Städtisches Gymnasium
„Wut im Bauch“ über Vorurteile und Ignoranz

Ahlen -

Zwei eindrucksvolle und erschütternde Projekte zum Thema NSU gab es jetzt im Städtischen Gymnasium.

Donnerstag, 19.11.2020, 15:00 Uhr
Der Autor und Arzt Tuğsal Moğul (l.) berichtete in einem Gespräch mit den beiden Schülervertretern Laura Abramczyk und Julius Knaup über sein Theaterstück „Auch Deutsche unter den Opfern“, das die NSU-Morde aufgreift.
Der Autor und Arzt Tuğsal Moğul (l.) berichtete in einem Gespräch mit den beiden Schülervertretern Laura Abramczyk und Julius Knaup über sein Theaterstück „Auch Deutsche unter den Opfern“, das die NSU-Morde aufgreift. Foto: Ralf Steinhorst

Mit gleich zwei Veranstaltungen der Schülervertretung setzten sich Schüler des Städtischen Gymnasium in dem Projekt „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ auseinander. Zum einen wurde die gleichnamige Ausstellung organisiert, zum anderen führten die Schülervertreter Laura Abramczyk und Julius Knaup vor Oberstufenschülern ein Gespräch mit Tuğsal Moğul , der das Theaterstück „Auch Deutsche unter den Opfern“ geschrieben hatte.

„Die Opfer der NSU“

Die Ausstellung „Die Opfer der NSU“, wurde in den Jahren 2012 und 2013 von Birgit Mair im Auftrag des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) erstellt und seitdem bundesweit 200 Mal gezeigt. In der Führung durch die Ausstellung wurde den Mittel- und Oberstufenschülern die Biografien der zehn Ermordeten vermittelt, zudem wurden die Verbindungen neonazistischer V-Leute des Verfassungsschutzes mit den Angeklagten im NSU-Prozess skizziert. Auch die Frage, warum die Mordserie lange nicht aufgedeckt wurde, war Bestandteil der Führung, die zu großer Betroffenheit bei den Jugendlichen führte. „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei uns geschehen konnte“, fasste ein Schüler seine Eindrücke in Worte.

Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei uns geschehen konnte.

ein Schüler

Die NSU-Verbrechen behandelt auch das Theaterstück „Auch Deutsche unter den Opfern“, das der diplomierte Schauspieler und Regisseur Tuğsal Moğul schrieb. Tuğsal Moğul wurde in Neubeckum geboren. Im Fokus seines Stücks stehen dabei die Ermittlungen und der Umgang mit den Angehörigen der Opfer sowie die vielfältigen Ermittlungsfehler von Polizei und Verfassungsschutz. Dabei blieb das Erstarken des allgemeinen Rassismus und der rechten Szene als Thema nicht außen vor.

Netzwerke nicht harmlos

Tuğsal Moğul, der auch als Arzt in einem Krankenhaus tätig ist, beschäftigt sich zudem mit der Frage, ob die Ermittlungen anders gelaufen wären, wenn die Opfer keinen Migrationshintergrund gehabt hätten. „Es war Wut in meinem Bauch, die sich seit Jahren angestaut hatte“, verdeutlichte der Autor, dass er mit dem Theaterstück der Gesellschaft eine Stimme geben wolle, die nicht verstehen kann, warum so viele Vorurteile und Ignoranz in den NSU-Ermittlungen steckten. Er selbst hatte in den ersten Monaten einige Prozesstage in München besucht und auch die weitere Entwicklung intensiv beobachtet. Er warnte davor, immer nur von Einzeltätern zu sprechen und damit Netzwerke und Ideologien zu verharmlosen. Opfer rechter Gewalttaten seien auch Menschen mit Behinderungen und Obdachlose. Tuğsal Moğul erzählte auch, dass es aufgrund seines türkischen Migrationshintergrunds immer wieder zu Situationen kommt, in denen er als Arzt diskriminiert wird.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7685220?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker