SPD verärgert
„Mehr an Senioren denken“

Ahlen -

Impfwillige Senioren sollen selbst die Fahrt ins Impfzentrum organisieren, erklärt Bürgermeister Berger. Nur im Einzelfall sei ein Transport durch Stadt oder Ehrenamtliche möglich.

Sonntag, 24.01.2021, 19:45 Uhr aktualisiert: 24.01.2021, 19:50 Uhr
Ab 8. Februar soll es im Impfzentrum in Ennigerloh endlich losgehen. Der Weg dorthin könnte für Ältere schwierig sein.
Ab 8. Februar soll es im Impfzentrum in Ennigerloh endlich losgehen. Der Weg dorthin könnte für Ältere schwierig sein. Foto: Kreis Warendorf

Kopfschütteln ist noch die harmloseste Beschreibung für die Reaktion, die die Antwort von Bürgermeister Dr. Alexander Berger beim SPD-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Richter ausgelöst hatRichter hatte im Namen seiner Fraktion eine Dringlichkeitsentscheidung über eine kostenlose Beförderung für die Altersgruppen der über 80- und 70-Jährigen zum Impfzentrum Ennigerloh gefordert.

Telefonkonferenz mit Krisenstab

Berger lehnt das Ansinnen unter Verweis auf eine Telefonkonferenz der Bürgermeister mit dem Krisenstab beim Kreis Warendorf jedoch ab. In der Konferenz habe Einigkeit darin bestanden, „dass zunächst jeder Einzelne dafür verantwortlich ist, seine Fahrt nach Ennigerloh selbst zu organisieren“, schreibt Berger. Zudem habe der Kreis mit allen Mietwagenunternehmen im Kreisgebiet gesprochen und erreicht, dass sie großzügige Rabatte einräumen.

Hart attackiert Sebastian Richter den Hinweis des Bürgermeisters auf die vorhandene Bushaltestelle am Impfzentrum. In der jüngsten Besprechung der Länderchefs mit der Bundeskanzlerin sei auf die Ansteckungsgefahr im öffentlichen Personennahverkehr hingewiesen worden. Auch unter diesem Aspekt sei den Seniorinnen und Senioren ein Bustransfer gegenwärtig nicht anzuraten, ganz abgesehen von der oft eingeschränkten Mobilität der Zielgruppe.

Ich erwarte aber von der Stadt Lösungen.“

Sebastian Richter, SPD-Fraktionsvorsitzender

Als geradezu geschmacklos empfindet Richter die Befürchtung, dass womöglich zahlreiche Interessierte den kostenlosen Transport in Anspruch nehmen könnten, „obwohl sie nicht darauf angewiesen sind“. Der Kämmerer beziffert die Kosten für die Personengruppe von 9259 Transortberechtigten auf rund 463 000 Euro. „Ich erwarte aber von der Stadt Lösungen“, unterstreicht Sebastian Richter, „und nicht immer nur eine Problembeschreibung.“ Andere Städte zeigten mehr Initiative und sorgten in dieser Frage besser für ihre Senioren.

Hoffen auf mobile Impfteams

Im Einzelfall sei der Transport durch die Stadt oder Ehrenamtliche aber möglich, schließt Bürgermeister Berger. Mittelfristig hoffe man auf den Einsatz mobiler Teams mit einem besser zu händelnden Impfstoff.

Die IKK classic geht mit gutem Beispiel voran. In einer Pressemitteilung kündigt sie an, bestimmten Personen die Fahrkosten zu erstatten. Die Krankenkasse setze damit eine entsprechende Empfehlung des GKV-Spitzenverbands um. „Haben Versicherte einen gesetzlich begründeten Anspruch auf Übernahme der Fahrkosten zu medizinischen Behandlungen, gilt dieser auch für die Fahrt zum Impfzentrum. Die Schutzimpfung gegen das Coronavirus ist hier mit einer ambulantärztlichen Behandlung gleichzusetzen“, sagt Karin Jöhring, IKK-Regionalgeschäftsführerin. Einen generellen Anspruch zur Fahrkostenübernahme gebe es allerdings nicht.

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