Woche der Brüderlichkeit im Livestream
Hoher Stellenwert für Erinnerungskultur

Ahlen -

Mit den Stolpersteinen, die bislang in Ahlen verlegt wurden, beschäftigte sich die Eröffnungsveranstaltung zur diesjährigen Woche der Brüderlichkeit.

Dienstag, 09.03.2021, 11:21 Uhr aktualisiert: 10.03.2021, 11:48 Uhr
Für die musikalische Umrahmung sorgten die Gebrüder Möxel. Mötte Gerullis (l.) und Axel Ronig spieltenj bekannte jiddische Lieder.
Für die musikalische Umrahmung sorgten die Gebrüder Möxel. Mötte Gerullis (l.) und Axel Ronig spieltenj bekannte jiddische Lieder. Foto: Dierk Hartleb

Der alte Ratssaal glich am Sonntag einem Fernsehstudio. Drei Kameras waren auf die an Stehtischen platzierten Gäste gerichtet, die VHS-Leiterin Nadine Köttendorf zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit willkommen hieß. Ins rechte Licht gerückt wurden auch Axel Ronig und Thomas „Mötte“ Gerullis, die die Veranstaltung musikalisch begleiteten.

„Die Woche der Brüderlichkeit ist in diesem Jahr eine andere“, stellte Nadine Köttendorf an den Anfang ihrer Begrüßung. Bürgermeister Dr. Alexander Berger stellte Ahlen als junge, multikulturelle Stadt vor, in der die Erinnerungskultur einen hohen Stellenwert einnehme. Auch nach so vielen Jahren sei es beeindruckend, mit welchem Engagement und welcher Empathie dieses Thema behandelt werde.

Die Woche der Brüderlichkeit ist in diesem Jahr eine andere.

VHS-Leiterin Nadine Köttendorf

Das Städtische Gymnasium beteilige sich aus Überzeugung an dieser Arbeit, betonte Tobias Meermann, und unterstreiche dies mit der jährlichen Ausrichtung des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar und der Teilnahme am Gedenken zum Kriegsende am 8. Mai. Darüber hinaus fahre die Schule mit ihrer Oberstufe alljährlich nach Auschwitz. Zudem werde die Erinnerung an einige Schüler aufrechterhalten, die in der NS-Zeit das Gymnasium besucht hatten und aufgrund ihres jüdischen Glaubens die Schule nicht beenden konnten. Dazu gehöre auch Karl Rosenberg, der nach seiner Deportation aus dem KZ Esterwegen erst nach Belgien und nach abermaliger Internierung in Belgien nach Frankreich floh und sich dort der Résistance anschloss.

VHS-Leiterin Nadine Köttendorf begrüßte die Gäste.

VHS-Leiterin Nadine Köttendorf begrüßte die Gäste. Foto: Dierk Hartleb

Im Mittelpunkt standen freilich die 156 Stolpersteine, die bislang in Ahlen verlegt worden sind. Keiner kennt sich mit dem Thema so gut aus wie Manfred Kehr, der das Kunstprojekt des Kölner Künstler Gunter Demnig von Anfang begleitet hat. Nachdem bei den ersten Verlegungen nur ermordete Jüdinnen und Juden geehrt wurden, habe man danach auch die Zeugen Jehovas sowie politisch Verfolgte wie Kommunisten in den Blick genommen. Zuletzt seien es vor allem Euthanasie-Opfer gewesen, derer man mit einem Stolperstein gedenkt.

Axel Ronig und Thomas „Mötte“ Gerullis begleiteten die Veranstaltung, die live gestreamt wurde, mit jiddischen Liedern. Das Lied über ein Kalb, das an einem Strick zur Schlachtbank geführt wird, war für Axel Ronig Anlass, auf das Mahnmal in der Klosterstraße hinzuweisen, in dem das Künstlerehepaar Ulle und Herbert Hees den Strick als verbindendes Element um die Skulptur legt, um ihn dann im Boden enden zu lassen.

   

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7856475?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker