Medizinische Versorgung
„Fünf vor zwölf“: BMA befürchtet Ärztemangel

Ahlen -

Die Bürgerliche Mitte Ahlen (BMA) bekräftigt ihre Forderung, verwaltungsseitig die Möglichkeiten zur Errichtung eines kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) zu prüfen und umgehend eine Bedarfsplanung für die ärztliche Versorgung in der Wersestadt bis 2031 zu erstellen.

Freitag, 20.11.2020, 07:00 Uhr
Ahlen habe schon jetzt zu wenig
Ahlen habe schon jetzt zu wenig Foto: dpa

Einen entsprechenden Antrag hatte die BMA bereits am 10. August gestellt. Dieser kam in der Ratssitzung am 10. September zum Aufruf und wurde zur weiteren Beratung an den zuständigen Fachausschuss überwiesen. Das ist der Ausschuss für Soziales, Familie, Frauen und Senioren. Für dessen nächste Sitzung am 24. November ist das Thema auf die Tagesordnung gesetzt worden.

So weit, so gut. BMA-Fraktionschef Matthias Bußmann registriert jedoch „mit Verwunderung“, wie er den Bürgermeister jetzt schriftlich wissen lässt, dass die Verwaltung dem Ausschuss lediglich eine Mitteilungsvorlage „zur Kenntnisnahme“ präsentieren will. „Erwartet hatten wir eine Beschlussvorlage, die in die übliche Beratungsfolge einfließt, um dann letztlich im Rat entschieden zu werden“, so Bußmann.

Ihren Antrag hatte die BMA mit einem drohenden Ärztemangel in Ahlen begründet. Zahlreiche Hausarztpraxen seien in den letzten fünf Jahren geschlossen worden, fast die Hälfte der verbliebenen Hausärzte sei älter als 60 Jahre, finde aber keine Nachfolger. Ein kommunales MVZ könnte für junge Mediziner, die die Selbstständigkeit scheuen, ein Anreiz sein, sich in Ahlen niederzulassen und nicht in Großstädte abzuwandern.

Viele Ahlener haben heute bereits Probleme, einen Hausarzt zu finden.

Matthias Bußmann

Bezüglich der Bedarfsplanung für die medizinische Versorgung verweist die Verwaltung in ihrer Vorlage auf die Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und fügt im Anhang noch einmal die Präsentation zu einem Vortrag an, den ein Vertreter der KVWL im Juni 2019 im Sozialausschuss zur Lage der Versorgung mit Haus- und Fachärzten in Ahlen gehalten hatte. Die Kernaussage damals war, dass der Versorgungsgrad bei etwas mehr als 100 Prozent liegt, die Altersstruktur der Ärzteschaft jedoch im Blick zu behalten sei.

Damit, so Matthias Bußmann, schieße sich die Verwaltung „eigentlich ein Eigentor“. Denn die Präsentation enthalte einen Zeitstrahl, der im Dezember 2020 ende. Die darin aufgezeigten Aufgaben habe der Fachbereich anscheinend bis heute nicht angepackt. „Faktisch“, hält der BMA-Fraktionschef und Apotheker fest, „hat sich die hausärztliche Versorgung in unserer Stadt immer weiter verschlechtert. Viele Ahlener haben heute bereits Probleme, einen Hausarzt zu finden.“

Bußmann weiter: „Es ist fünf vor zwölf! Die Fraktion der BMA ist nicht damit einverstanden, dass dieser wichtige Antrag mit einer Mitteilungsvorlage ,erschlagen‘ und aus der Beratungsreihenfolge herausgenommen wird. Hier soll die Politik mit dieser Vorlage ruhig gestellt werden, indem man das Problem ignoriert und sich darauf ausruht, angeblich nicht zuständig zu sein.“

In Ermangelung eigener Kompetenzen, merkt Bußmann an, könnte die Verwaltung externe fachliche Hilfe in Anspruch nehmen, wie das für andere Bereiche der Daseinsfürsorge, etwa der Radverkehrsplanung, auch schon getan worden sei.

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