Silvia Sörensen zur Istanbul-Konvention
Nicht nur ein Problem der türkischen Frauen

Ahlen -

Warum schreit keiner auf? Wo ist der Integrationsrat? Das fragt sich die Ahlener Unternehmerin Silvia Sörensen mit Blick auf den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention. Immerhin bedeute das geringeren Schutz für Frauen.

Freitag, 16.04.2021, 18:28 Uhr aktualisiert: 16.04.2021, 18:30 Uhr
Silvia Sörensen wartet auf Reaktionen auf den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention.
Silvia Sörensen wartet auf Reaktionen auf den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention. Foto: Peter Schniederjürgen

Keine Stellungnahme, tiefes Schweigen und auch Gleichgültigkeit? Das fragt sich Silvia Sörensen . Sie ist schockiert. „Ich fordere den Integrationsrat der Stadt Ahlen auf, das Ausscheiden der Türkei aus der Istanbul-Konvention zu verurteilen“, erklärt die Ahlener Unternehmerin. Denn ihr ist das Recht auf Gleichstellung und Unversehrtheit der Frau seit Jahren ein Herzensanliegen. Sie ist unter anderem Mitglied in verschiedenen Unternehmens-Netzwerken sowie im Verein „Frauen helfen Frauen“.

Recht auf Gleichstellung

„Frauen in meinem Alter sind mit diesen erkämpften Rechten, die uns im Grundgesetz verbürgt worden sind, groß geworden und sie sind uns vielleicht oberflächlich selbstverständlich geworden“, sagt Silvia Sörensen. „Wir modernen westlichen Frauen haben es anscheinend verlernt, für das Recht auf Gleichstellung und Unversehrtheit einzutreten oder uns zumindest solidarisch zu erklären. Nur so kann ich mir die Stille um den Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention erklären.“

Am 14. Mai 2012 hatte das türkische Parlament als erstes das Abkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt un­terzeichnet – die Istanbul-Konvention. Diese hat die Türkei nun am 19. März ohne Grund und einfach per Dekret als erstes und einziges Land wieder verlassen.

„Wir können und sollten international zusammenstehen.

Silvia Sörensen

„Die türkischen Frauen kämpfen für sich und ihre Töchter seit diesem Tag nicht mehr um Gleichstellung ihres Lohnes, sondern um ihre Sicherheit, ihre Unversehrtheit in den eigenen vier Wänden“, unterstreicht Silvia Sörensen. Sie betont die Wirkung der Vernetzung durch das Internet und über die sozialen Medien. „Wir können und sollten international zusammenstehen, damit wir gegen ein solch männliches Dekret aufstehen können“, fordert Sörensen zur Solidarität auf. Sie ist sicher: Das ist kein Problem der türkischen Frauen allein. Auch in Deutschland sei Gewalt gegen Frauen und Mädchen allgegenwärtig, sie sei nicht an kulturelle Hintergründe gebunden.

Aufforderung an den Integrationsrat

Sörensen: „So fordere ich neben dem Integrationsrat auch die Stadt Ahlen auf, eine Resolution zu dieser Thematik zu verabschieden – als klare Aussage gegen Unterdrückung und Gewalt an Frauen hier in Deutschland und international.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7920003?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker