Projektsteurer Wertstoffhof erstattet Bericht
Bei 26,6 Millionen Euro soll der Deckel drauf

Ahlen -

Warum ist der neue Baubetriebshof so viel teurer geworden? Burkhard Sasse stand im Betriebsausschuss Rede und Antwort.

Mittwoch, 28.10.2020, 18:39 Uhr
Teurer als einst geplant: der neue Wertstoffhof. Im Betriebsausschuss erläuterte Burkhard Sasse, warum es zu einer Kostenexplosion kam.
Teurer als einst geplant: der neue Wertstoffhof. Im Betriebsausschuss erläuterte Burkhard Sasse, warum es zu einer Kostenexplosion kam. Foto: Ulrich Gösmann

„Ich bitte die Geschäftsleitung, auf die Entlastung jetzt zu verzichten.“ Doch die Mehrheit des Betriebsausschusses folgte der Bitte des FWG-Vorsitzenden in der Sitzung am Dienstag nicht, nachdem Kämmerer Dirk Schlebes nach Rücksprache mit Rechtsdirektorin Gabriele Hoffmann versichert hatte, dass eine Entlastung der Betriebsleitung für 2019 einer möglichen späteren juristischen Überprüfung der Kostenexplosion beim Wertstoffhof nicht im Wege stehe.

Artmanns Unmut

Die Antwort reichte Heinrich Artmann aber nicht und er bekundete seinen Unmut darüber, dass die Kosten für die Projektsteuerung von ursprünglich 260 000 auf über eine halbe Millionen Euro gestiegen seien. Mit seiner Bitte, die er ausdrücklich nicht als Antrag verstanden wissen wollte, wolle er kein Misstrauen gegenüber der Betriebsleitung ausdrücken. BMA-Vertreter Rolf Leismann sprang Artmann bei, unterlag aber in der Abstimmung über die anschließend von der Mehrheit des Betriebsausschusses erteilte Entlastung.

Nach diesem Vorgeplänkel bei der Beratung der Tagesordnung war die Bahn für Burkhard Sasse , Geschäftsführender Gesellschafter des 3 S Ingenieurbüros in Bremen, frei. Der Projektsteurer präsentierte eine unleserliche tabellarische Darstellung der kalkulierten Kosten und die Abrechnungen.

Als Begründung für die Kostensteigerungen des 2016 mit 16,65 Millionen Euro projektierten Wertstoffhofs – drei Jahre zuvor war man noch von 12,2 Millionen Euro ausgegangen – nannte Burkhard Sasse verschiedene Gründe. So hätten sich die Kosten für die Bereitstellung des Grundstücks durch den verstärkten Einsatz der Kampfmittelräumer der Bezirksregierung verteuert, weil das Gelände mit Altlasten verseucht gewesen sei. Bei Erdarbeiten waren Bauarbeiter auf sieben Flüssigkeitsbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen.

Allgemeiner Bauboom

Erheblich verteuert habe sich das Projekt auch durch den allgemeinen Bauboom, führte Burkhard Sasse weiter aus. So habe man in mehreren Fällen die Ausschreibungen aufheben müssen, weil keine Angebote eingegangen seien. Zum anderen hätten die Angebote auch deutlich über den Vorgaben gelegen. Mit der Folge, dass die Verwaltung im September 2018 dem Betriebsausschuss eine Kostenverteuerung von 1,09 Millionen Euro vorlegte und zugleich darauf hinwies, dass damit vermutlich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sei.

Als Kostentreiber habe sich nicht zuletzt der nachträglich gefasste Beschluss erwiesen, das Gebäude um ein viertes Stockwerk zu ergänzen. Der Unternehmer habe seinerzeit darauf hingewiesen, dass es dafür nicht mehr den gleichen Stahl gebe. Auch die dadurch eingetretene Verlängerung der Bauzeit von zwei Jahren habe sich kostensteigernd ausgewirkt, so dass man heute bei 26,6 Millionen Euro stehe. „Das ist die maximale Summe“, betonte Sasse.

Mängelbeseitigung ohne Zusatzkosten

Ob darin auch die notwendige Mängelbeseitigung enthalten sei, wollte Rolf Leismann wissen. Mängel werde man im Rahmen der Gewährleistung ohne zusätzliche Kosten abarbeiten, versicherte Sasse.

„Ich habe mich immer gut informiert gefühlt“, stellte Karl-Heinz Meiwes (SPD) mit Blickrichtung auf die Kritiker fest. Über alle Kostensteigerungen sei der Betriebsausschuss immer unterrichtet worden.

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