Sexuelle Nötigung
Bewährungsstrafe für reuigen Täter

Ahlen -

Zu viel getrunken und danach in sexuelle Handlungen verwickelt, die in eine Körperverletzung mündeten: Ein 30-jähriger Ahlener musste sich deswegen vor dem Schöffengericht verantworten. Doch die Erinnerungen an den Abend waren bei ihm nur bruchstückhaft vorhanden.

Mittwoch, 18.11.2020, 08:38 Uhr
Das Amtsgericht in Ahlen.
Das Amtsgericht in Ahlen. Foto: Christian Wolff

Wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung musste sich am Dienstag ein 30-jähriger Ahlener vor dem Schöffengericht verantworten. Verurteilt wurde er zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldbuße von 1000 Euro.

Nur fragmentarische Erinnerungen

Ende April hatte sich eine kleine Gruppe junger Leute zu einem feuchtfröhlichen Grillfest in Ahlen getroffen. Dabei hatte sich der Gastgeber so betrunken, dass er den Abend nur noch sehr ungenau beschreiben konnte. Die ihm vorgeworfenen Taten räumte er jedoch ein. „Leider kann ich mich nur sehr fragmentarisch erinnern, doch ich fürchte, es ist so gewesen“, bestätigte er die Anklageschrift. Darin warf ihm der Staatsanwalt sexuelle Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung vor.

Recht flüssig schilderte der Angeklagte den Ablauf des ersten Teils des Abends. Mit seiner Freundin hatte er eine Grillparty geplant. Ein Pärchen hatte kurzfristig abgesagt. „Ich rief darauf meinen Freund aus Telgte an, er solle noch jemanden mitbringen“, sagte der 30-Jährige aus. Als die neuen Gäste, ein 23-jähriger Mann aus Telgte und dessen gute Bekannte, eintrafen, hatte der Angeklagte dem Alkohol bereits stark zugesprochen. Man verstand sich gut, auch die beiden Frauen kamen gut miteinander aus.

Trinkspiel führte zu weiterem Alkoholkonsum

„Wir tranken zuerst Bier und dann auch Wodka“, führte die Geschädigte aus. Langsam seien die Hemmungen gefallen. „Irgendwann kam die Idee auf, die Jungs sollten sich ausziehen“, gab die 20-jährige Freundin des Angeklagten an. Ein Trinkspiel habe zu weiterem Alkoholkonsum geführt. Das sei ihr zuviel geworden. Sie sei mit ihrem Freund aus dem Zimmer gegangen, um sich zu verabschieden.

In der Zwischenzeit sei er mit seiner Bekannten intim geworden, berichtete der Telgter. Als der mittlerweile stark alkoholisierte Gastgeber wieder ins Zimmer zurückkam, soll er sich zu dem Paar gelegt haben. „Er tat mir weh und ich schob seine Hände weg“, erinnerte sich die Geschädigte. Doch der Gastgeber habe laut Zeugenaussagen seine sexuellen Annäherungsversuche wiederholt. Erst als der Freund aus Telgte ihn nachdrücklich aufforderte, das zu unterlassen, habe er sich zurückgezogen. Die Geschädigte gab an, dass es mit beiden Männern zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Das jedoch verneinte der Telgter.

Prozess mit Tränen in den Augen verfolgt

Der Angeklagte entschuldigte sich während der Verhandlung mehrfach bei dem Opfer und verfolgte den Prozess zum Teil mit Tränen in den Augen. „Ob es zu mehr als nur Berührungen gekommen ist oder nicht, lässt sich hier nicht feststellen“, resümierte der Staatsanwalt. Augenscheinlich seien jedoch die erheblichen Blutergüsse auf den Fotos der Gerichtsmedizin, die auf starke Einwirkung hinwiesen.

Wegen der großen Reue des Angeklagten und der guten Sozialprognose wurde die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

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