Satzung für den neuen Wertstoffhof
Biotonne oder Betriebshof: Wohin mit welchem Grün?

Ahlen -

Welches Gartengrün gehört in die Biotonne, welches darf zum Wertstoffhof? Der Betriebsausschuss stolperte in angeregter Diskussion über Sonnenblumen und Hortensien. Und über einen Nachbarn, der Heiligabend seinen Rasen mäht.

Mittwoch, 28.10.2020, 20:30 Uhr
Probelauf im Frühsommer am Ostberg. Auch nach der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Wertstoffhofes setzen die Umweltbetriebe in einer einjährigen Probephase auf weitere Erfahrungen.
Probelauf im Frühsommer am Ostberg. Auch nach der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Wertstoffhofes setzen die Umweltbetriebe in einer einjährigen Probephase auf weitere Erfahrungen. Foto: Ulrich Gösmann

Mit seinen verwelkten Sonnenblumen sei er gerade erst am alten Wertstoffhof abgeblitzt. Und auch mit seinem Hortensien-Schnitt. Rasen sei aber gegangen. Ralf Marciniak ( CDU ) zeigte sich in der Sitzung des Betriebsausschusses am Montagabend irritiert. Auch andere hatten ihre Probleme mit der Definition: Was ist Grünabfall? Und: Wo gehört was hin? Der Satzung für den Betrieb des neuen Wertstoffhofes stimmte das Gremium am Ende dann aber doch – bei drei Enthaltungen – zu. Das wiederum unter der Option eines einjährigen Probebetriebs.

Marciniaks welke Sonnenblumen fanden am Ende den ordnungsgemäßen Weg in die eigene Biotonne. Die Botschaft hatte er samt Blumen mit nach Hause genommen. „Die Kollegen haben alles richtig gemacht“, klärte Bernd Döding , Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, auf. Strauchschnitt gehöre in die Biotonne. Das sei nicht neu.

Wir wollen die Mitarbeiter nicht überlasten.

Rolf Leismann

Rolf Leismann (BMA) störte sich an den saisonalen Öffnungszeiten des neuen Wertstoffhofes, der in Kürze am Ostberg an den Start geht. BMA-Antrag sei es gewesen, in den Sommermonaten von Anfang April bis Ende Oktober länger zu machen. Donnerstags ist dann zwei zusätzliche Stunden bis 18 Uhr geöffnet, samstags weitere zwei bis 16 Uhr. Jetzt lese er, dass schon einen Monat früher zum 1. März auf Sommerzeit umgestellt werde – und einen Monat länger bis Ende November. „Das entspricht nicht unserer Antragsstellung“, monierte Leismann. „Wir wollen die Mitarbeiter nicht überlasten.“ Im März sei wohl kaum mit Rasenschnitt zu rechnen, wahrscheinlicher aber mit Schnee. Er schlage eine entsprechende Satzungsänderung vor. „Da sind wir ganz offen,“ reagierte Bernd Döding. Er warb für eine Probephase, in der ganz genau geschaut werde, inwieweit sich alles bewähre.

Wären unsere Gebühren kostendeckend, würde kein Mensch mehr Abfälle bei uns abgeben

Andreas Schröter

Leismann rieb sich in einem weiteren Einwand an den Gebühren auf Grundlage der AWG-Kosten. Warum nicht eine eigene Kalkulation? Bernd Döding winkte ab. Die Vereinheitlichung solle verhindern, dass sich Bürger ins Auto setzen und alles nach Ennigerloh bringen. Das fördere den sogenannten Abfalltourismus. Andreas Schröter, Leiter Finanz- und Rechnungswesen, legte nach: „Wären unsere Gebühren kostendeckend, würde kein Mensch mehr Abfälle bei uns abgeben.“

Heinrich Artmann (FWG) knüpfte seine Erwartung an den neuen Wertstoffhof, dass es selbstverständlich sein sollte, hier alles loszuwerden. Karl-Heinz Meiwes (SPD) sah in der Satzung viel Raum für Fehlinterpretationen. Sie sei nicht klar formuliert. Sie müsse selbsterklärend sein. Für ihn unverständlich: „Stauden, die blühen, gehören in die Biotonne. Der Strauch daneben zum Betriebshof. Das erklär` mal einem.“ Ausschussvorsitzender Jochen Rabe nickte zustimmend: Die Grünschnitt-Anlieferung müsste deutlicher erklärt sein.

Geben Sie uns Zeit, ein Jahr drüber zu schauen.

Bernd Döding

„Geben Sie uns Zeit, ein Jahr drüber zu schauen“, warb Döding für eine Probephase, die Rolf Leismann veranlasste, seinen Änderungsvorschlag unter dieser Option zurückzuziehen.

Ralf Marciniak beendete die Diskussion mit einer Anekdote aus Nachbars Garten: Dort sei sogar noch an Heiligabend der Rasen gemäht worden. Vielleicht liege man mit der Ausweitung der Sommerzeiten vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels ja gar nicht so verkehrt.

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