Unterstützung trägt Früchte
Bagamoyos Schulen vorne

Ahlen / Bagamoyo -

Nach einem Ranking bei den zentralen Schul-Abschlussprüfungen in ganz Tansania liegt Bagamoyo landesweit auf Platz eins. Das ist sicher auch all jenen zu verdanken, die die Schulpartnerschaften zwischen Ahlen und Bagamoyo unterstützen.

Freitag, 22.01.2021, 06:52 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 07:01 Uhr
Im kreisweiten Vergleich auf Platz vier: die Mwambao-Grundschule, die der Ahlener Marienschule eng verbunden ist.
Im kreisweiten Vergleich auf Platz vier: die Mwambao-Grundschule, die der Ahlener Marienschule eng verbunden ist. Foto: Claudia Moseler

Große Freude beim Freundeskreis Bagamoyo und bei allen Ahlenern, die die Schulpartnerschaften und die Städtefreundschaft zwischen Ahlen und Bagamoyo im ostafrikanischen Tansania unterstützen: Nach einem am vergangenen Wochenende vom Nationalen Prüfungsrat Tansanias (Necta) veröffentlichten Ranking der erfolgreichsten Städte und Distrikte (Landkreise) liegt Bagamoyo bei den zentralen Schul-Abschlussprüfungen in ganz Tansania vollkommen überraschend landesweit auf Platz eins vor der Großstadt Bukoba am Viktoriasee.

Grund- und Sekundarschulen

Entsprechend des tansanischen Schulsystems besuchen Schüler sieben Jahre lang die Grundschule, bevor sie nach einer Prüfung zur Sekundarschule wechseln können. Nach der zehnten Klasse findet die zentrale Abschlussprüfung statt, nach der die Schüler dann entweder das Schulsystem verlassen oder nach zwei weiteren Sekundarschuljahren das Abitur ablegen können. Die tansanische Lehrergewerkschaft skizzierte in einer Stellungnahme die Probleme tansanischer Schulen: Neben gravierenden Mängeln an den Schulgebäuden verfügen die meisten Lehrer über keine qualifizierte pädagogische Ausbildung und bauen im Unterricht ausschließlich auf Auswendiglernen. Sie sind oft unmotiviert oder frustriert, was allerdings bei einer Klassenstärke von oft 80 bis 100 Schülern, fehlenden Schulbüchern und unkonzentrierten Kindern, die bis zum Nachmittag kein Essen erhalten, nicht weiter verwunderlich ist. Zudem fehlt laut Lehrergewerkschaft bei den Prüfungen die Unterstützung durch das familiäre Umfeld.

Unterricht in der Marian Primary School

Unterricht in der Marian Primary School Foto: Detlef Siehoff

Der große Erfolg des Bagamoyo Distrikts basiert nicht zuletzt auf den gewaltigen Anstrengungen der vergangenen Jahre, den Schulunterricht bereits im Grundschulbereich zu verbessern. So belegte die von der Katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus unterstützte Marian-Grundschule, deren Träger die katholische Mission in Bagamoyo ist, im kreisweiten Ranking der Grundschulen den ersten und im Ranking der gesamten Küstenregion den dritten Platz.

Die ärmeren Familien schicken ihre Kinder zu den kostenlosen staatlichen Grundschulen. Unter ihnen schnitt beim kreisweiten Ranking die Mwambao-Grundschule, Partnerschule der Ahlener Marienschule, mit Platz vier hinter drei privaten und kirchlichen Schulen am besten ab. Auf regionaler Ebene belegte Mwambao Rang 14 von insgesamt 303 Grundschulen – ein für staatliche Schulen herausragendes Ergebnis.

In diesem Sinne bemühen wir uns seit vielen Jahren, Jugendliche in Schul- und Berufsausbildung zu unterstützen.

Marianne Aperdannier

Auch die vom Freundeskreis Bagamoyo unterstützte Mwanamakuka-Grundschule, die schon seit einigen Jahren vergeblich eine deutsche Partnerschule sucht, belegte einen der oberen Plätze.

Platz eins im nationalen Ranking aller Sekundarschulen verdankt Bagamoyo vor allem den beiden katholischen Sekundarschulen: der Marian-Jungen- und der Marian-Mädchenschule. Marian Boys Secondary School wird in den kommenden Tagen sogar als eine der Top-Ten-Schulen Tansanias ausgezeichnet.

Die Unterstützung der katholischen Schulen in Bagamoyo organisiert in Ahlen der Arbeitskreis Karibu der Kirchengemeinde St. Bartholomäus, der sich auf seiner Homepage auf eine Aussage des aus Lüdinghausen stammenden emeritierten Bischofs Franz Kamphaus bezieht, wonach „unser Einsatz für die Weltkirche nicht das sein kann, was übrig bleibt, wenn wir hier zu Hause unsere Sache einigermaßen in Ordnung gebracht haben“.

Marianne Aperdannier, Sprecherin des Arbeitskreises Karibu dazu: „In diesem Sinne bemühen wir uns seit vielen Jahren, Jugendliche in Schul- und Berufsausbildung zu unterstützen. Es geht uns um die Partnerschaft mit der katholischen Gemeinde in Bagamoyo, um die Begegnung mit tansanischen Jugendlichen und eben um die jährliche Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Bagamoyo durch die Finanzierung des Besuchs der Grund- und Sekundarschule oder einer Handwerksausbildung zum Automechaniker, Steinmetz, Schreiner, Klempner, Schneider oder Sekretärin.“

Die Mwambao School steht schon lange in Kontakt mit der Marienschule.

Die Mwambao School steht schon lange in Kontakt mit der Marienschule. Foto: Claudia Moseler

Im Jahr 2020 ermöglichte St. Bartholomäus insgesamt 21 Kindern und Jugendlichen, allesamt Vollwaisen, den Schulbesuch oder die Ausbildung. Die Finanzierung erfolgt vor allem über das Kindermissionswerk Die Sternsinger, das einem Antrag der Kirchengemeinde zustimmte, die Ergebnisse der Ahlener Sammlungen gezielt für Bagamoyo zu verwenden. Weil die Sternsinger wegen der Pandemie nicht unterwegs sein können, ist die Gemeinde in diesem Jahr besonders von Spenden auf das Sternsinger-Konto angewiesen.

Helga Rohden , ehemalige Leiterin der Marienschule, koordiniert schon seit vielen Jahren das Netzwerk zur Unterstützung der Mwambao-Grundschule. Ihm gehören neben der Marienschule auch das Kopernikus-Gymnasium Neubeckum und viele Einzelpersonen an, die sich um das Schulgebäude und Schulgelände, Unterrichtsmaterialien und die tägliche Versorgung aller Schüler mit einer warmen Mahlzeit kümmern.

Helga Rohden freut sich über das gute Abschneiden von Mwambao bei den Abschlussprüfungen, will sich aber auf den Lorbeeren keineswegs ausruhen: „Die Schule in Bagamoyo hat inklusive Schulkindergarten und Behindertenklasse derzeit knapp 800 Schülerinnen und Schüler. Die meisten von ihnen verfügen über keine Schulbücher, weil die Eltern sich dies nicht leisten können. Insbesondere bei den Prüfungs- und Abgangsklassen sind aber ohne Bücher weitere Lernerfolge nicht zu erreichen.“

Geld für Bücher nötig

Die engagierte Pädagogin hat sich daher zum Ziel gesetzt, wenigstens die Schüler der Abgangsklassen mit Büchern in den Hauptfächern Mathematik, Englisch und Kisuaheli sowie den wichtigsten Nebenfächern Geschichte, Biologie, Erdkunde und Gemeinschaftskunde auszustatten. Dafür werden insgesamt 4900 Euro benötigt. Mit weiteren 12 250 Euro könnten auch alle anderen Klassen versorgt werden. Helga Rohden hofft nun auf weitere Spenden von Firmen und Privatleuten, um dieses Ziel zu erreichen und damit möglichst allen Schülern den Übergang zur Sekundarschule zu ermöglichen.

 

Spendenkonto für Schul- und Ausbildungsstipendiate: Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus, IBAN DE24 4126 2501 0100 0504 00, Verwendungszweck „Sternsinger Aktion 21 – Projekt Karibu“ Spendenkonto zur Unterstützung der Mwambao-Grundschule: Stadt Ahlen, IBAN DE13 4005 0150 0018 0000 18, Verwendungszweck „Projekt Bücher für Mwambao“

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