Freundeskreis Bagamoyo
Corona-Äußerungen streng verboten

Ahlen / Bagamoyo -

Der Freundeskreis Bagamoyo ist besorgt. In der tansanischen Hafenstadt steigen die Infektionszahlen.

Donnerstag, 25.02.2021, 18:02 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 18:49 Uhr
In Bagamoyo haben die Menschen Angst vor dem Virus und seinen Mutationen. Vor den Geschäften stehen nun auch Desinfektionsmittelspender.
In Bagamoyo haben die Menschen Angst vor dem Virus und seinen Mutationen. Vor den Geschäften stehen nun auch Desinfektionsmittelspender. Foto: privat

Die aktuelle Lage in Ahlens ostafrikanischer Partnerstadt Bagamoyo bereitet den Mitgliedern des Freundeskreises Bagamoyo große Sorgen.

Nachdem Tansania in der ersten Corona-Welle mit recht wenigen Todesopfern noch relativ gut weggekommen ist, werden jetzt aus der Küstenstadt am Indischen Ozean viele ernsthafte Erkrankungen und Todesfälle gemeldet. Als Ursache wird die Nordwanderung der gefährlichen Corona-Mutation aus Südafrika angesehen, die offensichtlich jetzt auch in Tansania angekommen ist. Diese Mutation ist noch einmal deutlich gefährlicher als die britische Mutation, die sich gegenwärtig in Deutschland ausbreitet.

Das Kreiskrankenhaus von Bagamoyo, in dem keine intensivmedizinische Betreuung von Covid-19-Erkrankten möglich ist, ist bereits voll belegt. Die Kirchen, so berichtet Rudolf Blauth als Vorsitzender des Freundeskreises Bagamoyo, meldeten, dass täglich mehrere zusätzliche Beerdigungen durchgeführt werden müssen.

Angst und Panik

In der Bevölkerung verbreiteten sich Angst und Panik. Eine Mitarbeiterin der Kunsthochschule von Bagamoyo, die als Institution mit der VHS Ahlen partnerschaftlich verbunden ist: „Bei uns im College sind zum Glück noch alle gesund. Aber in der Stadt sieht es sehr sehr ernst aus. Es gibt viele Todesfälle.“

Ein anderer Mitarbeiter erzählt, dass der Tod des sehr populären Vizepräsidenten von Sansibar in der vergangenen Woche die Sorgen der Stadtbevölkerung noch einmal deutlich verschärft habe. Denn er war der erste hochrangige Politiker des Landes, der Ende Januar von seiner Corona-Erkrankung öffentlich berichtet hat.

In Bagamoyo möchte niemand mit seiner Aussage namentlich zitiert werden. Denn öffentliche Äußerungen über Corona, so berichtet Rudolf Blauth, seien in Tansania streng verboten. Bei einer Verbreitung von Infektions- oder Todeszahlen drohe sogar die Gefängnisstrafe.

In der Stadt sieht es sehr sehr ernst aus. Es gibt viele Todesfälle.

Eine Mitarbeiterin des Bagamoyo College of Arts

John Magufuli, der gerade erst wiedergewählte autokratische Staatspräsident des Landes, ist ein international bekannter Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker. Zehn Monate lang hatte er Tansania für "coronafrei" erklärt. Erst am vergangenen Sonntag gab er dem Druck der Kirchen und der Zivilgesellschaft nach und bestätigte die Existenz von Corona in Tansania.

Aber immer noch ist er der Meinung, dass durch „verfälschende Testkits“, „verseuchte Gesichtsmasken“ und „gefährliche Impfungen“ die Industrieländer das Virus überhaupt erst in sein Land schleusen würden mit dem Ziel, „die Tansanier als Versuchsmeerschweinchen“ zu missbrauchen.

Der radikal evangelikale Präsident empfiehlt stattdessen das Inhalieren einheimischer Heilkräuter und Beten. Versammlungsverbote, Lockdowns, Impfungen oder auch nur die Veröffentlichung von Infektions- und Todeszahlen lehnt er strikt ab.

Kirchen wagen den Widerspruch

Die evangelische Kirche und die katholische Kirche, die in Bagamoyo mit einer großen Missionsstation vertreten ist, haben es vor zwei Wochen erstmals gewagt, dem Präsidenten zu widersprechen. Auch in Bagamoyo wurde die landesweite katholische Kirchenzeitung verteilt mit der Überschrift „Corona ist da“. Die Stellungnahme des leitenden Bischofs der evangelischen Kirche trug die Überschrift „Beten alleine genügt nicht!“ und wurde auch in der Gemeinde des Ortes ausgelegt.

Die tansanische Medizinervereinigung, der auch Ärzte aus Bagamoyo angehören, fordert die Zulassung von Impfstoffen. Letzteres ist ganz im Interesse auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie befürchtet, dass sich im Falle eines Impfverbots ungehemmt neue gefährliche Mutationen in Tansania ausbreiten könnten – dies wäre dann „eine Gefahr für die gesamte Völkergemeinschaft“.

Der Freundeskreis Bagamoyo hofft indes, dass der wachsende nationale und internationale Druck den Präsidenten zu weiteren Schutzmaßnahmen bewegt. Ansonsten nutzt der Verein die Zeit, um mehrere neue soziale, kulturelle und bauliche Partnerschaftsprojekte für Bagamoyo vorzubereiten.

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