Prüfung der Hochwasserschutzanlagen
Schafherde hält Pflanzenwuchs niedrig

Ahlen -

Sind die Drosselbauwerke noch standhaft und die Regenrückhaltebecken ok? Ja, sind sie. Die Untere Wasserbehörde des Kreises ist zufrieden.

Mittwoch, 11.11.2020, 14:52 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 15:00 Uhr
Prüfung der Hochwasserschutzanlagen: Schafherde hält Pflanzenwuchs niedrig
Foto: Stadt Ahlen

Christiane Vogel von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Warendorf gibt sich keinen Illusionen hin: „Vor einem großen Starkregenereignis kann man sich nicht schützen.“ Unfassbar groß seien die Regenmengen, die wolkenbruchartig in manchen Orten verheerende Wirkung zeigten. „Dann schießen mal eben auf kleiner Fläche und in kürzester Zeit eine halbe Million Kubikmeter Wasser durch die Rückhalteeinrichtungen.“ Fluten, die keines der in der Regel für 100-jährige Hochwasser ausgerichteten Becken aufnehmen kann.

Stadt hat aufgerüstet

Gleichwohl hat die Stadt Ahlen nach dem Hochwasser im Jahr 2001 mächtig aufgerüstet, um zumindest gegen herkömmliche Niederschlagsereignisse gut gewappnet zu sein. Zusammen mit ihrer Kollegin Kristina Becker inspizierte Christiane Vogel jetzt die Hochwasserschutzanlagen in Ahlen. Ergebnis der jährlich stattfindenden Begehung durch die Aufsichtsbehörde: „So sauber und gepflegt haben wir die Becken schon lange nicht mehr gesehen.“ Die Anlagen, so Christiane Vogel, seien sehr gut unterhalten.

Besonderes Augenmerk verdienen die Drosseleinrichtungen bei den gemeinsam mit den Ahlener Umweltbetrieben (AUB) erfolgenden Überprüfungen. Wie die Mauer einer Talsperre halten Drosselbauwerke einschießendes Wasser zurück und leiten es kontrolliert und reduziert in die Gewässer oder städtischen Kanäle. „Das System schützt uns vor Überlasten, die ansonsten in die Keller fließen könnten“, erklärt stellvertretender Umweltbetriebsleiter Robert Reminghorst .

Die Anlagen sind Heimstätte für Kleintiere, die Ruhe mögen.

Die Anlagen sind Heimstätte für Kleintiere, die Ruhe mögen. Foto: Stadt Ahlen

Die Mauern werden auf Standsicherheit und abgeplatzte Fugen abgeklopft, Böschungswälle und Deiche auf Löcher untersucht. Denn nicht nur Wind und Wetter machenden Anlagen zu schaffen. „Kleine Wühler und Nagetiere fühlen sich sehr angezogen“, fürchtet Robert Reminghorst Plagegeister, die hohle Gänge hinterlassen und Dämme in einen Schweizer Käse verwandeln würden, ließe man sie ungestört ihr Werk verrichten. Gerngesehene Untermieter sind hingegen Amphibien und Vögel, die die Biotope als ruhige Rückzugsorte schätzen.

Hohe Aufwendungen für Unterhalt

Einen „im unteren sechsstelligen Bereich“ liegenden Betrag wendet die Stadt Ahlen Jahr für Jahr für den Unterhalt von sieben Hochwasserschutzanlagen und 15 Regenrückhaltebecken auf. Gemauerte Stauwände sollen ab kommendem Jahr sukzessive durch Stahlbetonbauwerke ersetzt werden. „Die sind weniger anfällig, dafür günstiger und nachhaltiger in der Erhaltung“, so Robert Reminghorst.

Unterstützung kommt auch von einem heimischen Schäfer, dessen Herde demnächst den Pflanzenwuchs niedrig hält. „Ist ein Becken abgegrast, zieht sie weiter zum nächsten“, was Teil des neuen AUB-Pflegekonzepts sei. Die Methode sei nicht nur ökologisch, sondern auch höchst praktisch. Wie man es von den Deichen an der Nordsee kennt, verdichten Schafe mit ihren Hufen den Boden und sorgen so automatisch für stabilen Untergrund.

Hochwasserschutz, darauf legen Christiane Vogel und Robert Reminghorst großen Wert, sei mehr als das, was Umwelt- und Wasserbehördensichtbar leisten. „Er fängt schon am eigenen Haus an“, so Christiane Vogel. Rückschlagklappen an den Hausanschlüssen seien sehr gut geeignete Instrumente, damit Wasser aus übervollen Kanälen nicht in die Gebäude fließt und große Schäden anrichtet.

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