Folge 2: Feierlicher Einzug in die neue Kaserne
Unter klingendem Spiel durch die Stadt

Ahlen -

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird die offizielle Eröffnung des Bundeswehrstandorts Ahlen am 10. April 1959 begangen. An diesem Tag treffen die letzten Soldaten ein und beziehen die Gebäude im Heessener Busch.

Dienstag, 05.03.2019, 14:58 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 15:06 Uhr
10. April 1959 gegen 13 Uhr neben dem Ahlener Bahnhof: Das Bataillon ist vor dem Bahndamm im Karree angetreten. Oberst Otto Fondermann, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 19, und Major Weithöner übernehmen die Begrüßung.
10. April 1959 gegen 13 Uhr neben dem Ahlener Bahnhof: Das Bataillon ist vor dem Bahndamm im Karree angetreten. Oberst Otto Fondermann, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 19, und Major Weithöner übernehmen die Begrüßung. Foto: Archiv

Ein ziemlicher Betrieb herrscht am 10. April 1959 um die Mittagszeit rund um den Ahlener Bahnhof. Viele Familien mit Kindern sind an diesem Freitag zum Vorplatz gekommen, Bundeswehrfahrzeuge aus dem Heessener Busch parken gegenüber. Und am Bahnsteig wartet ein großer Tross aus „Offiziellen“ mit Musikkorps im Schlepptau.

Ein Zug mit drei Waggons voller Soldaten rollt um 12.30 Uhr aus Richtung Güterbahnhof an. Das Panzergrenadierbataillon 192 rückt als letzte geschlossene Einheit an, um die neue Kaserne an der Hammer Straße zu belegen. Doch zuvor gibt‘s ein öffentliches Spektakel, denn die Bevölkerung soll mitgenommen werden, wenn Ahlen Garnisonsstadt wird.

Vor dem Bahnhof wird wenig später das Bataillon, bestehend aus zwei Kompanien, zunächst dem Bataillonskommandeur Major Weithöner und dann dem Brigadechef Otto Fondermann gemeldet. Die 19. Panzergrenadierbrigade untersteht zu diesem Zeitpunkt der 7. Panzergrenadierdivision und ist in Ahlen und Handorf stationiert. In Ahlen liegen die beiden Panzergrenadierbataillone 191 und 192, außerdem das Versorgungsbataillon 196 und ein Sanitätsbataillon, das später im Hammer Stadthof untergebracht wird.

„Der Oberst bat die Soldaten, sich in ihrer neuen Garnison wie ordentliche junge Männer aufzuführen“, berichtet Heribert Bohn, damals Redaktionsleiter der „Ahlener Volkszeitung“, am Tag danach, den er mit dem Titel „Kaserne Ahlen seit gestern Mittag voll belegt“ treffend überschreibt. Sehr bald würden die Soldaten mit den Westfalen den gewünschten Kontakt bekommen. Fondermann habe den Menschenschlag hier besonders ins Herz geschlossen, betont er in seiner Ansprache. Hier habe 33 Jahre zuvor seine soldatische Laufbahn begonnen.

Dann schallen kurze, zackige Kommandos über den Platz. Durch ein Spalier von Neugierigen geht es unter den Klängen alter Militärmärsche – das würde heute wahrscheinlich scharfe Diskussionen geben, was 14 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht der Fall ist – durch die Ahlener Innenstadt. Bohn schreibt: „Überall dort, wo Musik das Kommen der langen Marschkolonne ankündigte, öffneten sich die Fenster.“ Über Bahnhofs-, Ost- und Weststraße geht es in Richtung Hammer Straße.

Der Name „Kaserne Ahlen“ ist zu diesem Zeitpunkt noch vorläufig, aber die spätere Bezeichnung ist schon angedacht, wie aus der Berichterstattung deutlich wird. „Man wolle die besondere Verbindung der Brigade zum Westfalenland dadurch zum Ausdruck bringen, dass man der Ahlener Kaserne den Namen ,Westfalen‘ und der in Handorf den Namen ,Münsterland‘ gebe. Endgültiges sei hier jedoch noch nicht entschieden“, schreibt die „AV“ nach dem Presserundgang durch die neuen Räume. „Von der Güte des Essens ebenso wie von der Sauberkeit seiner Zubereitung und dem guten Appetit, mit dem die jungen Soldaten ,reinhauten‘, konnte sich die Presse hier ein erfreuliches Bild machen“, ist im Archiv nachzulesen.

Heribert Bohns Beschreibung der Liegenschaft auf dem einstigen Besitz derer von Boeselager soll an dieser Stelle ebenfalls im Wortlaut wiedergegeben werden: „Das ist überhaupt der hervorstechende Eindruck dieser Besichtigung – man ist in Ahlen vom alten Kasernenstil abgegangen. An seine Stelle sind moderne, beinahe behaglich und wohnlich zu nennende Blocks getreten. Sauber eingerichtet sind die Zimmer, zweckmäßig angelegt die Zuhörerräume, hell und licht alles. Selbst auf den Stuben der Soldaten, wo jeweils sechs Betten stehen, spürt man etwas von dem neuen Geist der Bundeswehr , der sich auch in solchen Äußerlichkeiten niedergeschlagen hat. Die Gesichter der jungen Soldaten, frisch, offen und unbekümmert, tun alles, um diesen Eindruck zu verstärken.“

Und auch Oberst Fondermann soll – getreu der damals dokumentierten Zitate – noch einmal zu Wort kommen: „Die jungen Rekruten sind unsere beste Reklame!“

Der Oberst bat die Soldaten, sich in ihrer neuen Garnison wie ordentliche junge Männer aufzuführen.

Bericht von Heribert Bohn (1959)
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