SPD: Für jedes Baby einen Baum
Folgt der Obst-Offensive eine Obstschwemme?

Ahlen -

Gut gemeint: die Obstbaum-Offensive der SPD für Neugeborene. Doch droht Ahlen schon in wenigen Jahren eine Obstschwemme?

Mittwoch, 03.02.2021, 06:00 Uhr
Soll jedes neugeborene Kind einen Obstbaum bekommen?
Soll jedes neugeborene Kind einen Obstbaum bekommen? Foto: Ulrich Gösmann

Für jedes neugeborene Kind einen Obstbaum: „Schöne Sache“, bewerte Manuela Esper am Montagabend in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität einen Antrag ihrer SPD-Fraktion. Doch: Wohin mit all dem Obst, wenn in vielen Jahren nur noch Obstbäume in Ahlen stehen, beendete Britta Tomsa ( FDP ) eine Diskussion, die sich mit Bedenken in Fahrt brachte.

Zunächst der Beifall für eine Initiative, die als Zeichen der Familienfreundlichkeit und auch als Beitrag zum Naturschutz begründet wurde. Obstbäume, so die SPD , lieferten Nahrung für viele Bienen- und Insektenarten. Das Prozedere – ein einfaches: Die Stadt stellt jedem Neugeborenen einen Obstbaum zur Verfügung. Übergabe: einmal im Jahr zur Pflanzzeit. Der könne dann im eigenen Garten oder auf den öffentlichen Bürgerobstwiesen stehen.

„Gute Idee. Leider ohne Zahlen“, nahm Kämmerer Dirk Schlebes erste Verzückung aus der Runde. Und rechnete vor: 1000 Geburten im Jahr, 400 bis 500 Kinder allein aus Ahlen. Was für ein Obstbaum? Wie groß?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bürgermeister bei jedem Neugeborenen mit einem Obstbaum vor der Tür steht.

Manuela Esper

„Tolle Sache“, signalisierte Rita Pöppinghaus-Voss für die CDU Sympathie. Ihre Frage: „Entscheide ich mich für einen Apfelbaum für 30 Euro oder für eine Quitte für 85?“ Im Herbst habe sie eine Birnenallee gesehen. Übersät mit Früchten, die wohl niemand haben wollte. Manuela Esper schlug Gutscheine vor, denn: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bürgermeister bei jedem Neugeborenen mit einem Obstbaum vor der Tür steht.“

„Nette Idee.“ Silvia Hillebrand (FWG) schickte ihre Fragen nach Flächen und Pflege in die Runde. Ulf Rosenbaum (CDU) kam ins Rechnen. Bei sieben mal sieben Meter pro Baum sei man bei einer Größe von 2,5 Hektar und Grundstückserwerbskosten im sechsstelligen Bereich.

„Übertrieben“, fand Bernd Meiwes (SPD). So viel Platz habe kein Baum auf den Bürgerobstwiesen. Dann wären dort die Bäume doch schon längst eingegangen. Warum jetzt dieses Kleinklein?

Als „löblich, aber nicht umsetzbar“ und „unausgegoren“ bewertete Martin Hegselmann (CDU) die Obst-Offensive. Die Verwaltung solle erst einmal einen Raum ermitteln. Britta Tomsa (FDP) warnte vor einer Obstschwemme in fünf bis zehn Jahren. Könnten es nicht auch andere Bäume sein?

Ulf Rosenbaum bat die Verwaltung, den SPD-Antrag bis zur Ratssitzung mit Zahlen zu belegen.

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