Stadtteilkonzept wird konkret
Rottmannstraße als Fahrradstraße

Ahlen -

Die Rottmannstraße: teils Fahrradstraße, teils Einbahnstraße. Mit dem Stadtteilkonzept geht aber noch mehr. Die Hansastraße als Fußgängerzone beispielsweise. Die Politik segnete den Entwurf am Montagabend ab. Einstimmig!

Dienstag, 02.02.2021, 15:56 Uhr
Die Rottmannstraße sieht Stadtplaner Uwe Höger als Fahrradstraße neu aufgestellt. In Höhe des Kirmesplatzes als Einbahnstraße.
Die Rottmannstraße sieht Stadtplaner Uwe Höger als Fahrradstraße neu aufgestellt. In Höhe des Kirmesplatzes als Einbahnstraße. Foto: Ulrich Gösmann

Die Hansastraße als Fußgängerzone, die Rottmannstraße als Fahrradstraße und in Teilen sogar als Einbahnstraße: Uwe Höger traf am Montagabend im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität auf Rückenwind. In 40 Minuten zeigte der Diplom-Ingenieur aus dem Büro akp Stadtplanung und Regionalentwicklung aus Kassel auf, wohin die Fahrt mit dem Stadtteilkonzept „Barrierefreier fuß- und radverkehrsfreundlicher Süd-Osten“ in den nächsten wohl 30 Jahren geht. Eine Daueraufgabe mit einem ersten Kandidaten, der schon jetzt angepackt werden soll: die Rottmannstraße.

Seit Sommer 2019 ist Höger mit einem Kernteam im Stadtteil unterwegs. Mal mit dem Rad, mal zu Fuß oder mit dem offenen Ohr am Bürger, mal mit Hilfsmitteln wie dem Rollstuhl, um zu dokumentieren, wo es hakt. Fazit: Fußgänger und Radfahrer teilen sich einen überwiegend beengten Seitenraum der Straße. Und: Es mangelt an einer systematischen Herangehensweise zur Umsetzung und Verbesserung in der Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur. Der Stadtplaner setzt auf ein strategisches Konzept, auf konkreten Straßenraum, wie er im Ausschuss unterstrich. „Bordsteinradwege entsprechen nicht mehr den Standards“, ließ er wissen. Und: „Fahrräder sind Fahrzeuge und müssen auf der Fahrbahn fahren.“ Ausnahme: beim blauen Schild. Der Hesse traf im Ahlener Süd-Osten auf „viele alte Radwege“. Früher rot gepflastert, heute oft vergraut. Eigentlich nur noch für Schrittgeschwindigkeiten geduldet. Seine Devise: das Fahrrad – mit mehr Tempo – auf die Straße bringen. Das reduziere Kfz-Geschwindigkeit, schaffe sanfte Veränderung und Platz auf den Gehwegen. Auch dort eine klare Ansage: „Zwei Rollstühle müssen sich hier begegnen können.“ Zur Breite der Gehwege die Barrierefreiheit in den Kreuzungen. Högers Karte war gespickt mit roten Knotenpunkten, die ihrer mobilen Entwicklung hinterherlaufen.

Diplom-Ingenieur Stadtplanung Uwe Höger gab im Ausschuss Einblick in das Stadtteilkonzept "Barrierefreies fuß- und radverkehrsfreundlicher Süd-Osten".

Diplom-Ingenieur Stadtplanung Uwe Höger gab im Ausschuss Einblick in das Stadtteilkonzept "Barrierefreies fuß- und radverkehrsfreundlicher Süd-Osten". Foto: Ulrich Gösmann

Viel Theorie, doch dann Konkretes mit einem Feuerwerk zeitnaher Veränderungen, die Autofahrer runterschalten lässt. Allem voran auf der Rottmannstraße, die zwischen Alter Beckumer Straße und Hansakreisel Fahrradstraße werden soll. Als Pate stellte ihr Höger die Schillerstraße in Münster zur Seite. Doch so rot muss sie nicht werden, um zu funktionieren. Große Piktogramme setzen Fahrräder auf die Fahrbahn. „Autos fahren vorsichtig hinterher. Oder dürfen überholen“, konkretisierte der Referent. Im Abschnitt zwischen Hansakreisel und Zeppelinstraße dann ein anderer Plan: die Rottmannstraße als Einbahnstraße. Der Baumbestand gebe einengende Vorgaben. Wie es bis zum Kerkmann-Kreisel weitergeht, das lässt der Konzeptentwurf noch offen. Sicher aber ist: Die Rottmannstraße ist mit ihrer Wegführung in die Innenstadt (Ost-West-Achse) eine von zwei Routen, die Priorität haben. Die zweite schlängelt sich ab Zeppelinstraße hinter dem Netto-Parkplatz über die Kopernikusstraße hoch zur August-Kirchner-Straße (Nord-Süd-Achse), um als Fahrradstraße auch den Schulweg sicherer zu machen.

Mehr Platz für Radfahrer auf der Rottmannstraße.

Mehr Platz für Radfahrer auf der Rottmannstraße. Foto: Ulrich Gösmann

Uwe Höger sprang in seiner Präsentation rüber auf den Hansakreisel, der barrierefrei umzugestalten sei. Auf die Hansastraße, die Fußgängerzone werden könnte. Emanuel-von-Ketteler-Straße und Schachtstraße holen Radfahrer auf die Fahrbahn – mit bekannten Schutzstreifen wie schon jetzt im Innenstadtbereich Alltag. Andere Straßen sollen erst zum Zuge kommen, wenn die Osttangente Verkehrsströme neu lenkt. Entsprechend nicht alles auf einen Schlag, sondern als perspektivische Daueraufgabe auf über 30 Jahre angelegt. Dort, wo Straßenbau stattfinde, werde konzeptionell angepasst. Mit finanziellem Aufwand, der dann kaum ins Gewicht falle.

Dann muss man mal zwei Minuten länger laufen, wenn man seinen Wagen über Nacht abstellen will.

Uwe Höger

Bernd Meiwes (SPD) bedauerte: „Schade, dass die Kommunalpolitik bisher außen vor war.“ Martin Hegselmann (CDU) und Ralf Weinekötter (Grüne) sahen den Wegfall von Parkraum durch die Verlagerung von Fahrradverkehr auf die Straße kritisch. Der Parkdruck, so Hegselmann, sei doch schon jetzt hoch. Höger entgegnete: „Dann muss man mal zwei Minuten länger laufen, wenn man seinen Wagen über Nacht abstellen will.“ Manfred Kreutz (SPD) regte für die im Frühjahr vorgesehene digitale Bürgerbeteiligung eine mehrsprachige Netzpräsentation an.

Der Ausschuss stimmte dem Konzeptentwurf einstimmig zu.

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