Erster öffentlicher Auftritt als Kanzlerkandidat in Ahlen
Scholz: SPD muss zusammenstehen

Ahlen -

Zeit hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Donnerstag nach Ahlen mitgebracht. Geduldig beantwortete er alle Fragen aus dem Publikum und erfüllte Selfie- oder Autogrammwünsche.

Freitag, 14.08.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.08.2020, 08:48 Uhr
Nach seiner etwa 25-minütigen Rede beantwortete Olaf Scholz
Nach seiner etwa 25-minütigen Rede beantwortete Olaf Scholz Foto: Peter Harke

Die Älteren unter den Teilnehmern am Donnerstagnachmittag in der Lohnhalle der Zeche „Westfalen“ werden sich noch erinnern. Einige von ihnen wie der damalige Bürgermeister Horst Jaunich, kürzlich 90 geworden, waren sogar „live“ dabei: 1985 wurde in Ahlen in der Stadthalle schon einmal ein Kanzlerkandidat der SPD gekürt. Johannes Rau hieß er. Die Wahl ein Jahr später verlor er ge­gen Helmut Kohl und blieb Ministerpräsident in NRW. Diesmal war die Wersestadt immerhin Schauplatz des ersten öffentlichen Auftritts des aktuellen Kanzlerkandidaten, den die SPD-Parteispitze am Montag in Berlin ausgerufen hatte. Der heißt Olaf Scholz . Wer im Herbst 2021 sein Kontrahent aufseiten der Union sein wird, ist offen. Werbung wollte der amtierende Bundesfinanzminister und Vizekanzler auch noch nicht primär für sich machen, sondern die örtlichen Genossen im Kommunalwahlkampf un­terstützen.

Für 120 angemeldete Gäste waren in der Lohnhalle Stühle gestellt worden, auf Abstand.

Für 120 angemeldete Gäste waren in der Lohnhalle Stühle gestellt worden, auf Abstand. Foto: Peter Harke

Diefreuten sich natürlich über den unverhofften Coup. „Das war nicht verabredet“, stellte der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup bei der Begrüßung schmunzelnd fest.Noch eine Woche zuvor wäre wohl auch das Medieninteresse nicht so groß gewesen. Begrenzt auf 120 blieb trotzdem die Zahl der Zuhörer, die nach Voranmeldung Einlass fanden, zunächst allerdings so lange draußen warten mussten, bis ein Sprengstoffspürhund der Polizei seine Arbeit erledigt hatte und dessen zum Teil recht unentspannte zweibeinige Kollegen die Zugänge freigaben.

Wir brauchen Rückenwind aus Berlin.

Hermann Huerkamp

In der ehemaligen Lohnhalle war die Luft bald zum Schneiden. Hermann Huerkamp entschuldigte sich dafür, dass es leider versäumt worden sei, eine Klimaanlage einzubauen. Aber sonst, so der Geschäftsführer der Projektgesellschaft Westfalen, habe man den Strukturwandel in Ahlen nach dem Ende des Bergbaus „ganz gut hingekriegt“. Stichwortartig umriss Huerkamp sein Programm als Bürgermeisterkandidat, nannte drei Hauptziele: die Belebung der Innenstadt, die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum und die „klimaneutrale Stadt“. Um als Sozialdemokraten auf kommunaler Ebene erfolgreich zu sein, brauche es „Rückenwind aus Berlin“, erklärte Huerkamp.

Olaf Scholz wirkte sehr entspannt bei seinem Auftritt in Ahlen.

Olaf Scholz wirkte sehr entspannt bei seinem Auftritt in Ahlen. Foto: Peter Harke

Olaf Scholz verwies auf die deutlich erhöhte Beteiligung des Bundes an den Kosten der Unterkunft für Sozialhilfeempfänger, die er zusammen mit Bernhard Daldrup in der GroKo durchgesetzt habe, und die Kompensation der Gewerbesteu­erausfälle der Kommunen infolge der Coronakrise. Den besonders hoch verschuldeten Städten und Gemeinden sollte man nach seiner Vorstellung „eine neue Stunde null gönnen“.

Nach seiner etwa 25-minütigen Rede beantwortete Scholz, der offenbar nicht in Eile war und geduldig auch alle Selfie- und Autogrammwünsche erfüllte, noch mal doppelt so lange Fragen aus dem Publikum.

Was willst du im Wahlkampf anders machen als Martin Schulz?

Frage von Andrea Jaunich an Olaf Scholz

Wie die von Andrea Jaunich, was er im Bundestagswahlkampf anders machen wolle als der letzte gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz. Simple Antwort: Die Sozialdemokratie müsse „zusammenstehen“. Sein Gefühl, „dass wir das hinkriegen“, sei gerade „ziemlich gut“, versicherte Scholz. Die SPD müsse allerdings auch inhaltlich „sehr konkret werden“, damit jeder wisse, „was er kriegt, wenn er uns unterstützt“. Der 62-Jährige gab zu: „Mit der frühen Nominierung gehen wir auf eine harte Strecke.“ Als Wegzehrung für die nächsten Meter gab Bernhard Daldrup dem Gast aus Berlin einige Münsterländer Spezialitäten mit, verbunden mit dem Wunsch, ihn wieder einmal im Kreis Warendorf begrüßen zu können – dann aber bitte als Bundeskanzler.

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