Folge 3: Der erste „Tag der offenen Tür“
16 000 Besucher ein Beleg für großes Interesse

Ahlen -

„Vor der Kaserne, vor dem großen Tor“ stauen sich die Menschen den ganzen Tag hindurch. Mit diesen Worten beginnt die „Ahlener Volkszeitung“ vor bald 60 Jahren eine Bildnachlese zum ersten „Tag der offenen Tür“ in der Geschichte der „Westfalen-Kaserne“.

Dienstag, 05.03.2019, 14:58 Uhr
Für „wenige Pfennige“, so ist in alten Zeitungsberichten nachzulesen, werden beim ersten „Tag der offenen Tür“ Rundfahrten über das Kasernengelände angeboten – unter anderem zu den verschiedenen Kantinen, die als „modern und zweckmäßig“ beschrieben werden.
Für „wenige Pfennige“, so ist in alten Zeitungsberichten nachzulesen, werden beim ersten „Tag der offenen Tür“ Rundfahrten über das Kasernengelände angeboten – unter anderem zu den verschiedenen Kantinen, die als „modern und zweckmäßig“ beschrieben werden. Foto: Archiv

Mit solch einem Ansturm haben selbst diejenigen nicht gerechnet, die der Bundeswehr seit ihrer Ankunft in der Garnisonsstadt Ahlen ohnehin schon Tür und Tor geöffnet haben. Rund 16 000 Besucher zählt die Wache zum Programmende. Die Vorankündigung in der Presse mag ihr Scherflein dazu beigetragen haben, als sie am Wochenende zuvor auffordernd formuliert: „Das ist ein Angebot der Soldaten an alle, die es gut mit ihnen meinen, die wissen, dass es eine bittere Notwendigkeit ist, was hier draußen getan wird. Ihre Einladung geht an alle. Wollen wir sie ausschlagen?“

Der 25. Oktober 1959 ist ein Sonntag. Gut sechs Monate nach dem offiziellen Bezug der Unterkünfte möchten die ansässigen Verbände, allen voran der große Teil der Panzergrenadierbrigade 21, zwischen 9 und 17 Uhr der Öffentlichkeit zeigen, was in den neuen Gebäuden im Heessener Busch geschieht – in den Unterkünften, in den Küchen und Kantinen, in den Unterrichtsräumen. An Sehenswertem mangelt es ohnehin nicht.

In Zusammenarbeit mit örtlichen Busunternehmen haben die Organisatoren sogar Sonderfahrten von verschiedenen Haltestellen in der Innenstadt im Angebot. Der „AV“-Berichterstatter hält um 15 Uhr lange Schlangen an der Haltestelle „Marienkirche / Oststraße“, damals noch Bundesstraße 58, fest.

Die Überraschung beginnt mit der Erbsensuppe, die Besuchern im Alter bis zu 18 Jahren kostenlos serviert wird. Sie setzt sich fort mit einem Taxendienst, der den Gästen für „wenige Pfennige“ Rundfahrten über das Kasernengelände bietet. Und sie endet noch lange nicht mit dem Kleinkaliber-Schießen, wo es für alle, die sich sicher genug fühlen, Urkunden als Anerkennung der Schließleistungen gibt.

Ältere Besucher können mit Leitern auf die Geschütztürme klettern, um einmal in das Innere zu schauen. Die Jugend ist indes von der Technik und den Fahrzeugen nicht „wegzuschlagen“. Besonders angetan haben es ihnen die Feldtelefone, die natürlich testweise benutzt werden dürfen.

Platzkonzerte und Filme über die Bundeswehr, Ausstellungen mit der Ausrüstung der Soldaten, ein komplettes Sanitätszelt und schließlich der große Panzerabstellplatz mit 25 verschiedenen Fahrzeugtypen sind zu erleben. Überall im Gelände wird mit Getränkeständen der Durst gestillt.

Auszug aus dem Originalbericht der „Ahlener Volkszeitung“ vom ersten „Tag der offenen Tür“ in der Ahlener Kaserne im Oktober 1959. Rund 16 000 Besucher werden hierbei gezählt.

Auszug aus dem Originalbericht der „Ahlener Volkszeitung“ vom ersten „Tag der offenen Tür“ in der Ahlener Kaserne im Oktober 1959. Rund 16 000 Besucher werden hierbei gezählt. Foto: Archiv

Der „Tag der offenen Tür“ ist aber auch Ideenbörse für die zivil-militärische Zusammenarbeit am Standort. So knüpfen die Soldaten erste Kontakte zu Ahlener Sportvereinen. Und zehn Monate später, im August 1960, richten sie ein erstes Bundeswehr-Sportfest auf dem Lindensportplatz aus, zu dem die Bevölkerung kostenlosen Zutritt erhält. In einem Grußwort der „Hausbrigade des Münsterlandes“ schreibt Oberst von Rumohr damals: „Mit Stolz und Freude stellt sich die Brigade der Öffentlichkeit auf dem grünen Rasen vor. Die jungen Soldaten wollen zeigen, dass sie gern Sport treiben, weil Sport gesund erhält und zur Selbstüberwindung anspornt, zur Einordnung und zur Kameradschaft erzieht, den Mut stählt und das Selbstgefühl fördert.“

Die Schwimmdisziplinen werden im Freibad abgewickelt, die Leichtathletik auf dem Lindensportplatz, wo auch Fußball und Faustball, Judo und Dreikampf sowie Kraftrad-Geschicklichkeitsfahren an zwei Tagen auf dem Programm stehen. Den Abschluss des Brigadesportfestes bilden zwei große Bälle im Kettelerhaus und im Schützenhof, wo Tanzbesetzungen des Musikkorps I aufspielen.

Die jungen Soldaten wollen zeigen, dass sie gern Sport treiben, weil Sport gesund erhält.

Oberst von Rumohr
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