinschränkungen: Sie führten im Frühjahr zu einer vorübergehenden Schließung der Trauerhallen. Abschied nur im kleinsten Kreis – außerhalb. Und auch nach Öffnung bleibt Zurückhaltung, was Auswirkungen auf die Gebührenkalkulation hat. 260 Nutzungen waren zugrundegelegt worden. Mit 150 Fällen sei nur noch zu rechnen, informieren die Ahlener Umweltbetriebe in ihrer Verwaltungsvorlage. Es werde daher zu einer erheblichen Diskrepanz zwischen Soll- und Ist-Zahlen kommen – mit der Folge einer beträchtlichen Unterdeckung. Diese könnte grundsätzlich in den kommenden Jahren eingeholt werden, was zu einer Gebührenerhöhung führen würde und kontraproduktiv sei. Da ein Ende der Pandemie nicht abzusehen ist, sehen sich die Umweltbetriebe nicht in der Lage, eine vernünftige Kalkulation für das nächste Jahr zu erstellen. „Würde man für 2021 mit deutlich geringeren Fallzahlen kalkulieren, würde sich bei einer gleichbleibenden Kostenentwicklung die Gebühr stark erhöhen. Das wiederum würde zukünftige Nutzer abschrecken und – so die Befürchtung – die Preisschraube weiter nach oben drehen. Die Umweltbetriebe empfehlen daher, die Kalkulation für 2021 auszusetzen. Verluste aus beiden Jahren sollten bei der Stadt im allgemeinen Haushalt bleiben. Die umzulegenden Kosten beliefen sich für 2021 auf rund 60 000 Euro. Zuzüglich 25 000 Euro für die Instandsetzung des Daches der Trauerhalle auf dem Westfriedhof. Die Nutzungsgebühr wird in der Vorlage mit 210 Euro beziffert.

Gänzlich schließen!

Rolf Leismann

„Wie will man mit der Nutzung der Trauerhallen künftig insgesamt umgehen?“ warf Rolf Leismann fragend in den Raum – und lieferte die Antwort in aller Klarheit gleich mit, die einige Ausschussmitglieder die Luft anhalten ließ: „Gänzlich schließen!“ Um Unterdeckung auszugleichen. Betroffene Familien könnten die Aufbewahrungsstätten bei ihren Bestattern nutzen. Und: „Im Friedwald gibt es auch keine Trauerhallen.“

Andreas Schröter , Leiter Finanz- und Rechnungswesen bei den Ahlener Umweltbetrieben, reagierte: „Bis zu diesem Jahr hatten wir eine kostendeckende Auslastung.“ Um über die Zukunft der Trauerhallen zu sprechen, dafür gebe es die Friedhofskommission.

BMA-Vertreter Rolf Leismann ging in die Offensive.

BMA-Vertreter Rolf Leismann ging in die Offensive. Foto: Ulrich Gösmann

„Ich verweise auf das Wetter. Auf Beerdigungen im Winter und bei Regen“, gab Schröter zu bedenken. Zudem böten Bestatter keine Hallen in dieser Größe an. Der Bedarf sei durchaus gegeben.

Ausschussvorsitzender Joachim Rabe (CDU) sah das Thema in der Zuständigkeit der Friedhofskommission. An­dreas Schröter stellte klar, dass auch im Falle einer Schließung Abschreibungskosten zu leisten seien.

„Es ist ein Thema“, erklärte Bernd Meiwes (SPD). Eine Einschätzung der Situation sei zurzeit ganz schwierig. „Einfach sagen, wir schließen, so einfach ist die Sache aber nicht.“

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