Offene Jugendarbeit im Lockdown
Unterwegs auf digitalen Wegen

Ahlen -

Die, die bei der Stadt für die Jugendarbeit zuständig sind, mussten in den vergangenen Monaten kreativ sein. Schließlich soll der Kontakt zu den Kids nicht abbrechen.

Montag, 23.11.2020, 17:30 Uhr
Immer noch vor Ort, aber mittlerweile auch einfach digital mit Kindern und Jugendlichen
Immer noch vor Ort, aber mittlerweile auch einfach digital mit Kindern und Jugendlichen Foto: Martin Feldhaus

Juk-Haus und Jugendzentrum Ost sind – zumindest weitgehend – geschlossen. Klassische Formen der offenen Jugendarbeit sind derzeit nicht denkbar. Ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken? Nicht für die Einrichtungen der offenen Jugendarbeit in Ahlen. Denn die bleiben trotz des neuerlichen Lockdowns seit Anfang November mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt und bewegen sich dabei auf neuen, digitalen Wegen.

„Wir mussten einfach kreativ werden“, erinnert sich Markus Beckmann , bei der Stadt Ahlen zuständig für die Kinder- und Jugendförderung, an die Situation im März dieses Jahres. Und wie gehen wir jetzt damit um? Diese Frage stellten sich alle Akteure der Jugendarbeit, als aufgrund der Corona-Pandemie sämtliche Einrichtungen geschlossen wurden. „Die offene Jugendarbeit nicht öffnen zu können, das war eine völlig unbekannte Situation“, bringt es Juk-Haus-Leiter Urim Kodzadziku auf den Punkt.

Instagram und TikTok

Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, wurden die Jugendarbeiterinnen und -arbeiter aktiv und entwickelten neue Formen und Wege der Jugendarbeit: So bedienten die Einrichtungen soziale Medien wie Instagram oder die Videoplattform TikTok, um mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.

Analoge Formen der Jugendarbeit verlagerten sich ganz oder teilweise ins Digitale. Beispielsweise organisierte Sibylle Kordes vom Jugendzentrum Ost jeden Tag einen kleinen Wettbewerb, bei dem unter anderem zu Hause Rätsel gelöst werden mussten. Graffiti-Contests und kleine Videos rundeten das Angebot ab. „Das Altbekannte in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen neu zu entdecken, war ein Prozess“, erinnert sich Stefan Spreehe.

Wir mussten da erst mal jede Menge Druck aus dem Kessel nehmen.

Stefan Spreehe

Ein weiterer Baustein war dabei auch eine Telefon-Hotline, an die sich der Ahlener Nachwuchs mit allen Sorgen und Problemen wenden konnte. „Wir mussten da erst mal jede Menge Druck aus dem Kessel nehmen“, blickt Stefan Spreehe zurück. Wie verhalte ich mich angesichts der Pandemie richtig? Und wie gestalte ich ohne Schule und Freizeitangebote meinen Tagesablauf? Fragen, die seinerzeit im Vordergrund standen. „Den jungen Leuten fehlte die gesamte Tagesstruktur“, blickt Markus Beckmann zurück.

Anders war die Jugendarbeit dann auch nach der schrittweisen Öffnung der Einrichtungen unter strengen Hygieneauflagen ab Anfang Juni. Anders, aber nicht unbedingt schlecht. „Durch die kleineren Gruppengrößen konnte man sich viel intensiver um einzelne Kinder kümmern“, sagt Markus Beckmann. Die Bedürfnisse Einzelner seien besser zur Geltung gekommen. Auch in den kleineren Formaten der Ferienspiele im Sommer und Herbst.

Prozesse und Erfahrungen, von denen die Einrichtungen nun, im zweiten Teil-Lockdown seit Anfang November, profitieren.

Für den Nachwuchs stets ein offenes Ohr

„Wir haben jetzt schon eine gewisse Basis“, sagt Urim Kodzadziku. Es zeige sich gerade jetzt, dass die offene Jugendarbeit auch wirklich dynamisch ist. So habe es beispielsweise Kaffeerunden gegeben, die sich zunächst digital bildeten, dann vor Ort stattfanden und jetzt wieder digital sind.

Neben den verschiedenen digitalen Angeboten sind die Mitarbeiter aktuell weiterhin auch in den Einrichtungen präsent und haben für den Nachwuchs stets ein offenes Ohr. Zudem steuern sie auch gezielt die Treffpunkte in den Stadtteilen an, an denen sich die Jugendlichen aufhalten, so dass man in Kontakt bleibt.

Und nach dem Lockdown? Wird die Jugendarbeit nicht mehr die Gleiche sein wie zuvor. Insoweit sind sich die Akteure einig. „Die Jugendlichen nutzen die digitalen Kommunikationswege ja weiter“, erklärt Stefan Spreehe. „Die Digitalisierung ist ein Steckenpferd für die Zukunft der Jugendarbeit und hier sind wir jetzt deutlich breiter aufgestellt“, pflichtet ihm Markus Beckmann bei. Durch das Coronavirus habe sich die offene Jugendarbeit somit zwar nicht revolutioniert, aber doch reformiert.

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