Notfallpraxis am St. Franziskus
Wo der Arzt auch als Psychologe gefragt ist

Ahlen -

Seit einem Jahrzehnt besteht die Notfallpraxis am St.-Franziskus-Hospital. Dr. Thomas Mandelkow und Dr. Winfried Bracht blicken auf bewegte Jahre zurück.

Mittwoch, 03.02.2021, 10:41 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 10:50 Uhr
Zehn Jahre Notfallpraxis am St.-Franziskus-Hospital: Dr. Winfried Bracht und Dr. Thomas Mandelkow
Zehn Jahre Notfallpraxis am St.-Franziskus-Hospital: Dr. Winfried Bracht und Dr. Thomas Mandelkow Foto: Dierk Hartleb

42 000 Behandlungsfälle in zehn Jahren. Diese Zahl kommentiert Dr. Thomas Mandelkow mit den Worten: „Das entspricht einer gut gehenden Hausarztpraxis.“ Die Rede ist von der Notfallpraxis am St.-Franziskus-Hospital, die am 1. Februar auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken konnte.

Von Anfang an dabei ist neben Dr. Mandelkow, der als Vorsitzender des Ahlener Ärztevereins seinerzeit die Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) führte, Dr. Winfried Bracht, niedergelassener Facharzt aus Drensteinfurt. „Ich habe hier am 2. Februar 2011 angefangen“, erinnert sich Bracht gut an die erste Zeit, als sich die Patienten erst noch daran gewöhnen mussten, nach Praxisschluss nicht mehr den diensthabenden Hausarzt anzurufen, sondern die Notfallpraxis aufzusuchen.

Im Durchschnitt ist jeder Kollege drei- bis viermal pro Jahr dran.

Dr. Winfried Bracht

In den ersten Jahren befand sich die Notfallpraxis auch noch im Durchgang zur Kinderklinik. „Im Durchschnitt ist jeder Kollege drei- bis viermal pro Jahr dran“, erklärt Bracht. Denn der von der KVWL gebildete Einzugsbereich umfasst die Kreise Warendorf, Unna und die kreisfreie Stadt Hamm.

Kurz vor Weihnachten 2018 geriet die Notfallpraxis, die nach dem Umzug über einen gemeinsamen Eingang mit der Notaufnahme verfügt, in die Schlagzeilen, als die KVWL erwog, sie nur noch an zwei Tagen in der Woche und am Wochenende zu besetzen. Nach einem Sturm der Entrüstung ruderte die Kassenärztliche zurück und verzichtete auf die Umsetzung ihrer Kürzungspläne. Die hatte sie zuvor mit zu geringer Frequenz begründet.

Die Leute haben schlicht Angst, sich zu infizieren.

Dr. Thomas Mandelkow

Seit dem Corona-Ausbruch sind die Besucherzahlen tatsächlich rückläufig – bis zu einem Drittel. „Die Leute haben schlicht Angst, sich zu infizieren“, bestätigt Dr. Thomas Mandelkow. Dabei haben die Verantwortlichen alles dafür getan, dass die Sorge unbegründet ist. Patienten mit Covid-19-Symptomen werden umgehend nach Registrierung in einem separaten Raum untersucht und kommen mit den anderen Patienten nicht in Berührung.

Mechtild Osthoff-Lange (r.) und Vanessa Lehmann an der Annahme

Mechtild Osthoff-Lange (r.) und Vanessa Lehmann an der Annahme Foto: Dierk Hartleb

Die Patienten leiden unter den unterschiedlichsten Beschwerden, weiß Dr. Bracht, wobei sie die oft gar nicht näher beschreiben könnten. Dann ist der Arzt auch als Psychologe gefragt. In solchen Fällen bedarf es viel Erfahrung, um die richtige Diagnose zu stellen. Bei Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung sei die sofortige Überweisung an die Notfallambulanz des Krankenhauses angezeigt.

Zur Notfallpraxis gehört auch ein gutes Team von Mitarbeiterinnen, ohne die die Mediziner aufgeschmissen wären. Das gilt für Koordinatorin Mechthild Osthoff-Lange genauso wie für Vanessa Lehmann und ihre Kolleginnen.

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