Folge 6: Erleichterung im Wachdienst
Soldaten kapitulieren vor dem Sommer ‘69

Ahlen -

Stöhnen über brütende Hitze? 2019 wie 1969 ein Thema: Schon vor 50 Jahren ist es sogar witterungserprobten Soldaten zu heiß in Ahlen. Das führt zu willkommenen Sonderregelungen, wie der heutige Rückblick zeigt.

Freitag, 26.07.2019, 11:36 Uhr
„Wach-Erleichterung“ haben die Soldaten bekommen, die viele Stunden am Tage in brütender Hitze an den Toren der „Westfalen-Kaserne“ stehen. Jacke und Stahlhelm dürfen abgesetzt werden.
„Wach-Erleichterung“ haben die Soldaten bekommen, die viele Stunden am Tage in brütender Hitze an den Toren der „Westfalen-Kaserne“ stehen. Jacke und Stahlhelm dürfen abgesetzt werden. Foto: Rolf Kersting

„Zu beneiden sind diejenigen, die jetzt ihren Urlaub verbringen“, zitiert „AV“-Redaktionsleiter Rolf Kersting am 25. Juli 1969 einen Bürger, der angesichts der Schwüle gern so viel wie möglich Stoff am Körper spart. An ganz strenge Kleidervorschriften sind jedoch die Soldaten der Bundeswehr gebunden. Allerdings hat der Kasernenkommandeur, Oberstleutnant Erb, in jenen Tagen ein Einsehen mit den Landsern. Er lockert vor allem zur Freude der Wachsoldaten die Dienstvorschriften. Diese jungen Männer stehen gewöhnlich stundenlang im wahrsten Sinne „gestiefelt und gespornt“ unter freiem Himmel .

Vor fünf Jahrzehnten werden die Regularien sogar noch weiter abgeschwächt: Die Wachen werden während der heißen Tage stündlich abgelöst.

„Ein kühles Bier wäre jetzt das Schönste, was ich mir vorstellen könnte“, stöhnt einer der betroffenen Soldaten im Gespräch mit der „AV“, während er sich mit der Hand den Schweiß von der Stirn wischt. Seine Kameraden, denen es am Kasernentor an der Hammer Straße nicht besser ergeht, nicken zustimmend. Aber: Bier und andere Alkoholika sind während des Wachdienstes streng verboten. So muss der große Durst mit anderen Erfrischungsgetränken gestillt werden. Sie sind in diesen Tagen ganz groß gefragt am Standort.

Unteroffizier Hümmeke von der dritten Kompanie des Panzergrenadierbataillons 191registriert mit Freude die ausgesprochene „Wach-Erleichterung“. Sie dauert von 11 bis 18 Uhr an. An einigen Tagen darf die „Entblätterung“ der wärmespeichernden Uniform sogar noch früher einsetzen. Am willkommensten ist natürlich die Tatsache, dass der Stahlhelm, der bei diesen Temperaturen auf dem Kopf wie eine Hitzeglocke wirkt, gegen das „Schiffchen“ eingetauscht werden kann. Außerdem tragen die Soldaten nur ihre Oberhemden.

Wer von den jungen Grenadieren noch nicht mindestens dreimal in verschiedenen Übungen mit der Pistole geschossen hat, muss diese nicht tragen, sondern hängt sich das etwa 6,7 Kilogramm schwere G-3-Gewehr über die Schulter.

Das Wachlokal selber, in dem sich immer mehrere Soldaten aufhalten, gleicht einem Brutkasten. Nur wenig frische Luft dringt dort ein, und der Schweiß fließt in Strömen unter den bis zum Hals geschlossenen Hemden, die außerdem noch ein gut sitzender schwarzer Binder ziert. Natürlich dürfen auch die Kampfstiefel beim Wachdienst nicht fehlen. „In welche Schwierigkeiten so mancher Landser infolge der Hitze dadurch kommt, braucht wohl nicht erläutert zu werden“, heißt es in Kerstings Artikel. Unteroffizier Hümmeke: „Während des Dienstes kommen wir praktisch 24 Stunden lang nicht aus den Stiefeln . . .“

Die Soldaten im Kasernenbereich haben außerdem die Erlaubnis, sich dort ohne Krawatte und mit aufgekrempelten Hemdsärmeln zu bewegen. Diese „Freiheit“ hört aber auf, sobald sie sich ins Zivilleben begeben.

Ganz nach Vorschrift geht es noch Tage zuvor bei der Wache am Munitionsdepot am Oestricher Wald zu. Dort wird weiterhin der Kampfanzug getragen. Dann wird er aber ebenfalls gegen leichteres Arbeitszeug ausgewechselt. In der Regel hat die Kasernenwache wechselweise zwei Stunden Dienst und vier Stunden frei. Sie wird jeweils von einem Bataillon gestellt, und die Ablösung erfolgt kompanieweise. Die Hitze hat diesen Plan dann allerdings auf den Kopf gestellt.

Ein kühles Bier wäre jetzt das Schönste, was ich mir vorstellen könnte.

Wachhabender Soldat
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