„10 +1 Bäume“
Gedenken an Opfer rechten Terrors

Ahlen -

Auch die Stadt Ahlen beteiligt sich jetzt an der landesweiten Kampagne „10 + 1 Bäume“ und setzt damit ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Mittwoch, 07.04.2021, 13:00 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 17:30 Uhr
An die Opfer der NSU-Mordserie und anderer rechtsextremistischer Gewalttaten sollen die elf Kirschbäume erinnern, die jetzt auf dem Alten Friedhof an der Beckumer Straße gepflanzt wurden.
An die Opfer der NSU-Mordserie und anderer rechtsextremistischer Gewalttaten sollen die elf Kirschbäume erinnern, die jetzt auf dem Alten Friedhof an der Beckumer Straße gepflanzt wurden. Foto: Peter Harke

Elf junge japanische Nelkenkirschen (Prunus Kanzan) sind jetzt auf dem Alten Friedhof an der Beckumer Straße angepflanzt worden. Sie sollen, wenn sie denn erst herangewachsen sind und in voller Blüte stehen, die Besucher der Grünanlage zwischen Hundhausen-Brache und Kaldewei-Firmengelände aber nicht nur optisch erfreuen, sondern sie auch zum Innehalten animieren, zum Trauern um die Opfer rechter Gewalttaten in Deutschland.

Die Anlage dieses ungewöhnlichen Gedenkortes hatte der Rat im Dezember vergangenen Jahres einstimmig beschlossen. Ahlen folgt damit dem Beispiel zahlreicher anderer Städte in Nordrhein-Westfalen, die das vom Landesinte­grationsrat angeregte Projekt „10 + 1 Bäume“ schon in ähnlicher Form umgesetzt haben oder dies noch beabsichtigen.

Schulen könnten Patenschaften übernehmen

Zehn Bäume stehen für die Opfer der von der rechtsex­tremen Gruppe „ Nationalsozialistischer Untergrund “ (NSU) in den Jahren von 2000 bis 2006 quer durch Deutschland verübten Mordserie an neun Menschen mit überwiegend türkischem Migrationshintergrund sowie einer Polizistin. Der elfte Baum ist allen weiteren Opfern rassistischer oder fremdenfeindlicher Gesinnung gewidmet. Hier reihen sich die jüngsten antisemitisch motivierten Terroranschläge in Halle an der Saale und im hessischen Hanau ebenso ein wie der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Der Landesinte­grationsrat appelliert: „Es ist dringend an der Zeit, dieser Entwicklung entgegenzutreten und ein Zeichen zu setzen.“ Alle Kommunen in NRW seien aufgerufen, der „menschenverachtenden Gefahr“ von rechts zu begegnen.

Die Aktion unterstützt aus Sicht der Stadt die in Ahlen lebendige Erinnerungskultur und Demokratiearbeit. In diesem Sinne sollen nach Möglichkeit Schulen, die dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angehören, dafür gewonnen werden, Patenschaften für die Bäume zu übernehmen, was deren Pflege einschließen würde. Alternativ könnten sich aber auch interessierte Bürger dazu bereiterklären.

Ganz fertiggestellt ist die Mahnstätte noch nicht. Komplett wird sie erst mit ei­ner Informationstafel in der Mitte des Baumkreises sein, auf der die Opfer der NSU-Morde namentlich aufgeführt werden. Mit ihrer Installation rechnet Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels zeitnah. Noch ungewiss sei, wann und in welchem Rahmen der Gedenkort eingeweiht werden könne, abhängig von der Entwicklung der Corona-Lage.

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