Veka AG leicht über dem Vorjahresniveau
1,14 Milliarden Euro Gesamtumsatz

Sendenhorst / Ahlen -

„Anfang April haben wir uns gefragt, wo es in diesem Jahr wohl hingehen wird“, blickt Veka-Vorstandschef Andreas Hartleif zurück. Was dann folgte, war angesichts der Umstände „ein denkwürdiges Jahr“, bilanziert er.

Dienstag, 05.01.2021, 14:55 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 15:00 Uhr
Ein Blick auf das Sendenhorster Betriebsgelände
Ein Blick auf das Sendenhorster Betriebsgelände Foto: Josef Thesing

Dem Vorstand der Veka AG ist es im Frühjahr nicht anders ergangen als vielen anderen Unternehmenslenkern. „Anfang April haben wir uns gefragt, wo es in diesem Jahr wohl hingehen wird“, blickt Vorstandschef Andreas Hartleif im Gespräch mit der Redaktion zurück. Angesichts des Ausbrechens der Covid-19-Pandemie wurden verschiedene Krisenszenarien diskutiert und auch Vorbereitungen dafür getroffen, das Instrument der Kurzarbeit in Anspruch nehmen zu können. Auch viele Ahlener sind bei Veka beschäftigt.

Was dann folgte, war angesichts der Umstände „ein denkwürdiges Jahr“ mit einem Umsatz in der gesamten Gruppe, der zum Ende dieses Jahres sogar ein wenig über dem des Vorjahres liegt, bilanziert Hartleif. Er rechnet mit 1,14 Milliarden Euro Gesamtumsatz. „Auch, wenn man es nicht so gerne laut sagt: Wir haben letztlich sogar ein wenig von der Krise profitiert.“

Dass in einem allgemein sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld das Jahr 2020 für Veka vergleichsweise gut lief, hatte entscheidend damit zu tun, dass die Menschen viel Zeit zu Hause verbracht haben. „Diese Zeit haben viele Leute genutzt, um ihr Haus und den Garten zu renovieren und zu verschönern“, sagt Andreas Hartleif. „Auf den Absatz in Deutschland zum Beispiel hatte die Pandemie somit eher positive Auswirkungen.“

Anders dagegen seien die Geschäfte wegen des Lockdowns und damit einhergehender Beschränkungen in einigen Exportmärkten verlaufen. „In der ersten Jahreshälfte haben wir die Krise in der gesamten Gruppe deutlich gespürt.“ In zwei Tochtergesellschaften habe es gar Monate mit „null Umsatz“ gegeben. „Nach den großen Sorgen im April und Mai lief es dann aber immer besser“, so Hartleif.

Auf den Absatz in Deutschland zum Beispiel hatte die Pandemie eher positive Auswirkungen.

Andreas Hartleif

Zum Ende dieses Jahres sei es dann zu ganz anderen, unerwarteten Herausforderungen gekommen. Durch die Pandemie bedingte Verschiebung von Wartungsarbeiten bei Zulieferanten sowie einige Störfälle in der Lieferkette führten zu erheblichen Engpässen in der Rohstoffversorgung. In der Folge stiegen die Materialkosten stark an. „PVC ist ex­trem knapp geworden bei gleichzeitig hoher Nachfrage. Das ist eine große Herausforderung für uns. Wir leben da in den letzten Wochen quasi von der Hand in den Mund. Das gab es in dieser Form noch nie.“ Für die Veka-Gruppe sei es deshalb von großer Bedeutung, auf verschiedene Lieferanten und auch zunehmend auf das Material aus den eigenen Recyclingwerken zurückgreifen zu können.

Nicht einfach war auch, über das Jahr gesehen, die interne Arbeitsorganisation. In der ersten Phase der Pandemie war das Personal wegen notwendiger Quarantäne von Mitarbeitern und des für eventuelle Kurzarbeit notwendigen Abbaus von Urlaub und Überstunden zuweilen ein wenig rar. Ab Juni sei das Sendenhorster Werk aber „unter Volllast und teilweise darüber hinaus“ gefahren worden, denn die Nachfrage nach Profilen zog schlagartig wieder an.

Durch die Impulse aus der privaten Renovierung sei in Deutschland zudem der Marktanteil der Kunststofffenster an der gesamten Fensterproduktion gestiegen, eng verbunden mit einer deutlich verstärkten Nachfrage nach farbigen Profilen. Und so kam es dann auch, dass in der Folierung in den vergangenen Tagen erstmals zwischen Weihnachten und Neujahr gearbeitet wurde. „Der Bedarf ist enorm groß, und die Kunden haben viele Aufträge ins neue Jahr schieben müssen“, erklärt Hartleif. Deshalb würden die Kapazitäten für die Folierung in der Gruppe weiter ausgebaut. Eigens dafür ist in Polen eine neue Halle fertiggestellt worden. Darüber hinaus fließe seit Dezember in Sendenhorst auch die erste vollautomatische Folierungsanlage in den Fertigungsprozess ein.

Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Sendenhorst, aber auch aus Ahlen und Hamm, wo die Inzidenzzahlen relativ hoch waren.

Elke Hartleif

Hartleif geht davon aus, dass die Umsätze in den kommenden Monaten weiter auf gutem Niveau sein werden. Was in der zweiten Jahreshälfte 2021 komme, sei allerdings sowohl für den heimischen Markt wie auch für weitere wichtige Standorte schwer kalkulierbar. Die allgemeine Bedarfssituation im Wohnungsbau und bei energieeffizienten Bauteilen bleibe aber weiterhin vielversprechend.

Das Arbeiten unter Corona-Bedingungen sei auch für die Mitarbeiter eine große Herausforderung, die aber großartig gemeistert werde, erklärt Personalvorstand Elke Hartleif . Trotz der vielen Schutz-Vorkehrungen sei eine hohe Produktionsleistung erreicht und die Kunden „fast normal“ bedient worden.

Das Tragen von Masken im Werk sei insbesondere im Sommer „sehr hart“ gewesen. Das kollegiale Miteinander war deutlich eingeschränkt, zum Beispiel durch den Verzicht auf Fahrgemeinschaften, den regelmäßigen Austausch mit Kollegen in der Kantine oder Besprechungen in großer Runde. Dagegen nahm der Anteil von Videokonferenzen im Arbeitsalltag deutlich zu. Hier sei man bei Veka medientechnisch auf dem neuesten Stand. Elke Hartleif erwartet, dass die Video-Konferenzen auch in Zukunft ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit bleiben werden. „Die bisherige Entwicklung zeigt, dass unsere Maßnahmen gegriffen haben. Es gibt keinen Fall, von dem wir wüssten, dass sich jemand hier infiziert hätte“, erklärt Elke Hartleif. Den Mitarbeitern sei für ihre Disziplin ein großer Dank zu sagen.

Regelmäßig habe die Personalabteilung über die „Corona-Lage“ und die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens berichtet. Der dreiköpfige Corona-Krisenstab, der über Maßnahmen entscheidet, ist auch am Wochenende erreichbar.

Elke und Andreas Hartleif

Elke und Andreas Hartleif Foto: Josef Thesing

In der ersten Welle der Pandemie habe es im Sendenhorster Werk keinen Corona-Fall gegeben. Das habe sich im Herbst und Winter allerdings geändert. „Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Sendenhorst, aber auch aus Ahlen und Hamm, wo die Inzidenzzahlen relativ hoch waren. Das ist auch bei uns nicht ohne Folgen geblieben. Wir haben inzwischen einige auf Covid-19 positiv getestete Mitarbeiter als auch viele, die sich als Kontakt erster Stufe in die Pflichtquarantäne begeben mussten. In manchen Fällen haben wir auch Mitarbeiter als Kontakt der zweiten Stufe vorsichtshalber in Quarantäne geschickt, oder – wenn möglich – gleich von zu Hause arbeiten lassen“, so die Personalchefin.

Die Stimmung in der Firma habe das nicht getrübt. „Die Leute halten sich an die Regeln.“ Um die ausgefallene Weihnachtsfeier zu kompensieren, haben sowohl die Azubis als auch einige Mitarbeiter Videos erstellt und über die internen Kanäle mit allen Kollegen geteilt. Zudem gab es auch einen Veka-Adventskalender mit vielen tollen Gewinnen: Jeden Tag wurde ein Preisträger ausgelost. Das von Veka für alle Abteilungen gesponserte Weihnachtsfrühstück wurde, den Corona-Regeln folgend, auf Abstand oder am Arbeitsplatz genossen.

Und am Ende des Jahres gab es noch etwas Besonderes für alle Mitarbeiter der Veka AG: eine steuerfreie „Corona-Prämie“. „Wir sind stolz darauf, dass alle Kollegen in diesem trotz widriger Umstände erfolgreichen Jahr so toll durchgehalten und mitgezogen haben“, zollen Elke und Andreas Hartleif der kompletten Belegschaft am Standort Sendenhorst ihren Respekt.

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