Anwohner wünschen sich Verkehrsberuhigung
Tempo 30 auf dem Westfalendamm?

Ahlen -

Tempo 30 und weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung fordern jetzt Anwohner des Westfalendamms in einem Bürgerantrag an den Rat. Sie berichten über eine Zunahme des Fahrzeugaufkommens und wachsenden Parkdruck durch zwei neue Mehrfamilienhäuser sowie zu hohe Geschwindigkeit

Mittwoch, 03.03.2021, 11:14 Uhr
Heinz Aden und weitere Anwohner fordern geeignete Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf dem Westfalendamm.
Heinz Aden und weitere Anwohner fordern geeignete Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf dem Westfalendamm. Foto: Peter Harke

„Seit zweieinhalb Jahren ist das für uns hier eine Qual“, sagt Heinz Aden . Eine Viertelstunde mit ihm in seiner Einfahrt zu stehen, genügt, um zu verstehen, was der Pfarrer im Ruhestand meint. Zwar sind die großen Baustellenfahrzeuge, deren Bewegungen zeitweilig die Wohnzimmerschränke „zum Beben“ gebracht hätten, inzwischen abgerückt. Doch Aden glaubt nicht daran, dass sich die Situation insgesamt spürbar entspannen wird, wenn die beiden neuen Mehrfamilienkomplexe fertiggestellt und bezogen sind, die am Westfalendamm anstelle von zwei im August 2018 abgerissenen Privathäusern, darunter die frühere Fabrikantenvilla der Familie Leifeld, errichtet wurden. Eher befürchtet er das Ge­genteil.

Immer wieder Beinahe-Unfälle

Das Verkehrsaufkommen ist offenkundig hoch, nahezu im Minutentakt biegen selbst zur Mittagszeit Fahrzeuge aus der Friedrich-Ebert-Straße in den Westfalendamm ein, passieren zunächst noch gezwungenermaßen mit moderater Geschwindigkeit die am rechten Straßenrand stehenden Autos, drehen dann aber teilweise richtig auf, um vor dem Gegenverkehr, der auch nicht unbedingt langsam unterwegs ist, wieder auf die rechte Spur zu wechseln. Das führt, so schildert es Heinz Aden, nicht selten zu Beinahe-Unfällen, und erst vor wenigen Tagen hat es auch richtig gekracht, wie er zufällig mit eigenen Augen beobachtete, als ein Lkw bei einem solchen Manöver ei­nen geparkten Pkw rammte.

Zusammen mit mehreren Nachbarn hat Aden jetzt ei­nen Bürgerantrag an den Rat der Stadt gestellt mit der Forderung, den Westfalendamm zwischen Friedrich-Ebert- und Fritz-Reuter-Straße in eine Tempo-30-Zone umzuwandeln, „in Verbindung mit anderen sinnvollen verkehrsberuhigenden Maßnahmen“. Sie verweisen zur Begründung auch darauf, dass der Westfalendamm ein stark frequentierter Schulweg ist und viele Radfahrer „aus Angst vor dem Autoverkehr“ auf den Bürgersteig ausweichen. Erschwerend komme hinzu, dass auf dem fraglichen Abschnitt sechs Nebenstraßen in den Westfalendamm münden, von den zahlreichen Grundstücks- und Garagenzufahrten ganz zu schweigen. Durch die Neubebauung erwarten die Anwohner noch ei­ne weitere Zunahme des Parkdrucks und der daraus resultierenden Folgen. Selbst wenn die Bewohner die Tiefgarage nutzten, sei damit zu rechnen, dass weitere Autos, sei es von Besuchern oder weil die Plätze nicht reichen, draußen abgestellt werden. Heinz Aden fasst zusammen: „Es muss dringend etwas geschehen.“

Ich kann das Ansinnen durchaus nachvollziehen.

Bernd Döding

Der Leiter der Ahlener Umweltbetriebe (AUB), Bernd Döding , zeigt sich dem Antrag ge­gen­über im Prinzip aufgeschlossen. „Ich kann das Ansinnen durchaus nachvollziehen“, erklärte er in der Januar-Sitzung des Ausschusses für Ordnung, öffentliche Einrichtungen, Digitalisierung und Anregungen (AfÖ). Die Verwaltung sei dabei, einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten. Wie dieser aussehen könnte, ist allerdings noch offen. „Ganz so einfach ist es nicht“, dämpfte Döding im Gespräch mit unserer Zeitung ein wenig die Erwartungen. Der Westfalendamm sei, basierend auf dem Harder-Verkehrsgutachten aus den 1980er-Jahren, Bestandteil des Straßenvorrangnetzes, das dem Zweck diene, den innerstädtischen Verkehr „am Fließen zu halten“. Döding ist jedoch der Auffassung: „Das Konzept ist teilweise überholt und passt nicht mehr in die Zeit.“ Das müsse man sich, auch unter Beteiligung der Polizei, aber insgesamt anschauen. Es sei „nicht mit einem Federstrich gemacht“, eine einzelne Straße zur Tempo-30-Zone zu deklarieren. Döding: „Das muss Hand und Fuß haben.“

Damit geht Heinz Aden d‘accord. Er hofft freilich, dass die Verwaltung das schon im Zusammenhang mit der Diskussion um das leidige Thema Gehwegparken am Westfalendamm in Aussicht gestellte Gesamtkonzept auch wirklich beizeiten mal vorlegt: „Seit mehr als drei Jahren warten wir darauf.“

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