Kiosk am Krankenhaus
Colbatzkys letzte Schicht

Ahlen -

Jetzt ist es wirklich so weit: Gisela und Falko Colbatzky haben ihre Kiosk-Ära beendet.

Sonntag, 29.11.2020, 15:01 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 11:44 Uhr
Mit einem Gläschen Sekt und im coronakonformen Abstand: Nachbarn und Stammkunden verabschieden sich von den Colbatzkys.
Mit einem Gläschen Sekt und im coronakonformen Abstand: Nachbarn und Stammkunden verabschieden sich von den Colbatzkys. Foto: Martin Feldhaus

Ein gemeinsames Mittagessen zu Weihnachten ? Das gab es bei Gisela und Falco Colbatzky 44 Jahre lang nicht. Wie auch? Schließlich musste immer einer von beiden im Kiosk am Krankenhaus stehen und die Kunden bedienen. Damit ist jetzt Schluss. Denn am vergangenen Freitag zogen die Colbatzkys ein letztes Mal die Rollladen ihrer Kiosk-Institution hoch, ein letztes Mal den Ständer mit den Zeitungen nach draußen und legten ein letztes Mal liebevoll gestaltete Blumen in die Auslage.

Schluss nach 44 Jahren: Bürgermeister Dr. Alexander Berger wünscht Gisela und Falko Colbatzky alles Gute.

Schluss nach 44 Jahren: Bürgermeister Dr. Alexander Berger wünscht Gisela und Falko Colbatzky alles Gute. Foto: Stadt Ahlen

Ein letztes Mal. . . ein Gefühl, an das sich beide erst gewöhnen mussten. „Am liebsten wäre ich heute weggefahren“, betonte Gisela Colbatzky. Wahrscheinlich wusste sie genau, was folgen würde: Jeder Kunde, der kam, wollte sich verabschieden. Zudem erschienen nach und nach der Bürgermeister, die Leitung des St.-Franziskus-Hospitals, die Nachbarn, die eigene Familie und viele weitere Weggefährten am Kiosk. Auch ASG-Trainer Sascha Bertow schaute noch einmal bei den bekennenden Handballfans vorbei. Im Gepäck hatten alle jeweils Abschiedsgeschenke – wie zuvor schon viele andere Kunden.

Am liebsten wäre ich heute weggefahren.

Gisela Colbatzky

So holte sich ein Kunde einen Blumenstrauß für 15 Euro, gab aber 30 Euro mit dem Kommentar „Für den Rest machen Sie sich einen Strauß“. Ein anderer Besucher kaufte eine Flasche Wein, ließ diese einpacken und packte dann zwei Herzen aus Schokolade hinzu, um den Colbatzkys ein Abschiedsgeschenk zu machen.

Auch ASG-Trainer Sascha Bertow schaute gemeinsam mit seiner Tochter noch einmal bei den bekennenden Handballfans vorbei.

Auch ASG-Trainer Sascha Bertow schaute gemeinsam mit seiner Tochter noch einmal bei den bekennenden Handballfans vorbei. Foto: Martin Feldhaus

„Wir waren überwältigt von der Resonanz in den letzten Tagen und Wochen“, sagte Falko Colbatzky . Nachdem unsere Zeitung über den nahenden Abschied berichtet hatte, wollte sich jeder Kunde persönlich verabschieden, wobei natürlich auch die eine oder andere Träne floss. Umstimmungsversuche hat es wohl auch gegeben. Aber erfolglos. „Ich bin zwar ein bisschen wehmütig, aber auch gespannt auf das, was kommt“, blickte Falko Colbatzky auf die Zeit nach der Kiosk-Ära.

Dass diese Zeit jetzt angebrochen ist, werden die Colbatzkys wohl spätestens dann endgültig realisieren, wenn sie am 24. Dezember mittags gemeinsam zum Essen am Tisch sitzen und dann vieles anders ist als in 44 Jahren zuvor.

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