Marktmusik in St. Ludgeri
Die Osterbotschaft im Tanz

Ahlen -

Zu den Klängen Händels glitt Tänzerin Anastasia Kostner Ostersonntag bei der Marktmusik in St. Ludgeri geradezu ins Göttliche. Die Künstlerin aus Meran gestaltete besondere Momente an einem besonderen Tag.

Montag, 05.04.2021, 14:15 Uhr aktualisiert: 05.04.2021, 14:20 Uhr
Ausdrucksstark: Tänzerin Anastasia Kostner.
Ausdrucksstark: Tänzerin Anastasia Kostner. Foto: Martin Feldhaus

Marktmusik gibt es eigentlich immer am Samstag zur Marktzeit, und zwar direkt nebenan in der St. Bartholomäus-Kirche. Am Ostersonntag war die Zeit jedoch eine andere und auch der Ort: In der St. Ludgeri-Kirche gab es um 18 Uhr ein Konzert mit einem Streichquartett der Dortmunder Philharmoniker und der Tänzerin Anastasia Kostner aus Meran.

Einen guten Grund für die Verschiebung lieferte Pfarrer Dr. Ludger Kaulig: „Was in der Stille des Karsamstags kaum passend gewesen wäre, bringt umso besser die Freude des Ostersonntags zum Ausdruck.“ Er bezog sich dabei auf den besonderen österlichen Akzent Kostners, die zu Georg Friedrich Händels Orgelkonzert „Opus 4“ in F-Dur die Auferstehung Jesu Christi in atemberaubender Weise in harmonischen und äußerst ausdrucksstarken Bewegungen ausdrückte. Das Auferstehungsszenarium trat den wenigen Anwesenden vor Ort, vor allem Technikern und Veranstaltern, und den Zuschauern im Live-Stream, so deutlicher vor Augen, als dies viele Worte oder statische Bilder bewirken könnten.

Das Streichquartett der Dortmunder Philharmoniker spielte in der St.-Ludgeri-Kirche.

Das Streichquartett der Dortmunder Philharmoniker spielte in der St.-Ludgeri-Kirche. Foto: Martin Feldhaus

„Tanzen ist Auferstehung“ - so lauten bedeutungsschwere Worte der Dichterin Silja Walter, die Kostner am Ostersonntag in beeindruckender Weise mit Leben füllte. Sie tanzte zu den Klängen Händels gewissermaßen hinüber ins Göttliche und wieder zurück. Ihre grazilen Bewegungen, vor allem die immer wieder gen Himmel gestreckten Hände, bildeten in der Zusammenschau eine tänzerische Übersetzung von Ostern, die die Seele berührte. Eine prominente Rolle also für Händels Orgelkonzert, das, wie Kantor Andreas Blechmann betonte, von diesem eigentlich als „Lückenfüller“ gedacht war. Aber: „Gerade dieses Stille, Unscheinbare und Mysteriöse zeichnet auch die Auferstehung aus“, betonte Blechmann.

Gerade dieses Stille, Unscheinbare und Mysteriöse zeichnet auch die Auferstehung aus.

Andreas Blechmann

Die Auferstehung im Tanz nachempfinden? Das sei „eine Übersetzung zwischen konkreter Gestalt und ungreifbarem Geheimnis“, hatte Dr. Ludger Kaulig vor Beginn der Marktmusik formuliert. Ein Pendeln zwischen zwei Ebenen, das Kostner mit unglaublicher Ausdrucksstärke gelang, die die fast leere St.-Ludgeri-Kirche erfüllte. Ihr gelang es, aus wenig Bewegung in viel überzugehen und auch mittels wiederholender Elemente Botschaften zu transportieren.

Musikalisch begleitet wurde Kostner von Christian Rose an der Orgel und einem Streichquartett der Dortmunder Philharmoniker um Gesa Renzenbrink (1. Geige), Björn Kuhlen (2. Geige), Christa Gerdsmeier (Bratsche) und Emanuel Mats (Cello).

Das Ensemble bot vor dem Tanz Kostners weitere Werke Mozarts (Quartett in G-Dur KV 154) und Johann Pachelbels populären Kanon in D-Dur, welchen dieser vermutlich für die Hochzeit von Johann Christoph Bach, dem älteren Bruder von Johann Sebastian Bach, schrieb. Das harmonische Zusammenwirken des Quartetts sorgte dabei für ein besonderes Klangerlebnis, das die fast leere Kirche mit einer vertrauten musikalischen Wärme ausfüllte.

Wer das Konzert digital sehen möchte, hat hierzu noch länger die Gelegenheit. Über https://www.menschen-leben-kirche.de/kirchenmusik/marktmusik/#c4092 ist der Link zur Aufzeichnung abrufbar.

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