Museumsleitungen über die Lockdown-Verlängerung
„Wir müssen lernen zu improvisieren“

Ahlen/Hamm/Beckum/Telgte -

Es wird nicht leichter für die Museen und Kultureinrichtungen in diesen Tagen. Das machen die Statements von vier Museumsleitungen und dem Co-Vorsitzenden des Kunstvereins deutlich.

Samstag, 28.11.2020, 15:32 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 11:46 Uhr
Ein leeres Haus zurzeit: das Kunstmuseum in Ahlen.
Ein leeres Haus zurzeit: das Kunstmuseum in Ahlen. Foto: Kunstmuseum

Die Verlängerung des zweiten Lockdowns hat die Museen hart getroffen. Die Redaktion hat einige Leiter nach den konkreten Konsequenzen gefragt.

Dr. Martina Padberg, Künstlerische Leiterin im Kunstmuseum Ahlen:

„Das Team hat bis zuletzt gehofft, dass es anders kommen würde – denn am 28. November wollten wir unsere neue Ausstellung , Christian Rohlfs . Augenmensch!‘ eröffnen. Auch als sich abzeichnete, dass Anfang Dezember die Türen nicht wieder aufgehen können, haben wir im normalen Rhythmus weitergearbeitet. Mitte November kamen die Leihgaben, rund 100 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken. Die Wände wurden gestrichen, die Werke installiert, das Licht eingerichtet, die Wandtexte angebracht. Und nun? Nun sollte. . . die Eröffnung stattfinden. Stattdessen: Leere und Stille im Haus. Das schmerzt.

Stattdessen: Leere und Stille im Haus. Das schmerzt.

Dr. Martina Padberg

Wie die meisten Museen versuchen auch wir in dieser Situation unser Glück mit digitalen Vermittlungsangeboten. Wir drehen kleine Videos, sprechen Texte zu einzelnen Werken ein, bringen einen Instagram-Kanal an den Start. Denn wir wollen und müssen auch aus dem geschlossenen Haus heraus unser Publikum erreichen und mit Kunst und Kultur versorgen. Dafür sind wir da!

Schwierig gestaltet sich die weitere Planung. Wann werden wir öffnen dürfen? Können wir die Laufzeit verlängern? Ziehen die Leihgeber mit? Müssen wir geplante Projekte ausfallen lassen? Wir müssen lernen zu improvisieren. Und vielleicht erwächst aus den Erfahrungen, die wir alle gerade machen, ja sogar eine spannende Ausstellungsidee für eine Zukunft ohne Lockdown?“

 

Gerd Buller, Co-Vorsitzender des Kunstvereins Ahlen:

„Finanziell ist der Kunstverein sicher nicht so massiv betroffen, da wir keinen Eintritt verlangen, insofern nicht auf das unmittelbare Publikumsinteresse angewiesen sind. Mittelbar ist der Verein dennoch betroffen, da digitale Präsentationen von Ausstellungen mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.

Massiv betroffen sind allerdings die Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten in laufenden Jahresausstellungen auch verkauft werden und so Künstlern wie auch dem Kunstverein finanziell helfen. Mit dem Angebot von Jahresgaben versucht der Kunstverein hier gerade mit Blick auf Weihnachten, die Künstler zu unterstützen.

Massiv betroffen sind allerdings die Künstlerinnen und Künstler.

Gerd Buller

Die fast ausschließliche Kommunikation über soziale Medien und den Postversand können die persönlichen Begegnungen nicht ersetzen. Die Verlängerung des Lockdowns light betrifft konkret nicht nur das aktuelle digitale Ausstellungsformat „Die Davor“, sondern wird auch den nächsten Förderpreis Junge bildende Kunst betreffen, der auch zurzeit in die digitale Planung geht. Auch das ist mit erheblich höheren Organisationskosten verbunden.“

 

Dr. Martin Gesing, Leiter des Stadtmuseums Beckum:

„Der Lockdown trifft Museumsarbeit im Kern, denn gerade die Vermittlung unserer Ausstellungsinhalte an ein Publikum ist so nicht mehr möglich. Ausweichen auf digitale Vermittlung im Web, Instagram & Co ist nur schwacher Ersatz, da das Erleben eines Exponats und insbesondere eines Kunstwerks nur im realen Erlebnis wirklich funktioniert.

Es trifft den schwächsten und sensibelsten Punkt im Ausstellungsbetrieb.

Dr. Martin Gesing

Leidtragende sind (mal wieder…) die Künstlerinnen und Künstler: Es trifft den schwächsten und sensibelsten Punkt im Ausstellungsbetrieb, um den wir uns vorrangig kümmern.“

 

Dr. Ulf Sölter, Direktor des Gustav-Lübcke-Museums Hamm:

„Schon der erste Lockdown stellte die Museen vor bisher nicht bekannte Schwierigkeiten. Finanzielle Einbußen bedrohen insbesondere kleine Häuser und Museen, die auf Einnahmen angewiesen sind. Als Museumsleute blicken wir natürlich etwas sorgenvoll auf die Zeit nach der Krise. Wird die monatelange kulturelle Enthaltsamkeit Folgen haben? Das bleibt abzuwarten. Auch wenn wir der Auffassung sind, dass Museen als sichere Orte gelten, in denen sehr kontrolliert den Abstands- und Hygienebestimmungen begegnet werden kann, so entsprechen wir selbstverständlich den Vorgaben des Landes und der Stadt in vollem Umfang.

Wird die monatelange kulturelle Enthaltsamkeit Folgen haben?

Dr. Ulf Sölter

Das Gustav-Lübcke-Museum nutzt die Zeit ohne Besucherinnen und Besucher, um in wichtigen Arbeitsbereichen des Museums einen großen Schritt voranzukommen. Das Bewachungspersonal des Hauses wurde beispielsweise kurzerhand in laufende Arbeiten an der Sammlungsdokumentation miteingebunden. Die Corona-Krise wirkte sich im positiven Sinne beschleunigend auf notwendige Entwicklungen aus.

Das Gustav-Lübcke-Museum hofft auf eine Normalisierung und damit einhergehend eine Aufhebung der Beschränkung spätestens im zweiten Quartal 2021. Digitale Formate sollen erhalten bleiben, der Besuch des Museums, das Erleben des Originals ist aber alternativlos.“

 

Dr. Anja Schöne, Leiterin des Religio Telgte:

„Für das Museum mit seiner Krippenausstellung, die auch noch ein Jubiläum ist, ist die Schließung des Museums natürlich sehr bedauerlich. Insbesondere auch für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler, die ihre Arbeiten nun nicht in einer Ausstellung sehen können.

Wir möchten natürlich auch unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.

Dr. Anja Schöne

Aber wir möchten natürlich auch unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten und tun das aus voller Überzeugung.“

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