Standorte für Aktionsflächenprogramm
Jugendliche sollen mitbestimmen

Ahlen -

Nachdem das Spielplatzkonzept eher auf die ganz kleinen Ahlener ausgerichtet war, bringt die Stadt Ahlen mit dem Aktionsflächenprogramm jetzt eine Aufwertung von Flächen für Jugendliche auf den Weg.

Dienstag, 26.01.2021, 08:58 Uhr
Manche städtische Anlagen wie der Spiel- und Bolzplatz an der Haarbachstraße in Vorhelm könnten für Jugendliche attraktiver gestaltet werden – mit dem Aktionsflächenprogramm. Möglich sind zum Beispiel Kleinspielfelder oder Dirt-Bike-Strecken (kl. Fotos).
Manche städtische Anlagen wie der Spiel- und Bolzplatz an der Haarbachstraße in Vorhelm könnten für Jugendliche attraktiver gestaltet werden – mit dem Aktionsflächenprogramm. Möglich sind zum Beispiel Kleinspielfelder oder Dirt-Bike-Strecken (kl. Fotos). Foto: Wolff, Gösmann, Etzkorn

Dirt-Bike, Pumptrack, Parcouring – die meisten Erwachsenen können vermutlich mit diesen Begriffen wenig anfangen. Jugendliche, die dem Sandkastenalter entwachsen sind, umso mehr. Bei ihnen sind solche Sportarten angesagt, bei de­nen Spaß und Action im Vordergrund stehen und die unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft und Öffnungszeiten an der frischen Luft ausgeübt werden können, ganz nach Lust und Laune, allein oder mit Freunden. Diesem Trend will die Stadt jetzt mit einem sogenannten Aktionsflächenprogramm Rechnung tragen. Den „klassischen“ Bolzplatz zum Pölen soll es aber auch weiter geben.

Dirt-Bike-Projekt in Vorhelm läuft losgelöst

In seinen Grundzügen vorgestellt wurde das Konzept von der Verwaltung schon Ende 2019 (wie berichtet). Jetzt wolle man es „mal langsam an den Start bringen“, erklärte Christoph Wessels als unter anderem für Sport zuständiger Fachbereichsleiter im Ortsausschuss Dolberg, dem es vorbehalten war, als erstes politisches Gremium über die Beschlussvorlage zu beraten. Zufällig soll im Lambertidorf auch noch in diesem Jahr die erste Aktionsfläche realisiert werden, auf ei­nem städtischen Grundstück am Dillweg / Ecke Twieluchtstraße. Heute noch eine Wiese – und morgen? Vielleicht ein umzäuntes Kleinspielfeld für Streetsoccer und Basketball, wie es beispielsweise am Jugendzentrum Ost bereits existiert, oder eine „Buckelpiste“ für Mountainbiker? Das sollen die Dolberger Jugendlichen mitbestimmen dürfen. „Wir wollen da nicht einfach was hinsetzen“, so Wessels, was an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeigehe. Deren Beteiligung, un­ter Einbeziehung des Kinder- und Jugendraums Dolberg, ist coronabedingt allerdings zurzeit, anders als bei der Spielplatzplanung, nicht in analoger Form mit Workshops und Ortsterminen möglich. Geplant ist stattdessen, zunächst eine Onlineumfrage zu starten und Präsenzveranstaltungen gegebenenfalls zu ei­nem späteren Zeitpunkt durchzuführen. Dieser „Partizipationsprozess“, von dem Wessels sprach, soll in den folgenden Jahren auch auf andere Aktionsflächen angewendet werden, deren Standorte noch nicht für alle Stadt- und Ortsteile festgelegt sind. So auch nicht in Vorhelm, wo dafür aber schon der Wunsch nach einer Dirt-Bike-Strecke konkret artikuliert wurde.

Berliner Park: Dort gibt es eine Dirt-Bike-Strecke.

Berliner Park: Dort gibt es eine Dirt-Bike-Strecke. Foto: Ulrich Gösmann

Genau die hätte der Ortsausschuss der Wibbelt-Gemeinde am liebsten direkt ins Aktionskonzept inte­griert. Das passe doch thematisch, ließen einige Mitglieder bei der Beratung durchblicken. Doch das Dirt-Bike-Projekt müsse losgelöst davon betrachtet werden, zumal durch den einstimmig beschiedenen CDU-Antrag ein eigenes Verfahren in Gang gesetzt worden ist.

Fest steht: Zwischen 80 000 und 100 000 Euro soll pro Aktionsfläche investiert werden. Wie viel genau, das hänge von der Beschaffenheit der Fläche und den Wünschen der Nutzer ab, sagte Sozialfachbereichsleiterin Ulla Woltering auf BMA-Anfrage im Ausschuss und erläuterte ebenfalls den Unterschied zum bereits vor längerer Zeit verabschiedeten Spielplatzkonzept: „Wir haben festgestellt, dass Jugendliche sehr mobil sind und sich im gesamten Stadtgebiet verteilen.“ Daher würden die Radien zwischen den geplanten Aktionsflächen auch merklich großzügiger gestaltet als bei den Spielplätzen.

Den in einer ersten Präsentation für Vorhelm vorgeschlagenen Standort an der Stiege hält René Achten ( CDU ) allerdings für „überdenkenswert“. Schließlich sei der dortige Bolzplatz in seinem Ist-Zustand sehr beliebt, außerdem als Standort für Zirkusprojekte der benachbarten Grundschule unverzichtbar. „Die Stiege sollte als Grünfläche erhalten bleiben“, stieß auch Vorsitzender Hubertus Beier in dieselbe Kerbe. Alternativ wollen die Ortspolitiker lieber die Fläche an der Agnes-Miegel-Straße aufgewertet sehen.

Verwaltungsseitig wird betont, dass keine Aktionsfläche bereits jetzt „in Stein gemeißelt“ sei und ohnehin die Beteiligung der Nutzer abgewartet werden solle.

Der Bolzplatz am Markenweg in Dolberg soll attraktiver gestaltet werden.

Der Bolzplatz am Markenweg in Dolberg soll attraktiver gestaltet werden. Foto: Peter Harke

Das Aktionsflächenprogramm, das jetzt in den Ortsausschüssen Dolberg und Vorhelm von der Verwaltung vorgestellt wurde, ist ambitioniert, auch in finanzieller Hinsicht, und kann darum nur schrittweise in den kommenden fünf Jahren umgesetzt werden. Bis 2026 sollen in jedem der insgesamt sechs Stadt- und Ortsteile – von den Planern als Sozialräume definiert – zwei solcher Flächen realisiert werden. Zusätzlich soll jeweils ein vorhandener konventioneller Bolzplatz durch eine neue Gestaltung „ertüchtigt“, sprich aufgewertet werden. Letzteres ist in Dolberg noch in diesem Jahr am Markenweg vorgesehen, sowie im Ahlener Westen an der Brüningswiese. Für 2021 sind 140 000 Euro im Haushaltsentwurf veranschlagt, ab 2022 sollen dann jährlich 240 000 Euro bereitgestellt werden.

Kykal: „Aufwertung fürs Dorf“

Im Dolberger Ausschuss begrüßte Dennis Kykal (CDU) die Pläne als „Aufwertung für unser Dorf“. Allerdings sollte man sich von der Idee eines zentralen Sportzentrums deshalb nicht verabschieden. Der Darstellung von Fachbereichsleiter Christoph Wessels, dieses solle in erster Linie dem Schul- und Vereinssport dienen, widersprach Andreas Magera (Grüne): „Das war nicht die Intention.“

Sozialfachbereichsleiterin Ulla Woltering betonte, beim Aktionsflächenprogramm gehe es nicht nur um sportliche Betätigung. Es sei „auch ein Stück Jugendkultur“, sich einfach nur zum „Abhängen“ oder Musikhören zu treffen, an einem Ort, „der den Jugendlichen gehört“.

Uwe Maschelski (SPD) regte im Diskussionsverlauf an, dass der Ortsausschuss einen Arbeitskreis einrichten und sich verschiedene Beispiele für Aktionsflächen in anderen Städten ansehen sollte. Die Vorlage wurde mehrheitlich, bei zwei Enthaltungen, dem Rat zur Annahme empfohlen.

Beratungsbedarf der BMA

Nach der Erörterung im Ortsausschuss Vorhelm wurde noch nicht abgestimmt. Die Bürgerliche Mitte Ahlen (BMA) hatte zu Beginn weiteren Beratungsbedarf angemeldet, so dass es die Fraktionen bei Vorstellung und Diskussion beließen. Manuela Esper (SPD) wollte aber festgehalten wissen, dass sie die Vorstellung des Aktionsflächenprogramms für „sehr gut gemacht“ hält. In der Verwaltungsvorlage seien anhand vieler Fotos schon konkrete Beispiele sichtbar, wo Handlungsbedarf bestehen kann

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